Mittwoch, 18. Dezember 2013

Ein Apfel gegen Darmkrebs?

News: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau.

„An apple a day keeps the doctor away.“ Dieser Ausspruch scheint sich nach Ergebnissen chinesischer Forscher tatsächlich zu bestätigen. Bestimmte Zuckermoleküle aus dem Apfel, die sogenannten Oligosaccharide, lassen Darmkrebszellen sterben.
Die Wissenschaftler um Qian Li isolierten die Polysaccharide des Apfels, bauten sie enzymatisch im Reagenzglas zu den kleineren Oligosacchariden ab und ließen sie anschließend in verschiedenen Konzentrationen auf menschliche Darmkrebszellen einwirken. Die Zellen wurden während ihrer Synthesephase gehemmt und starben den programmierten Zelltod (Apoptose). Die Forscher sehen darin einen bedeutenden Hinweis darauf, dass Apfel-Oligosaccharide möglicherweise der Behandlung oder Prävention von Darmkrebs beim Menschen nützen.

Gesundheit: "An apple a day keeps the doctor away."
(w.r.wagner  / pixelio.de)

Zuckermoleküle aus dem Apfel verhindern Krebszellwachstum
Darmkrebs ist die dritthäufigste Todesursache durch Krebs bei Männern weltweit, bei Frauen sogar die zweithäufigste. Die konventionelle Chemotherapie hat sehr schwere Nebenwirkungen, welche den klinischen Nutzen behindern. Der Suche nach alternativen, unterstützenden oder sogar präventiv wirksamen Stoffen kommt deshalb besondere Aufmerksamkeit zu.

Bereits früher zeigten Polysaccharide aus dem Apfel, dass sie Krebs beeinflussen können. Konzentrationen zwischen 0,001 und 0,1 mg/ml beeinflussten nachweislich den Zellzyklus von kultivierten humanen Darmkrebszellen. Darüber hinaus waren die Zuckermoleküle auch bei Fütterung in einem Mäuseversuch wirksam. Die vorsorgliche Gabe von Apfel-Polysacchariden schützte die Mäuse vor Darmkrebs.
Obgleich ihre Ergebnisse sehr vielversprechend sind, merken die Forscher abschließend an, dass die Wirkungsmechanismen von Oligosacchariden aus dem Apfel noch immer zu wenig erforscht sind. Bis zu einer möglichen Anwendung und Empfehlung zur Krebsvorsorge bzw. –behandlung ist es daher ein sehr weiter Weg.

Quelle:
Li et al. 2013. Oligosaccharide from apple induces apoptosis and cell cycle arrest in HT29 human colon cancer cells. Int J Biol Macromol 57, 245-45

Li et al. 2012. Low Molecular Weight Apple Polysaccharides Induced Cell Cycle Arrest in Colorectal Tumor. Nutrition and Cancer 64(3), 439-463

Montag, 2. Dezember 2013

Krebs im Kindesalter – Gefahr für die spätere Fruchtbarkeit?

News: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau

Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter führen nicht selten dazu, dass Betroffene als Erwachsene häufig unter eingeschränkter Fruchtbarkeit oder sogar Unfruchtbarkeit leiden. Chemo- und Strahlentherapie schädigen die Eierstöcke bzw. Hoden. Dieses Risiko kann vor Therapiebeginn erkannt und umfassend mit Eltern und Betroffenen diskutiert werden. In einigen Fällen könnten Spermien oder Eizellen eingefroren und konserviert werden, um die Chance auf ein eigenes Kind im Erwachsenenalter zu erhöhen.

Schädigung von Eierstöcken und Gebärmutter

Die Zahl reifungsfähiger Follikel in den Eierstöcken nimmt mit steigender Strahlungsdosis ab. Dies geschieht bei Ganzkörperbestrahlung ebenso wie bei Bestrahlung des Bauchraumes oder des Beckens. Die Toleranz der Eierstöcke und Follikel gegenüber Strahlung ist sehr gering. Diese wirkt in den Eierstöcken direkt auf die Follikel ein und lässt sie absterben. Langfristig kommt es daher im Ergebnis bei einer Vielzahl der behandelten Mädchen zu einer dauerhaften Schädigung der Eierstöcke mit Unfruchtbarkeit. In gleicher Weise kann eine Chemotherapie zur dauerhaften Einschränkung der Funktion der Eierstöcke führen. Als Folgen treten Unfruchtbarkeit, frühe Menopause noch vor dem Erwachsenenalter oder Entwicklungsstörungen bei einem zukünftigen Embryo auf.

Im Uterus hingegen schädigt die Bestrahlung vor allem die Muskulatur und damit die Elastizität der Gebärmutterwand sowie deren Durchblutung. Als Spätfolge besteht ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten, Frühgeburten oder geringere Geburtsgewichte der Neugeborenen. Bisher liegen keine Berichte vor, dass eine Chemotherapie die Gebärmutter schädigt.

Schädigung der Hoden

Die Hoden sind im besonderen Maße strahlungsanfällig. Bereits geringste Dosen können die Spermienbildung beeinträchtigen oder dauerhafte Schäden verursachen. Die Leydig-Zellen, die in den Hoden die Testosteron-Produktion übernehmen, sind strahlungsresistenter. Dadurch kann die Strahlentherapie bei Jungen zur Zeugungsunfähigkeit führen, obgleich testosteronabhängige, sekundäre Geschlechtsmerkmale (z.B. Bartwuchs, breite Schultern, Körperbehaarung) normal ausgebildet werden. Ebenso sensitiv reagiert das spermienbildende Hodengewebe auf die Chemotherapie. Derzeit wird mit einigem Erfolg an neuen Zusammensetzungen gearbeitet, um die Schädigung des Hodengewebes und damit das Risiko für eine spätere Zeugungsunfähigkeit zu verringern.
Kryokonservierung und Fortpflanzungserhalt bei Mädchen
Momentan gibt es für Mädchen nur zwei etablierte Verfahren zur Erhaltung der Reproduktionsfähigkeit. Bei der ersten Methode, der Eierstock-Verlagerung (= Ovarien-Transposition, Oophoropexy), werden die Eierstöcke vor Therapiebeginn operativ aus dem Bestrahlungsfeld verlegt, um sie vor einer Schädigung zu schützen. Das zweite Verfahren nutzt im Falle erwachsener Frauen die Möglichkeit, Embryonen einzufrieren und so zu konservieren. Für Mädchen gibt es den vielversprechenden Ansatz, Eierstockgewebe mit enthaltenen Follikeln chirurgisch zu gewinnen und für eine zukünftige Rückverpflanzung (= Reimplantation) einzufrieren.
Möglichkeiten zur Erhaltung der Fortpflanzungsfähigkeit bei Jungen

Das Gewinnen und Einfrieren von Spermien ist bei erwachsenen Männern problemlos möglich. Hingegen ist dieses Verfahren bei Kindern und Jugendlichen nur sehr schwer anzuwenden. Die Spermien von pubertären Jugendlichen sind häufig unzureichend entwickelt und somit von geringer Qualität für den Einfrierprozess. Die Gewinnung von Keimzellen aus vorpubertären Jungen befindet sich in einem experimentellen Stadium. Derzeit gibt es demnach noch kein anerkanntes Verfahren, um die Zeugungsfähigkeit dieser Kinder während und nach einer Krebstherapie zu erhalten.

Quelle:
Wallace W., Hamish B. 2011. Oncofertility and preservation of reproductive capacity in children and young adults. Cancer 117(S10): 2301-2310.

Dienstag, 19. November 2013

Künstliche Süßstoffe – Übergewicht bei null Kalorien?

Hypothese: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau

Dass Zucker dick macht und eine ganze Reihe negativer Auswirkungen auf den Körper hat, ist seit Langem bekannt. Nicht ohne Grund greifen Übergewichtige oder Fettleibige sehr gern zu den kalorienarmen Zuckerersatzstoffen oder den kalorienfreien künstlichen Süßstoffen. Lassen sich dadurch doch angeblich das Übergewicht und dessen Folgekrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislaufprobleme und das metabolische Syndrom verhindern. Allerdings zeigen mehr und mehr Studien statt des erhofften Gewichtsverlustes, dass künstliche Süßstoffe die Gewichtszunahme fördern und somit auch das Risiko für Folgeerkrankungen erhöhen können. Null Kalorien und Übergewicht? Ein Widerspruch? Nicht ganz, wie amerikanische Forscher jetzt veröffentlichten.

