Freitag, 18. Januar 2013

Serotoninreiche Nahrungsmittel: Natürliche Helfer im Kampf gegen nächtliche Essattacken?

Hypothese: Medizin

für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. M. Mau

Nächtliches Essen, im Englischen als night eating syndrome (NES) bezeichnet, tritt hauptsächlich in Verbindung mit Adipositas auf. Ein iranisches Forscherteam um Dr. Saeed Shoar schlägt im Fachjournal Hypothesis die Verwendung serotonin-reicher Lebensmittel zur Behandlung des Syndroms vor.

Das Essen während der Nachtzeit stellt insbesondere für adipöse Menschen eine große Belastung dar. Es sorgt nicht nur für eine erhöhte Energiezufuhr, sondern wirkt vielmehr allen am Tage so entbehrungsreich verfolgten Abnehmversuchen entgegen. Interessanterweise sind vom NES überwiegend gestresste Frauen betroffen. Die Störung verursacht morgendliche Appetitlosigkeit (Tab. 1) und führt über längere Zeit zu Unruhe und nicht selten zu Depressionen.

Tab. 1. Symptome des night eating syndroms (NES)
a)Aufnahme von mehr als 25% der täglichen Energiemenge nach der Abendmahlzeit.
b)Häufige Wachphasen in der Nacht und der bekannte Gang zum Kühlschrank.
c)Morgendliche Appetitlosigkeit.

Ist ein Mangel an Serotonin der Auslöser?
Serotonin ist besonders wichtig im Zusammenhang mit gesundem Schlaf und an der Ausbildung des Sättigungsgefühls beteiligt. Neben Depressionen könnte auch NES die Folge eines Serotoninmangels sein. Erste Hinweise darauf ergaben sich durch die Besserung der Symptome nach Behandlung von NES-Patienten mit Sertralin. Dieses Medikament wirkt der Wiederaufnahme von Serotonin am synaptischen Spalt entgegen und erhöht somit den Serotoninspiegel im Zentral-nervensystem. „Serotonin aus der Nahrung soll nun auf einfache und risikoarme Weise sowohl bei NES als auch bei Depressionen helfen.“, so die Idee von Dr. Shoar. Gibt es tatsächlich eine Möglichkeit, dies umzusetzen? Und noch spannender, welche weiteren Vorteile brächte diese Behandlungsmethode?

Serotoninhaltige Nahrungsmittel „auf Rezept“ von Mutter Natur
Seit längerem ist bereits bekannt, dass Milch einen sehr hohen Tryptophananteil hat. Tryptophan als eine Vorstufe des Serotonins hilft daher mit, zu einem gesunden Schlaf zu finden. Doch neben Milch gibt es eine Reihe weiterer Nahrungsmittel, die Serotonin und/oder Trypthophan in großen Mengen liefern (Tab. 2).

Tab. 2. Serotonin-reiche Nahrungsmittel
a)Früchte: Banane, Pflaume, Kiwi*, Avocado*
b)Gemüse: Tomate, Spinat, Kartoffel, Soja
c)Nüsse und Getreide: Walnuss, Erdnuss, Sesam, Weizenmehl
d)Milchprodukte wie Käse: Parmesan, Cheddar

*zudem sehr vitaminreich
Stellt man die tägliche Ernährung der Menschen mit NES verstärkt auf diese Lebensmittel um, so könnte dadurch der Serotoninspiegel ansteigen und die Symptome sowie depressive Stimmungen werden reduziert. Ist auf diese Weise das night eating syndrome ganz natürlich zu behandeln und auch zu verhindern? Ganz unzweifelhaft hat die vorgeschlagene Methode durch die gesündere Ernährungsweise (Vitamine, Ballaststoffe, Mineralien) einen positiven Einfluss auf Folgeerkrankungen der Adipositas wie z.B. Arteriosklerose oder die Koronare Herzkrankheit.

Quelle:
Saeed Shoar et al., Prophylactic diet: A treatment for night eating syndrome. Hypothesis2012, 10(1): e4, doi:10.5779/hypothesis.v10i1.241 (2012).

weitere Artikelempfehlung:

Dr. Marcus Mau: http://www.experto.de/b2c/gesundheit/naechtliche-essattacken-was-tun.html

Donnerstag, 17. Januar 2013

Editorial


Liebe Leserinnen und Leser, liebe Kollegen und Forschungsinteressierte,

Wissenschaft und Medizin lebten seit jeher von frischen, zumeist auch etwas unkonventionellen Ideen. Und obwohl diese Ideen die Grundlage unseres heutigen Wissens bilden, lesen wir nur sehr selten darüber. Ganz offensichtlich ist die wissenschaftliche Fachwelt eher vorsichtig im Umgang mit den eigenen Theorien und Hypothesen. Dies zeigt sich vor allem darin, dass es neben
Medical Hypotheses oder dem Hypothesis Journal nur sehr wenige andere Journale zur freien Diskussion von Ideen und Gedanken gibt.

Genau jenen spannenden, unkonventionellen und oft auch provozierenden Beiträgen der wissenschaftlichen und medizinischen Forschungslandschaft habe ich diesen Blog gewidmet. Zukünftig werden Sie, liebe Leserinnen und Leser, in etwa zwei-wöchentlich einen neuen Beitrag aus der Welt der Wissenschaft finden, der zum Staunen, Kopfschütteln oder zu hitzigen Diskussionen anregen soll. Vieles wird vielleicht auch nur eine spannende Lektüre bleiben. Allerdings sollten wir nicht vergessen: Was heute noch eine Idee ist, kann schon morgen unser aller Leben und unser Verständnis von Wissenschaft und Medizin verändern.

Ich freue mich auf eine ideenreiche gemeinsame Zeit und wünsche Ihnen viel Spaß beim Stöbern, Lesen und Diskutieren,
Dr. M. Mau.


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