Seit mehreren Jahren bereits häufen sich die Anzeichen, dass künstliche Süßstoffe genauso wie Zucker zu Übergewicht und anderen gesundheitlichen Folgen führen. „Der Gebrauch von süß-schmeckenden, aber kalorienfreien Getränken und Nahrungsmitteln lässt den erlernten Zusammenhang zwischen süßem Geschmack und der Energieaufnahme aus dem Ruder laufen“, so die Wissenschaftler. „Die Folge ist eine gesteigerte Aufnahme kalorienreicher Nahrungsmittel, um den Energiemangel auszugleichen.“

Süßstoffe machen dick: Die Studienlage

Verschiedene Studien kommen zu dem gleichen Schluss: Menschen, die künstliche Süßstoffe verwenden, neigen eher zu einer Gewichtszunahme als solche, die keine künstlichen Süßstoffe zu sich nehmen. Dennoch heißt dies im Umkehrschluss nicht, dass es gesünder wäre, Zucker in großen Mengen zu essen.
Darüber hinaus bieten sowohl Süßstoffe als auch Zucker das gleiche Risiko, ein metabolisches Syndrom (extremes Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes, freie Fette im Blut) zu entwickeln. Doch wie ist das möglich, wenn Süßstoffe doch weniger oder keine Kalorien enthalten?

Was läuft schief im Gehirn, dass wir trotz Süßstoffe dicker werden?

Erste Hinweise auf die Mechanismen hinter diesem Phänomen erhielten die Forscher aus Experimenten an Ratten und Mäusen. Tiere, deren Futter mit kalorienfreien Süßstoffen angereichert war, nahmen mehr Gewicht zu als jene, die zuckerhaltige Nahrung erhielten. Was war passiert?

Während künstliche Süßstoffe einen süßen Geschmack transportieren, bieten sie keinerlei Energie für den Körper, wodurch wichtige Mechanismen im Gehirn, die die Sättigung kontrollieren, nicht mehr funktionieren. In der Folge nahmen die Tiere, deren Futter mit Süßstoffen gesüßt war, sehr viel mehr Nahrung auf, als die Zuckergruppe.

Die Forscher nehmen an, dass der süße Geschmack dem Gehirn Energie signalisiert, die jedoch durch die kalorienfreien Süßstoffe nicht geliefert wird. Dies verstärkt den Appetit sowie den Drang nach Zucker und Energie und fördert somit die Aufnahme energiereicher Nahrung. Ganz ähnliche Mechanismen können auch im Menschen ablaufen und fördern hier Heißhunger auf Süßes und Fettreiches, wodurch es langfristig zu Übergewicht kommen kann.

Lässt sich das Wissen um die Rolle von Geschmack und Kalorien für die Sättigung zukünftig besser nutzen? Die Chancen dafür stehen gut. Denn werden weniger Fett und Salz in Speisen verwendet, ohne den fehlenden Geschmack durch künstliche Aromen zu ersetzen, nimmt nach einigen Wochen die Lust auf weniger salzige oder fettige Lebensmittel zu. Gleiches könnte für Zucker in Lebensmitteln gelten. Doch dann wäre es richtiger, ganz auf Süßungsmittel zu verzichten als den Zucker durch kalorienfreie Süßstoffe zu ersetzen. „Die Welt zu „entsüßen“ könnte der Schlüssel sein, um die Adipositas-Epidemie zu stoppen“, so die Forscher.

Quellen:

Swithers SE. 2013. Artificial sweeteners produce the counterintuitive effect of inducing metabolic derangements. Trends in Endocrinology and Metabolism 24(9), 431-441

Yang Q. 2010. Gain weight by “going diet?” Artificial sweeteners and the neurobiology of sugar cravings. Yale Journal of Biology and Medicine 83, 101-108

Freitag, 1. November 2013

Vegetarier leben länger

News: Wissenschaft

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau.


Der 1. November ist in jedem Jahr auch der Welttag der veganen Ernährung. Zeit also, sich einmal etwas genauer mit der vegetarischen Ernährung auseinanderzusetzen. Denn nun gilt es als statistisch erwiesen: Vegetarier leben nicht nur gesünder, sondern eben auch länger als Nicht-Vegetarier!
Ein amerikanisches Wissenschaftlerteam hatte bereits im Sommer berichtet, dass die allgemeine Sterblichkeit bei Vegetariern und Veganern im Gegensatz zu den Fleischessern signifikant niedriger ist. Doch was heißt das? Und warum leben Vegetarier eigentlich länger?

Vegetarisch ist nicht gleich vegetarisch
Die Forscher der Loma Linda Universität in Kalifornien untersuchten in ihrer Studie mehr als 73.000 Männer und Frauen. Anfangs erhoben sie die Ernährungsgewohnheiten der Probanden und teilten diese in die folgenden Gruppen ein: Nicht-Vegetarier, Fisch-Vegetarier, Ovo-Lacto-Vegetarier (= Eier und Milch) sowie reine Veganer, die gar keine tierischen Produkte konsumierten. Anschließend wurde der statistische Zusammenhang zwischen der vegetarischen Ernährungsweise und der Sterblichkeit in den einzelnen Gruppen ermittelt. Insgesamt starben 2570 Menschen im Beobachtungszeitraum von sechs Jahren. Interessanterweise hatten alle Vegetariergruppen zusammen ein 12% geringeres Sterblichkeitsrisiko als die Nicht-Vegetarier.

Männer und Frauen profitieren unterschiedlich stark vom Vegetarismus
Bei Einzelbetrachtung konnten die Fisch-Vegetarier ihr Sterblichkeitsrisiko mit 19% am stärksten senken, dicht gefolgt von den Veganern mit 15%. Die Ovo-Lacto-Vegetarier bringen es immerhin noch auf 9% Risikoabnahme im Vergleich mit den Nicht-Vegetariern.

Zudem verringerte eine vegetarische Ernährung das Risiko an bestimmten Krankheiten zu versterben, wie z. B. Herz-Kreislaufstörungen, Nierenproblemen oder Hormonstörungen. Dies zeigt wiederum deutlich, dass ungesättigte Fettsäuren aus tierischen Fetten und Eiweiße aus dem Fleisch ein Hauptproblem bei der Entstehung von Herz-Kreislauf- und Nierenproblemen sind.
Männer zeigten zudem einen sehr viel stärkeren statistischen Zusammenhang zwischen dem Vegetarismus und dem verringerten Sterblichkeitsrisiko in Bezug auf diese Erkrankungen. „Der Geschlechterunterschied sollte zukünftig verstärkt auch von Ernährungs- und Diätberatern aufgegriffen und vermittelt werden“, so die Forscher abschließend.

Quelle:

Orlich et al. 2013. Vegetarian dietary patterns and mortality in Adventist Health Study 2. JAMA Intern Med 173(13), 1230-8; doi: 10.1001/jamainternmed.2013.6473

Sonntag, 27. Oktober 2013

Nächtlicher Putzwahn im Gehirn

News: Wissenschaft

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau.

Der Mensch kann sich im Normalfall nur selten an seinen Schlaf erinnern, es sei denn, dieser war schlecht. Zwar weiß die Wissenschaft heute, dass Schlaf für Wachstum, Regeneration und geistige Fitness notwendig ist, doch werden die molekularen Hintergründe noch immer wenig verstanden. Forscher aus den USA zeigten nun kürzlich im Fachjournal Science, wie das Gehirn Stoffwechselprodukte und anderen Ballast im Schlaf über Bord wirft.
Nahezu alle Tiere schlafen, wenn auch unterschiedlich lang. Während der Körper sich in einer tiefen inneren Ruhe befindet und alle Skelettmuskeln maximal entspannt sind, arbeitet unser Gehirn fast ebenso emsig weiter wie am Tag. Es sortiert die Eindrücke und Erlebnisse und lässt uns die unwichtigen vergessen oder die wichtigen als Erinnerungen abspeichern. Ganz ähnlich muss auch die Reinigung der Nervenzellen selbst ablaufen, wie die Forscher um Lulu Xie der Universität Rochester (USA) jetzt veröffentlichten.

Die Müllabfuhr hat Nachtschicht
Unser Gehirn ist über die Blut-Hirnschranke vom Rest des Körpers isoliert. Dennoch handelt es sich bei Nervenzellen um sehr stoffwechselaktive Zellen, die beim Verbrauch von Zucker verschiedenste Abfallstoffe anhäufen. Ganz ähnlich einem Verbrennungsmotor würde jede Nervenzelle ohne die notwendige Pflege mit der Zeit verrußen und zerstört werden. Die Zellpflege geschieht durch den beständigen Abtransport von Schadstoffen aus dem Zellinneren in die umgebenden Zellzwischenräume. Im Gehirn ist das glymphatische System für den Weitertransport zuständig. Es durchzieht das Gehirn in feinen Kanälen und ist mit Hirnwasser gefüllt.

Um dieses System näher zu untersuchen, nutzten die Forscher ein Mausmodell. Die Mäuse schliefen in einer Mikroskopierkammer und wurden im Schlaf- und Wachzustand mit Kontrastmittel behandelt, welches die Strömungsverhältnisse im glymphatischen System darstellte. Die Überraschung: Die Strömung reichte viel tiefer in das Hirngewebe hinein, wenn die Tiere schliefen. Zugleich änderte sich die Größe der Zellzwischenräume im Gehirn, sodass ihr Anteil an der Hirnmasse im Schlaf von 14% auf 23% anstieg. Die Wissenschaftler deuteten dies als Hinweis auf den sehr effizienten Abtransport von Stoffwechselendprodukten.
Bestimmt der Müll im Gehirn, wann wir schlafen müssen?

Die Forschungsergebnisse aus den USA lassen die Frage aufkommen, ob vielleicht sogar die Menge an Abfallstoffen in den Hirnzellen dafür sorgt, dass wir müde werden. Ist das Schlafbedürfnis vielleicht nur Ausdruck für das Bedürfnis des Gehirns, wieder einmal aufzuräumen? Aber, warum schlafen dann verschiedene Säugetierarten unterschiedlich lang? Und selbst Menschen sind nicht an bestimmte Zeiten gebunden; zwischen 5 und 9 Stunden können durchaus normal sein.

Die Forschungsarbeit von Lulu Xie und Kollegen wirft abschließend eine große Reihe weiterer Fragen auf, deren Antworten zukünftig Licht ins Dunkel um den Nachtschlaf bringen könnten.
Quelle:
Xie et al. 2013. Sleep Drives Metabolite Clearance from the Adult Brain. Science 342(6156), 373-7; doi: 10.1126/science.1241224

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Kurioses und Wissenschaftliches aus der Welt des Schlafes

Ideen & Wissen-Redakteur Marcus Mau mit neuem Buch "Gesunder Schlaf" auf der Buchmesse in FFM: Fr. 11.10.2013 ab 16:30, Halle 3.1 H65.

"Meet the Author"
Das besondere Plus des Buches sind seine Exkurse in die Wissenschaft und Kuriositäten rund um den Schlaf sowie ein eigenes Kapitel zu Ernährung und Schlaf. Kommen Sie doch auf einen Sprung vorbei und treffen Sie den Autor!

News zum Buch und den Bestelllink gibt es hier: http://www.wissen-kompakt.eu/index.php/produkte/gesundheit.html/

Über das Buch:

Praktische Tipps rund um Bewegung und Stressvermeidung sowie Rezeptvorschläge für eine schlafbewusste (serotoninreiche) Ernährung sollen Ihnen Wege zu einem gesünderen Schlaf aufzeigen. Zusätzlich erhalten Sie Anregungen und Hilfestellungen, Ihre persönliche Schlafroutine zu entwickeln und auch einzuhalten. Darüber hinaus bietet dieses Buch zahlreiche Exkurse, die sich mit Kuriositäten, Wissenschaft und allerlei Volksweisheiten rund um das Thema Schlaf beschäftigen. Wissen Sie zum Beispiel, ob der Mond unseren Schlaf beeinflusst? Oder, ob Schlafmangel dick macht?
Erhalten Sie die Antworten darauf und auf weitere spannende Fragen rund um den Schlaf in meinem neuen Buch.

Sonntag, 29. September 2013

Ibuprofen und Aspirin: Zwei wie Hund und Katze

News: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau.

Ibuprofen und das Einstiegsschmerzmittel Acetylsalicylsäure (Aspirin) sind frei in Apotheken erhältlich. Deshalb entzieht sich der Konsum dieser Medikamente in den meisten Fällen auch der ärztlichen Kontrolle. Eine Kombination von Ibuprofen und Aspirin birgt jedoch besonders für Herz-Kreislauf-Patienten eine große Gefahr.
Herz-Kreislauf-Patienten erhalten in einer Vielzahl der Fälle Aspirin, um ihr Blut zu verdünnen und auf diese Weise einer erneuten Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombus) vorzubeugen.

Acetylsalicylsäure verdünnt das Blut nach Herzinfarkt und Schlaganfall
Die im Medikament Aspirin enthaltene Acetylsalicylsäure hemmt wichtige Enzyme in den für die Blutgerinnung verantwortlichen Blutplättchen (Thrombozyten). Diese Hemmung ist dauerhaft und so wird das Risiko einer Blutgerinnung im Inneren der Adern vermindert.

Anders als die Acetylsalicylsäure beeinflusst Ibuprofen die Enzyme der Blutplättchen indes nur vorübergehend. Wird es in hohen Konzentrationen eingenommen, blockiert es in den Blutplättchen die Bindungsstellen für die Acetylsalicylsäure. Da Ibuprofen die Enzyme nur vorübergehend blockieren kann, wird nach einiger Zeit die Hemmung an den Thrombozyten aufgehoben. Dadurch ist die Bildung eines Thrombus wieder möglich. In der Folge können durch Ablösung des Thrombus neuerlich Embolien, Schlaganfälle oder Herzinfarkte ausgelöst werden.
Genau darin liegt die Gefahr der Kombination von Ibuprofen und Aspirin, die sich als freiverkäufliche Medikamente allzu häufig der ärztlichen Kontrolle entziehen.

Aspirin und Ibuprofen: Wechselwirkungen beachten
Bereits 2006 wies die US Food and Drug Administration (FDA) darauf hin, dass Patienten, die Ibuprofen in hoher Dosis einnehmen, die Schutzwirkung von niedrigdosierter Acetylsalicylsäure gefährden. In einer Dosis von 400 mg hebt Ibuprofen die Wirkung der Aspirin-Tablette auf, sofern beide Medikamente innerhalb von 30 Minuten bis weniger als 8 Stunden aufeinander folgend eingenommen werden.

Einnahme genau planen oder Alternativen nutzen
Im Falle einer Schmerzbehandlung mit Ibuprofen wird derzeit empfohlen, eine Aspirin mindestens 30 Minuten vor oder mehr als 8 Stunden nach der letzten Ibuprofen-Dosis einzunehmen. Die Umsetzung ist jedoch gerade auch für ältere Patienten schwierig. Hier kommt dem behandelnden Arzt die Verantwortung zu, eventuell auf andere Schmerzmittel auszuweichen. Keine Wechselwirkungen mit Aspirin zeigen beispielsweise Paracetamol und opioidartige Schmerzmittel.

Dieser Artikel hat rein informativen Charakter und ersetzt weder die ärztliche Beratung noch beinhaltet er eine Therapieempfehlung.
(Artikel vom Autor, Dr. Marcus Mau, zuerst veröffentlicht auf experto.de)

Quellen:
Ellison & Dager. 2007. Recent FDA warning of the concomitant use of aspirin and ibuprofen and the effects on platelet aggregation. Prev Cardiol 10(2),61-3

Gengo et al. 2008. Effects of Ibuprofen on the Magnitude and Duration of Aspirin's Inhibition of Platelet Aggregation: Clinical Consequences in Stroke Prophylaxis. J Clin Pharmacol 48(1), 117-122

Montag, 16. September 2013

Ein Schalter gegen Depressionen?

News: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau.

Chinesische Wissenschaftler beschreiben ein Schlüsselprotein im Gehirn, welches für die Ausbildung von Depressionen zuständig sein könnte. Erste Versuche, das Eiweiß in Ratten an- und auszuschalten, lassen auf neue Therapieansätze hoffen. Die Ergebnisse wurden bereits im August-Heft des Science-Magazins veröffentlicht.

Seit längerem war bereits bekannt, dass bestimmte Gehirnregionen bei depressiven Menschen ungewöhnlich aktiv sind. Jedoch war der Auslöser dafür bisher völlig unbekannt. Eine Störung des Serotoninhaushaltes kam dafür nicht allein in Frage. Die Entdeckung der Forscher bringt nun erstmals Licht in das Dunkel.

Ein Eiweiß als Schalter für den Gemütszustand
Der Weg führte über das Tierexperiment an Ratten. Dabei fanden die Wissenschaftler ein Eiweiß, welches in den depressiven Tieren doppelt so häufig war wie in der Kontrollgruppe. Wie erwartet führte der Einsatz von Antidepressiva in den Tieren zu einer Besserung der Symptome. Interessant daran war jedoch, dass auch gleichzeitig das zuvor entdeckte Protein, CaM, zurückging.
Um herausfinden zu können, ab welcher Menge das Eiweiß Depressionen hervorruft, spritzten die Forscher gesunden Tieren das CaM-Protein. Mithilfe von Virusmaterial erhielten die Tiere das Eiweiß in unterschiedlichen Mengen. Anschließend mussten sich die Ratten einem Depressionstest unterziehen.

Können Ratten wirklich depressiv sein?
Depressive Ratten; was auf den ersten Blick lustig erscheint, ist ein messbarer Gemütszustand bei diesen Tieren. Ganz ähnlich wie Menschen, die unter Depressionen leiden, reagieren die Ratten mit Unlust, Lethargie und haben sogar weniger Kampfgeist als gesunde Vergleichstiere. Um die Schwere einer Depression bei Nagetieren wie Ratten und Mäusen zu ermitteln, unterzieht man die Tiere einem Schwimmtest. Das Prinzip ist denkbar einfach und spiegelt menschliche Depressionen angemessen wider. Während gesunde Tiere im Wasser strampeln und versuchen ans rettende Ufer zu gelangen, werden depressive Tiere sehr viel eher aufgeben, das Schwimmen einstellen und sich ihrem Schicksal ergeben. Ertrinken mussten die Ratten aber dennoch nicht. Die Wissenschaftler schafften es, durch Einsatz einer neuartigen Technik das zuvor injizierte CaM auch wieder auszuschalten. „Indem wir das Eiweiß reguliert haben, konnte die Depression aufgehoben werden“, sagt Prof. Hailan Hu der Universität in Shanghai. Dadurch ließen sich zukünftig möglicherweise ganz neue Therapien für Depressionen auch beim Menschen finden.

Quelle:
Li et al. 2013. βCaMKII in lateral habenula mediates core symptoms of depression. Science 341(6149), 1016-20; doi: 10.1126/science.1240729

Freitag, 30. August 2013

Softdrinks beeinflussen die Psyche von Kindern

News: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau.

Fruchtsäfte und Limonaden, wie z. B. Cola oder Fanta, haben bei allen Unterschieden doch eines gemeinsam: Sie enthalten sehr viel Zucker. Dass dies nicht ohne gesundheitliche Folgen bleibt, weiß die Wissenschaft bereits seit Längerem. Diabetes und Übergewicht sowie Fettleibigkeit können dadurch entstehen. Wie amerikanische Forscher jetzt erneut bestätigt haben, wirken Softdrinks aber auch auf die Psyche von Kindern. Vorschulkinder verhalten sich aggressiver und Jugendliche können unter dem Einfluss von stark zuckerhaltigen Getränken sogar Depressionen und Selbstmordgedanken entwickeln.


Glaubt man der Werbung, sollen Softdrinks vor allem eines machen: glücklicher. Und obwohl Wissenschaftler, Ärzte und Verbraucherschützer bereits häufiger vor den Gesundheitsrisiken der Dickmacher gewarnt haben, verbraucht jeder Deutsche im Jahresdurchschnitt noch immer bis zu 100 Liter des Zuckerwassers. Besonders Kinder und Jugendliche verfallen dem süßen Geschmack. Durchschnittlich trinken sie mehr als zwei Gläser zuckerhaltige Erfrischungsgetränke pro Tag. Welche Folgen das unter anderem für die kindliche Psyche haben kann, fanden US-Forscher jetzt an mehr als 16.000 Kindern im Alter von 16 Jahren heraus.
Konsum von zuckerhaltigen Getränken bei Kindern und
Jugendlichen in Deutschland. [Datenquelle: KiGGS;
aus GBE kompakt 1/2013; mit freundlicher Genehmigung
der Pressestelle des Robert-Koch-Instituts (RKI)]

Je mehr Softdrinks, desto größer ist die Aggressivität
„Es besteht ein nachweislicher Zusammenhang zwischen der Anzahl der Softdrink-Portionen pro Tag und dem aggressiven Verhalten von Kindern“, so Solnik und Hemenway in ihrer aktuellen Veröffentlichung. Mit jedem weiteren Glas nahm die Aggressivität der Heranwachsenden in der Studie deutlich zu. Die Jugendlichen wurden streitlustiger und auch schneller handgreiflich. Insgesamt traten diese Symptome bei den Kindern, die keine Softdrinks zu sich genommen hatten, in 22% der Fälle auf. Dahingegen waren etwa 51% der Kinder aggressiv, die vier oder mehr Portionen pro Tag getrunken hatten. Interessant ist, dass es sich bei dieser Beobachtung nicht um ein amerikanisches Problem handelt, denn ganz ähnliche Ergebnisse waren zuvor in Norwegen und China beschrieben worden. Wurden die momentanen Stimmungen der Jugendlichen für die Auswertung mit berücksichtigt, dann zeigte sich, dass bei gesteigertem Verbrauch von Softdrinks auch die seelischen Belastungen zunahmen. Dies äußerte sich vor allem in starker Traurigkeit sowie Selbstmordgedanken.
Zuckerhaltige Getränke als Selbstmordrisiko?
Obwohl die Forscher noch über die genauen Mechanismen rätseln, scheint der übermäßige Konsum zuckerhaltiger Erfrischungsgetränke bei Kindern und Jugendlichen zu Selbstmordgedanken und auch Selbstmordversuchen zu führen. Während nur 4,9% der Kinder, die ganz auf Softdrinks verzichteten, Selbstmordversuche durchführten, waren es unter dem Einfluss von mehr als 4 Gläsern Softdrinks pro Tag bereits 17%. Inwieweit hierbei auch soziale Aspekte oder andere Risikofaktoren eine Rolle spielen, konnte die Studie nicht gänzlich aufklären.
Quellen:
Rabenberg & Mensink. 2013. Limo, Saft & Co – Konsum zuckerhaltiger Getränke in Deutschland. RKI, Berlin (Hrsg.). GBE kompakt 4(1)
Solnick & Hemenway. 2013. Soft drinks, aggression and suicidal behavior in US high school students. Int J Inj Contr Safety Prom: doi: 10.1080/17457300.2013.815631

Samstag, 17. August 2013

Adipositas und Kreislauferkrankungen bei Kindern: Ist zu wenig Schlaf eine Ursache?

News: Medizin

Aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau.

Eine immer größer werdende Zahl von Kindern und Jugendlichen entwickelt bereits ein krankhaftes Übergewicht und somit einen wichtigen Risikofaktor für spätere Herz-Kreislaufprobleme. Dass die energiereiche Ernährung die Entstehung von Übergewicht fördert, steht außer Frage. Dennoch ist beispielsweise über die Motive der Kinder zum ungesunden Konsum hochkalorischer Lebensmittel wenig bekannt. Wie dänische und iranische Forscherteams jetzt unabhängig voneinander bestätigten, könnte Schlafmangel eine bisher unterschätzte Rolle bei der Entstehung von Übergewicht und Folgeerkrankungen spielen.

Die Schlafdauer ist wichtig für einen gesunden Körper und Geist. Denn während des Schlafes werden Wachstumshormone zur Regenerierung der Zellen gebildet und das Gehirn von unwichtigen Inhalten befreit. Besonders bei Kindern hat der Schlaf eine bedeutende Funktion, da bei ihnen Wachstum, hormonelle Umstellung und Lernprozesse ablaufen müssen. Doch welche Rolle spielt der Schlaf bei der Ausbildung von Kreislauferkrankungen und Ernährungsgewohnheiten der Kleinen?

Zu wenig Schlaf fördert ungünstige Ernährungsgewohnheiten und Fettleibigkeit
In einer aktuellen Studie untersuchten dänische Forscher den Einfluss von Schlafdauer und Schlafqualität auf die Auswahl von Nahrungsmitteln bei 676 gesunden Kindern. Die Kinder wurden hierbei mittels Fragebogen überwacht. Schlafstörungen, Schlafdauer und Ernährungsweise wurden festgehalten. Im Ergebnis stand fest: Je weniger die Kinder schliefen, desto häufiger wählten sie zuckerhaltige Erfrischungsgetränke und hochkalorische Lebensmittel. „Beides führt bei dauerhaftem Konsum sehr leicht zu Übergewicht“, wie die Forscher in ihrer Studie schlossen.

Kurze Schlafphasen erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen
In einer weiteren Studie bestätigten iranische Wissenschaftler den Einfluss der Schlafdauer auf die Gesundheit von Kindern. Die Forscher betrachteten in ihrer Arbeit, wie Schlaf bestimmte Risikofaktoren für Kreislauferkrankungen beeinflusste. Die Angaben von 5528 Kindern im Alter zwischen 10 und 18 Jahren flossen in die Auswertungen ein. Kinder, welche weniger als fünf Stunden pro Tag schliefen, hatten deutlich erhöhte Cholesterin- und LDL-Werte im Blut. Beides sind Risikofaktoren, die im Verdacht stehen, Herz-Kreislauferkrankungen auszulösen. Daraus schlussfolgern die Wissenschaftler, dass eine kurze Schlafdauer das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen deutlich erhöht.

Quellen:
Azadbakht et al. 2013. The association of sleep duration and cardiometabolic risk factors in a national sample of children and adolescents: The CASPIAN III Study. Nutrition 29(9), 1133-41; doi: 10.1016/j.nut.2013.03.006

Kjeldsen et al. 2013. Short sleep duration and large variability in sleep duration are independently associated with dietary risk factors for obesity in Danish school children. Int J Obes (Lond); doi: 10.1038/ijo.2013.147

Donnerstag, 1. August 2013

Arthrose ganz natürlich behandeln: ein Überblick der Möglichkeiten

Insights: Medizin (Alternative Heilmethoden)

von Dr. Marcus Mau

Arthrose ist eine langsam voranschreitende Gelenkzerstörung, die auf eine Überbelastung und/oder Fehlbelastung im Gelenk zurückgeht. Dadurch wird der Gelenkknorpel immer stärker belastet und schließlich unwiederbringlich zerstört. Die Folge sind sehr langwierige  Entzündungsreaktionen, welche starke Schmerzen verursachen. In diesem Spätstadium der Erkrankung sind viele Patienten auf eine Schmerztherapie mit nicht-steroidalen Schmerzmitteln angewiesen. Da diese jedoch gerade bei Langzeitanwendung sehr viele Nebenwirkungen hervorrufen können, ist eine frühzeitige und möglichst gelenkschonende Behandlung der Arthrose angezeigt, um möglichst lange auf Schmerzmittel verzichten zu können. Doch mit welchen Maßnahmen und natürlichen Behandlungsmitteln lässt sich schon heute einer Arthrose wirkungsvoll begegnen?

Die natürliche Arthrosebehandlung besteht im Wesentlichen aus drei gleichrangigen Säulen. Die gelenkschonende Bewegung ist sicher ein sehr wichtiger Faktor, um die Entwicklung der Gelenksarthrose zu verlangsamen. Zusätzlich unterstützt auch die arthrosegerechte Ernährung den Behandlungserfolg.  Schmerzen und Mangelsituationen im Gelenkknorpel lassen sich möglicherweise mit geeigneten Salben verringern, die knorpelähnliche Stoffe enthalten.

Die richtige Bewegung bei Arthrose
Gelenkknorpel ist sehr empfindlich, wenn es um seine Mangelernährung und Überbeanspruchung geht. Bereits in der Jugend ist es daher sehr wichtig, auf die Gelenke zu achten. Mit der richtigen Bewegung lässt sich womöglich lebenslang einer Arthrose vorbeugen. In jedem Fall jedoch hilft dies, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.

Besonders empfohlen wird ein leichtes Lauftraining auf nicht zu hartem Untergrund. Dies erhöht die Federwirkung im Gelenk, sodass die einwirkenden Kräfte besser aufgefangen werden. Zusätzlich wird die Muskulatur im Oberschenkel und in der Hüfte gestärkt, aber auch die Kniescheibe sehr effektiv stabilisiert. Solche Menschen, die bereits eine leichte Arthrose entwickelt haben, oder ihr Risiko dafür noch weiter verringern möchten, sind mit anderen gelenkschonenden Sportarten, wie z. B. Schwimmen und Radfahren, sehr gut beraten. Dabei werden die Gelenke nicht falsch belastet und zusätzlich Beinmuskulatur aufgebaut.

Muss ich jetzt gleich zum Marathonläufer werden, um mein Arthroserisiko zu senken? Natürlich nicht. Regelmäßige Spaziergänge helfen bereits deutlich, um die Gelenke des Körpers zu trainieren. Neben der Weite der Wegstrecke spielen aber auch die Dauer der Bewegung sowie die Bewegungsintensität eine große Rolle.

Essen für die Gelenke
Für Arthrosepatienten gilt ebenso wie für jeden Gesunden, auf eine normale und ausgewogene Ernährungsweise zu achten. Der einzige Unterschied ist, dass sich Menschen mit Arthrose unbedingt fettarm und vitaminreich ernähren sollten. Kalziumreiche, magere Milchprodukte unterstützen beispielsweise die Knochen. Pflanzenöle wie Olivenöl liefern mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die besonders wertvoll für die gesunde Ernährung sind. Ballaststoffe aus Obst und Gemüse haben quellende Eigenschaften und binden Cholesterin. Darüber hinaus hilft vor allem Knoblauch dabei, Gelenkschäden zu verringern.

Zudem sollten Arthrosepatienten auf rotes Fleisch gänzlich verzichten. Dieses enthält nämlich sehr viel Arachidonsäure, die im Körper zu Prostaglandinen umgewandelt werden kann. Prostaglandine wiederum sind stark entzündungsfördernd. Zusätzlich zum Fleischverzicht kann auch eine Einschränkung bei Kaffee und Alkohol eine Übersäuerung des Körpers verhindern und so weitere Gelenkknorpelschäden vermeiden.

Natürlicher Schutz für den Gelenkknorpel
Eine gesunde Ernährungsweise kann in Kombination mit geeigneter Bewegung bereits sehr viel gegen die Entwicklung einer Arthrose helfen. Dennoch enthält die Nahrung häufig zu wenig der den Knorpel unterstützenden Substanzen. Ergänzungsmittel wie Glucosaminsulfat oder auch Cremes mit Phospholipidanteilen können nachweislich als Zusatz zur Ernährung und zum Sport die Beweglichkeit im Gelenk sowie die Schmerzen positiv beeinflussen. Ebenso wirken Omega-3-Fettsäuren entzündungshemmend, sodass die Patienten oftmals ihren Schmerzmittelverbrauch verringern können. Wichtig dabei ist jedoch zu wissen, dass natürliche Wirkstoffe und Nahrungsbestandteile deutlich längere Zeit brauchen, um die Symptome einer Arthrose zu beeinflussen als es die konventionellen Schmerz- und Entzündungstherapien vermögen.

Neben den Substanzen aus der Nahrung gibt es eine große Reihe weiterer Stoffe, die häufig selbst im gesunden Knorpel gebildet werden. Dazu gehören z. B. Glucosamin, Chondroitin und Kollagen-Hydrosylat. Chondroitinsulfat verringerte in Studien nachweislich die Schmerzen und die zugrunde liegenden Entzündungen in den Körpergelenken. Chondroitin hilft demnach, die Gelenkfunktion zu erhalten und verlangsamt auf diese Weise die Abnutzung des Gelenkknorpels.

Ebenso helfen Vitamine - wie Vitamin C und E - als Antioxidantien dabei, die Entzündungen zu beruhigen. Dadurch verbessert sich meist auch die Beweglichkeit der betroffenen Gelenke. Vitamine fangen freie Radikale ab, die gehäuft bei Entzündungsprozessen entstehen und verlangsamen so indirekt den Knorpelabbau. Die freien Radikale würden ansonsten die Knorpelzellen schädigen und abtöten. Besonders das Vitamin E (Tocopherol) besitzt eine sehr große antioxidative Wirkung, weshalb es in zahlreichen Studien auf seinen möglichen Nutzen in der Arthrosetherapie hin untersucht wurde.
In der neueren Entwicklung von Cremes und Salben zur Arthrosebehandlung werden verstärkt pflanzliche oder auf Lipiden basierende Mischungen eingesetzt. Die bekanntesten Präparate enthalten z. B. Pinienrindenextrakt oder die für den Knorpelaufbau wichtigen Phospholipide. Pinienrindenextrakt ist sehr reich an Polyphenolen, die als sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe entzündungshemmende Wirkungen entfalten. So besserten sich die Schmerzen und die Beweglichkeit in arthritischen Gelenken nachweislich.
Eine weitere Neuheit auf dem Markt der schmerzlindernden natürlichen Behandlungsmethoden bei Arthrose ist eine Creme auf Phospholipidbasis. Diese stabilisiert degenerierenden Gelenkknorpel und bewahrt auf diese Weise die Beweglichkeit des betroffenen Gelenks. Die Phospholipide werden über die Haut ins Gelenk aufgenommen und stellen dort den natürlichen Gleitfilm auf den Gelenkflächen wieder her. Dadurch vermindert sich der Reibewiderstand, was die Knorpelschädigung verlangsamt und die Entzündungsreaktionen stoppt. Diese neuartige Salbe war in Studien ebenso erfolgreich in der Schmerzbekämpfung wie das konventionell angewendete nicht-steroidale Schmerzmittel Celecoxib. Diese als Sequessome-Technologie bezeichnete Phospholipidmethode stellt damit möglicherweise eine weitere Alternative zur herkömmlichen Schmerztherapie dar. Der besondere Vorteil dabei ist, dass die Salbe selbst keine Schmerzmittel oder Wirkstoffe enthält und somit auch bei Langzeitanwendung als nebenwirkungsarme Behandlung eingestuft werden kann.

Anmerkung des Autors: Dieser Übersichtsartikel über alternative Schmerzbehandlungen bei Arthrose stellt weder eine Therapieempfehlung dar, noch ersetzt er die ärztliche Diagnose.

Weitere Informationen zu nicht-steroidalen Schmerzmitteln und ihren Risiken finden Sie unter folgendem Link hier auf Ideen & Wissen: http://ideen-und-wissen.blogspot.de/2013/04/schmerztherapie-bei-arthrose-von.html

Buchempfehlung von Marcus Mau zum Thema:

Wer mehr über Ernährung und alternative Arthrosebehandlung erfahren möchte, dem sei das Ideen & Wissen Themenheft empfohlen:

http://www.amazon.de/Schmerzen-den-Gelenken-Arthrosebehandlung-Wissenschaft-ebook/dp/B00I1P8Y1S/ref=sr_1_6?ie=UTF8&qid=1390760065&sr=8-6&keywords=marcus+mau


Quellen:
Baker et al. 2012. Association of Plasma n-6 and n-3 polyunsaturated fatty acids with synovitis in the knee: the MOST Study. Osteoarthritis Cartilage 20(5), 382–387

Beer & Wegener. 2011. Vitamin E for gonarthrosis and coxarthrosis - results of a postmarketing surveillance study. MMW Fortschr Med 153(Suppl1), 14-20
Belcaro et al. 2008. Treatment of osteoarthritis with Pycnogenol. The SVOS (San Valentino Osteo-arthrosis Study). Evaluation of signs, symptoms, physical performance and vascular aspects. Phytother Res 22(4), 518-23; doi: 10.1002/ptr.2376

Bhattacharya et al. 2012. Efficacy of vitamin E in knee osteoarthritis management of North Indian geriatric population. Ther Adv Musculoskelet Dis 4(1), 11-9

Conaghan et al. 2013. A multicentre, randomized, placebo- and active-controlled trial comparing the efficacy and safety of topical ketoprofen in Transfersome gel (IDEA-033) with ketoprofen-free vehicle (TDT 064) and oral celecoxib for knee pain associated with osteoarthritis. Rheumatology 52(7), 1303-1312; doi: 10.1093/rheumatology/ket133
Gruenwald et al. 2009. Effect of glucosamine sulfate with or without omega-3 fatty acids in patients with osteoarthritis. Advances in Therapy 26(9), 858-871

Henrotin et al. 2010. Chondroitin Sulfate in the Treatment of Osteoarthritis: From in Vitro Studies to Clinical Recommendations. Therapeutical Advances in Muscoskeletal Diseases 2(6), 335-348
Schjerning Olsen et al. 2013. Cause-Specific Cardiovascular Risk Associated with Nonsteroidal Anti-Inflammatory Drugs among Myocardial Infarction Patients - A Nationwide Study .PLOS One 8(1), e54309; doi:10.1371/journal.pone.0054309

White et al. 2013. Walking to meet physical activity guidelines in knee osteoarthritis: is 10,000 steps enough? Arch Phys Med Rehabil. 94(4), 711-7; doi: 10.1016/j.apmr.2012.11.038

Williams et al. 2010. Dietary garlic and hip osteoarthritis: evidence of a protective effect and putative mechanism of action. BMC Muscoskeletal Disorders 11, 280

Dienstag, 30. Juli 2013

Und er tut es doch: Mond beeinflusst Schlaf

News: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau

Der Mond gilt seit jeher als ein Phänomen, welches das Leben der Menschen intensiv beeinflusst. Bisher bewiesen wurde allerdings nur seine Beteiligung an den Gezeitenströmungen. Schweizer Wissenschaftler könnten nun den Wahrheiten über unseren Mond ein weiteres Kapitel hinzufügen: „Vollmond lässt uns schlechter schlafen.“, sagen die Forscher.
Ursprünglich wollten die Wissenschaftler um Christian Cajochen eigentlich gar nicht den Einfluss des Vollmonds studieren. „Die Idee zur erneuten Auswertung einiger Schlafdaten aus einem älteren Experiment kam uns nach einem kleinen Bierchen in einer Vollmondnacht“, so Cajochen in seiner Veröffentlichung in der Zeitschrift Current Biology. Was er und sein Team jetzt der Öffentlichkeit präsentierten, ist jedoch der erste statistisch messbare Einfluss des Mondes auf den menschlichen Schlaf.

Bei Vollmond produziert der Körper weniger Melatonin
In ihrer viertägigen Studie untersuchten die Forscher 17 junge Menschen im Alter von etwa 25 Jahren sowie 16 ältere Personen mit einem Durchschnittsalter von 65 Jahren. Weder die Probanden noch das Personal, welches die Daten erhob, wussten zu irgendeiner Zeit, dass es um die Messung des Einflusses des Mondes ging. Alle Daten zu Melatoninspiegel, Schlaftiefe und Schlafdauer wurden unter kontrollierten Laborbedingungen unter Ausschluss äußerer Lichteinflüsse gesammelt.

Im Ergebnis stellten Cajochen und sein Team fest, dass um die Vollmondnacht herum, der Melatoninspiegel im Körper der Teilnehmer abnahm. Zudem verkürzte sich die durchschnittliche Schlafdauer um 20 Minuten. Die Probanden benötigten etwa 5 Minuten länger, um einschlafen zu können und zusätzlich verringerte sich die anschließende Schlaftiefe um 30%. Die Schlaferfahrung selbst empfand die Mehrzahl der Teilnehmer als schlecht.
Gibt es eine innere Monduhr?

Circadiane Rhythmen bestimmen den Tag-Nacht-Zyklus von Tier und Mensch. Wir sprechen in diesem Fall häufig von der „inneren Uhr“. Diese hängt in erster Linie vom Sonnenlicht und vom Lauf der Sonne am Himmel ab. Dass auch der Mond diesen Rhythmus bestimmen könnte, wurde lange vermutet und bisher lediglich bei Meerestieren beobachtet, die im Bereich der Gezeiten leben. Die Wirkung der Gravitationskräfte des Mondes, die ganze Meere in Bewegung setzen können, ist aber in einem kleinen Körper viel zu gering, um als Erklärung für das Phänomen der Monduhr zu dienen. Cajochen und Kollegen zeigten in ihrer Arbeit somit auch erstmals, dass es eine der „inneren Uhr“ ähnliche „Monduhr“ geben könnte. Diese wäre dann sehr wahrscheinlich für die Schlafstörungen mancher Menschen in Vollmondnächten verantwortlich.

Quelle:

Cajochen et al. 2013. Evidence that the lunar cycle influences human sleep. Current Biology 23(15), http://dx.doi.org/10.1016/j.cub.2013.06.029

Dienstag, 23. Juli 2013

Nächtlicher Fluglärm wird zur Herzenssache

News: Medizin

für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau

Nächtlicher Fluglärm stört nicht nur den Schlaf der betroffenen Menschen, wie Mainzer Wissenschaftler jetzt herausgefunden haben. Zusätzlich wird die Funktion der Blutgefäße beeinträchtigt, die Ausschüttung von Adrenalin gesteigert und der Blutdruck erhöht. Dies alles sind Bedingungen, die das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen fördern können. „Fluglärm geht aufs Herz“, so die Forscher.
Ein wissenschaftliches Team der Universität Mainz untersuchte den Einfluss von nächtlichem Fluglärm auf das Herz-Kreislaufsystem in gesunden jungen Männern mit einem Altersdurchschnitt von 26 Jahren. Dabei wurden die Probanden drei unterschiedlichen Lärmbehandlungen ausgesetzt - zuerst die Kontrolle ohne Lärm, dann eine Lärmbelastung von 30 simulierten Überflügen, anschließend mit 60 Überflügen pro Nacht. Der Lärmpegel erreichte dabei maximal 60 dB.

Nicht nur der Schlaf wird bei Fluglärm gestört
Erwartungsgemäß litten alle Teilnehmer der Studie durch den Fluglärm unter Schlafstörungen. Doch kamen noch weitere Symptome hinzu. Nächtlicher Fluglärm beeinflusste die Funktion der Blutgefäße. Diese verloren zunehmend ihre Elastizität, worunter die Dehnbarkeit erheblich litt. Zusammen mit dem erhöhten Adrenalinspiegel führte diese sogenannte Gefäßdysfunktion zu einem messbar erhöhten Blutdruck (Hypertonie). Hält dieser Zustand unverändert über längere Zeit an, so könnten dadurch Herzprobleme oder Schlaganfall drohen. „Langzeitfluglärm erhöht das Risiko für Hypertonie und Herzinfarkt“, so schließen die Wissenschaftler in ihrer Studie.

Die molekularen Mechanismen liegen weiterhin im Dunkeln
Was letztlich zu den Gefäßveränderungen führt, ist weiterhin unklar. Jedoch könnten stressbedingt mehr freie Radikale im Körper gebildet werden, welche die Gefäßwände schädigen. Dafür spricht, dass die Forscher in der vorliegenden Studie die Dysfunktion der Blutgefäße mittels Vitamin C aufheben konnten. Vitamin C (Ascorbinsäure) gilt ebenso wie das Vitamin E (Tocopherol) als Radikalfänger oder sogenanntes antioxidatives Mittel.

Wie sich Fluglärm auf Herz und Kreislauf bei vorgeschädigten oder älteren Patienten auswirkt, muss hingegen erst in weiteren Studien geklärt werden.

Quelle:

Schmidt et al. 2013. Effect of nighttime aircraft noise exposure on endothelial function and stress hormone release in healthy adults. European Heart Journal, doi:10.1093/eurheart/eht269

Dienstag, 9. Juli 2013

Zähneputzen gegen Rheuma

News: Wissenschaft

von Dr. Marcus Mau


Schlechte Zahnhygiene geht auf das Herz. Dieser Zusammenhang ist bereits weithin bekannt. Doch was das Zähneputzen mit Knieschmerzen zu tun hat, veröffentlichte der türkische Wissenschaftler Mesut Ogrendik kürzlich im International Journal of General Medicine. Bakterien, welche Parodontose hervorrufen, sind demnach auch für Autoimmunkrankheiten, wie beispielsweise die Rheumatoidarthritis, verantwortlich. Doch wie funktioniert das im Detail?
Zwischen Parodontose und einer Arthritis des Knies gibt es eine statistisch nachweisbare Verbindung. Beide Erkrankungen zeigen ähnliche Entzündungsverläufe und sprechen ebenso auf die gleichen Medikamente an. „Zudem leiden Menschen mit Parodontose weitaus häufiger unter arthritischen Gelenkentzündungen als Gesunde“, so Ogrendik in seiner Arbeit. Wenn also Parodontose und Rheumatoidarthritis auf die Behandlung mit bestimmten Antibiotika ansprechen, spielen dann Bakterien eine Rolle bei der Entstehung der Autoimmunerkrankung Rheumatoidarthritis? Dieser Frage wollten Ogrendik und Kollegen nachgehen.

Parodontoseerreger und Entzündungen im Kniegelenk?
Nach Aussage der Wissenschaftler gehören etwa 20 Bakterienarten zu den Auslösern für Parodontose. Einige davon scheinen auch eine Rolle bei systemischen Autoimmunerkrankungen wie z. B. Rheumatoidarthritis zu spielen. Antikörper gegen diese Parodontoseerreger ließen sich ebenfalls in den entzündeten Gelenken nachweisen. Darüber hinaus fand Ogrendik DNA der betreffenden Bakterien in der Gelenkflüssigkeit sowie im Blut der Patienten. Die verdächtigen Bakterien sind Porphyromonas gingivalis, Prevotella intermedia, Tannerella forsythia, and Aggregatibacter actinomycetemcomitans, die ursprünglich alle in die Gruppe der Parodontoseerreger gehören.

Bakterien als Ursache der Rheumatoidarthritis
Obgleich der genaue Mechanismus noch nicht bis ins kleinste Detail verstanden ist, scheinen die Bakterien aus dem Mundraum über Verletzungen des Zahnfleisches in den Blutstrom zu gelangen. Von hier aus verbreiten sie sich überall im Körper, sodass unter anderem ihre DNA in der Gelenkflüssigkeit des Knies nachgewiesen werden konnte. Darüber hinaus scheinen die Bakterien wie z. B. P. gingivalis bestimmte Eiweißstrukturen im Körper zu zerstören. Diese veränderten Moleküle sind dann eine Grundvoraussetzung für die Entstehung von Autoantikörpern. Diese greifen daraufhin bevorzugt körpereigene Strukturen im Knie und Gelenkknorpel an. Gleichzeitig steigt die Konzentration von C-reaktivem Protein, welches zur angeborenen Abwehr gegen Bakterien wie P. gingivalis gehört. In der Folge kommt es zu schweren Entzündungen im Gelenkbereich. Die Mediziner sprechen dann von einer autoimmunen Erkrankung, beispielsweise von der sogenannten Rheumatoidarthritis.

Die Wissenschaftler geben jedoch ebenfalls zu bedenken, dass nicht alle Menschen mit Parodontose eine Rheumatoidarthritis entwickeln und im umgekehrten Fall auch nicht alle Rheumapatienten an Parodontose leiden müssen. Es besteht also auch weiterhin großer Forschungsbedarf, um die Zusammenhänge zwischen der Mundhygiene und einem Rheumaleiden vollständig aufklären zu können.
Quellen:

Ogrendik M. 2013. Rheumatoid arthritis is an autoimmune disease caused by periodontal pathogens. Int J General Med 6, 383-386.

Freitag, 21. Juni 2013

Soja - Gesund oder ungesund?

Wissenschaft: News

Von Dr. Marcus Mau


Soja zählt dank seines hohen Eiweißgehaltes seit langer Zeit zu den Grundnahrungsmitteln des Menschen und fand ebenso Eingang in die Tierernährung. Hormonell wirksame Inhaltsstoffe schürten nicht zuletzt die Hoffnung, dass mit Soja in der Schweinemast wertvolleres und gesünderes Fleisch produziert werden kann. Doch Versuche an Schweinemuskelzellen trüben den einstigen Glanz der Sojabohne und sind dabei nicht allein. Insbesondere Babynahrung auf Sojabasis könnte zukünftig ebenso einer Neubewertung der Risiken bedürfen.

Soja, die Jahrtausende alte Nutzpflanze aus Asien, trat in der Mitte des letzten Jahrhunderts ihren Siegeszug in Europa und Nordamerika an. Doch was machte sie so begehrenswert, dass heute weltweit pro Jahr etwa 125 Mio. Tonnen Sojabohnen zu Tierfutter, Tofu, Sojamilch und Quark verarbeitet werden?

Die Pflanzenfamilie der Hülsenfrüchtler, zu welcher neben der Sojabohne auch die Erbse gehört, enthält in ihren Zellen verschiedenste hormonell aktive Substanzen. Besonders bekannt wurden die Sojaisoflavone Genistein und Daidzein. Als Nahrungsbestandteile werden diese sogenannten Phytohormone im Darm resorbiert und mit dem Blut zu den Organen und Geweben des Körpers transportiert. Dort können sie abhängig von der aufgenommenen Menge ganz unterschiedliche Wirkungen entfalten.

Soja ist besonders reich an hormonähnlichen Stoffen, und es fiel sehr schnell auf, dass Frauen in Asien seltener an Brustkrebs und Wechseljahresbeschwerden litten als Europäerinnen im direkten Vergleich. Wenig später klärten medizinische Studien auf, dass bestimmte Sojainhaltsstoffe, wie z. B. das Genistein, Krebszellen abtöteten. Soja zur Krebsvorsorge – von da an waren die Pflanze und ihre Wirkstoffpräparate nicht mehr aufzuhalten.
 
Sojaisoflavone – Zwei Seiten einer Medaille

Doch auch in der Schweinezucht machten Ferkel häufig einen vitaleren Eindruck, wenn die Muttersauen mit Soja gefüttert worden waren. Erhöhte Geburtsgewichte und verbessertes Wachstum schürten die Hoffnung, durch gezielte Anreicherung des Futters eine bessere Fleischqualität zu erzielen.

Versuchsreihen an Muskelzellen vom Schwein bremsten dennoch schon bald diese erste Euphorie. Das Wachstumsverhalten der untersuchten Muskelzellen hing sehr stark von der verabreichten Dosis an Genistein und Daidzein ab. Nahrungs­typische Konzentrationen regten die Zellen nicht zur Teilung an. Höhere Dosen, wie sie durchaus in Wirkstoffpräparaten anzutreffen sind, hemmten hingegen die Entwicklung der Zellen.

Die Forscher stellten fest, dass sich plötzlich, anders als erwartet, Schädigungen des Erbgutes und sehr häufig auch der Zelltod in den Kulturen fanden. Genistein kann Topoisomerasen hemmen, welche wichtige Enzyme bei der Reparatur von Erbgutschäden sind. Doch wie funktioniert die Schädigung des Erbgutes durch Genistein?

Stark vereinfacht betrachtet gleicht die DNA in unseren Zellen einem Reißverschluss. Jede Seite des geschlossenen Reißverschlusses stellt einen Einzelstrang der DNA dar, der jeweils fest mit seinem Gegenüber verbunden ist. Das Enzym Topoisomerase entspricht im weiteren Sinn dem Schieber, mit dessen Hilfe der Reißverschluss geöffnet oder geschlossen werden kann. Das Öffnen wird als Aufschmelzen der DNA bezeichnet. Dies ist notwendig, damit das Enzym in einem zweiten Schritt einen Bruch in den Strängen verursachen kann, um die Reparatur von Fehlerstellen im Reißverschluss durch andere Enzyme zu ermöglichen. War die Reparatur erfolgreich, wird der Reißverschluss wieder geschlossen und die Zelle bleibt gesund. Genistein verhindert jedoch die Reparatur der Fehlerstellen in der DNA, indem es die Topoisomerase, unseren Schieber, an der geöffneten Stelle blockiert. Dies führte zu Strangbrüchen im Erbgut der Muskelzellen. Sehr wahrscheinlich waren diese Schäden schließlich der Auslöser für den Tod der Zellen unter hohen Genisteinkonzentrationen.

Interessanterweise wirkt die Substanz in Krebszellen auf die gleiche Weise, nur dass der Tod der Zellen hier beabsichtigt ist. Doch wie die Versuche an den Schweinezellen nun zeigten, lassen die gleichen Konzentrationen, die Krebszellen töten, auch gesunde Körperzellen absterben.

Darüber hinaus sind Genistein und Daidzein dem körpereigenen Östrogen sehr ähnlich und täuschen auf diese Weise den Zellen vor, körpereigene Östrogene zu sein. Sie binden im Inneren an die entsprechenden Östrogenrezeptoren. Mithilfe dieses Tricks können die körperfremden Wirkstoffe aus der Sojapflanze die Steuerung in den Zellen übernehmen. In hohen Konzentrationen konkurrieren und verdrängen sie die körpereigenen Östrogene an der Bindungsstelle des Rezeptors. Sie verhindern auf diese Weise eine Antwort auf das körpereigene Hormon oder rufen sogar ungewolltes Wachstum hervor.

Zu viel Isoflavone in der Babynahrung auf Sojabasis?

Das Hausschwein - ob uns das nun mit Stolz erfüllt oder nicht – hat eine dem Menschen ähnliche Physiologie und einen für Genistein und Daidzein vergleichbaren Stoffwechsel. Daher sind Versuche an Schweinen ebenso bedeutsam für die Beurteilung der Auswirkungen sojabasierter Babynahrung auf Entwicklungsprozesse beim menschlichen Säugling.

Derzeit werden beispielsweise etwa 15% der Neugeborenen in den USA mit Babynahrung auf Sojabasis ernährt. Diese enthält zwischen 32 und 47 mg reine Wirkstoffe pro Liter. Ein 4 Monate alter Säugling nimmt somit täglich etwa 6 bis 9 mg Isoflavone pro kg Körpergewicht auf. Die dabei im Blut zirkulierende Konzentration der Pflanzenhormone übersteigt die der körpereigenen Östrogene sogar um das 13.000- bis 22.000-fache. Welche Auswirkungen solch hohe Stoffkonzentrationen auf die kindliche Entwicklung haben, insbesondere auf die Entwicklung des hormonell noch völlig unausgereiften Körpers, ist unklar.

Fütterungsstudien an neugeborenen Ferkeln zeigen indes, dass die für die Babynahrung gemessenen Konzentrationen durchaus schwere Zellteilungsstörungen in den Darmzellen hervorrufen können. Wie akut diese Effekte von Sojanahrung bei Säuglingen sein können, lassen Berichte über Durchfälle, Reizdarm und die mögliche Beeinträchtigung des Immunsystems vermuten, auch wenn ein Zusammenhang bisher nicht hinreichend hergestellt wurde.

Dennoch gibt es auch eine gute Nachricht: „Die Menge an aufgenommenen Wirkstoffen lässt sich durch den verstärkten Einsatz von gereinigtem Sojaprotein verringern. Solche Nahrungsmittel enthalten deutlich weniger Genistein und Daidzein und werden beispielsweise bereits erfolgreich in der Nutztierfütterung eingesetzt“, bemerkt Frau Dr. Charlotte Rehfeldt vom Leibniz-Institut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere (FBN).

Derzeit gibt es im Internet mehr als 1 Million Einträge allein zum Begriff „Genistein“. Darunter sind viele, welche die Substanz als unbedenkliches Nahrungsergänzungsmittel oder als Babynahrung oder einfach nur als Unterstützung für ein besseres Wohlgefühl anpreisen. Doch ist es mit den vorliegenden Informationen nicht an der Zeit, sich über die neue Macht der Sojabohne ernsthaft Gedanken zu machen und sich sehr genau über Dosis und Wirkungsweisen zu informieren, anstatt die Präparate unbedacht einzunehmen?

 

Hier geht es zum pdf-Download "Soja - Freund oder Feind?"




Quellen und weiterführende Literatur:

Chen et al. 2005. Genistein inhibits intestinal cell proliferation in piglets. Pediatr Res 57, 192–200

Mau et al. Effects of Dietary Isoflavones on Proliferation and DNA Integrity of Myoblasts Derived from Newborn Piglets. Pediatr Res 63, 39–45
 
Mau M. 2008. In vitro-Wachstum und -Differenzierung porciner Skelettmuskelzellen unter dem Einfluss der Isoflavone Genistein und Daidzein. Dissertation, Universität Greifswald. http://ub-ed.ub.uni-greifswald.de/opus/volltexte/2008/466/pdf/Dissertation_Mau_Marcus.pdf

Ren et al. 2001. Review: Isoflavones, substances with multi-biological and clinical properties. Eur J Nutr  40, 135-146

Setchell  et al. 1998. Isoflavone content of infant formulas and the metabolic fate of these phytoestrogens in early life. Am J Clin Nutr 68 (suppl), 1453S-1461S

Setchell et al. 2001. Soy , Isoflavones – Benefits and Risks from Nature’s Selective Estrogen Receptor Modulators (SERMs). J Am  College Nutr 20(5), 354S-362S


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