Montag, 18. Februar 2013

Durchbruch bei der Behandlung von Eierstockkrebs

Wissenschaft News

von Dr. Marcus Mau

Amerikanische Wissenschaftler vom Krebsforschungsinstitut des St. Joseph Krankenhauses und Medizinzentrums der Universität Arizona fanden heraus, dass Eierstockkrebs sehr gut auf die Behandlung mit Selumetinib anspricht.

Selumetinib stoppt Tumorwachstum
Eierstockkrebs ist in seinen frühen Entwicklungsstadien oft wenig differenziert und gilt aufgrund dessen als behandlungsresistent. Das Forscherteam um Dr. John Farley, MD, hat in seiner aktuellen Forschungsarbeit nun den Einfluss von Selumetinib auf die Größe von Eierstocktumoren untersucht. Selumetinib ist ein noch in der Testphase befindlicher Hemmstoff wichtiger wachstumsvermittelnder Eiweiße in Krebszellen.

Es nahmen insgesamt 52 Frauen teil, die älter als 18 Jahre waren. Alle erkrankten bereits zum wiederholten Mal an Eierstockkrebs. Die Studienteilnehmerinnen erhielten 50 mg Selumetinib oral zweimal täglich. Während der Krebs bei 65% der Frauen infolge der Behandlung nicht weiter wuchs, schrumpften die Tumoren der übrigen Patientinnen sogar deutlich. Die beobachteten Nebenwirkungen waren gering und betrafen hauptsächlich das Verdauungssystem sowie die Haut.
Wann können Patientinnen von Selumetinib profitieren?
Mit seiner guten Verträglichkeit in dieser Phase-II-Studie geht Selumetinib in den nächsten Wochen in die Phase-III. Doch was heißt das im Einzelnen für Krebspatienten?

Die Zulassung neuer Medikamente und Behandlungsformen läuft nach einem immer gleichen Verfahren ab, bestehend aus drei Phasen. Die Phase-I bezeichnet die erste Prüfung der Wirkungen des neuen Stoffes. Während der Phase-II, wie in der vorliegenden Studie, werden Wirkungen und Nebenwirkungen sowohl qualitativ als auch quantitativ erfasst sowie die optimale Dosierung erarbeitet. In der Phase-III erfolgt die klinische Prüfung des Wirkstoffes in Patientengruppen im Vergleich zu einer Placebo-Gruppe. Wird der neue Wirkstoff daraufhin als sicher zur Behandlung des Menschen eingestuft, erhält er eine Zulassung als Medikament.
Laut Dr. Farley gibt es derzeit keine ausreichend guten Medikamente zur Behandlung von Eierstockkrebs. Aber die Entdeckung seines Teams wird zukünftig ganz neue Möglichkeiten und Wege eröffnen. Die Phase-III ist die letzte Prüfung für den Einsatz von Selumetinib, bevor das Medikament den Patienten mit Eierstockkrebs die ersehnte Hilfe bringen kann.

Quellen:
Farley et al. 2013. Selumetinib in women with recurrent low-grade serous carcinoma of the ovary or peritoneum: an open-label, single-arm, phase 2 study. Lancet Oncology 14(2), 134-40.

http://esciencenews.com/articles/2013/02/15/researchers.discover.breakthrough.ovarian.cancer

Mittwoch, 13. Februar 2013

Neue Studie belegt: Ginkgo biloba schützt vor Altersdemenz

Wissenschaft News

von Dr. Marcus Mau


Forscher der Universität Bordeaux zeigten in der Januarausgabe von PLOS One, dass ein Extrakt des Ginkgo biloba die Entwicklung von Altersdemenz deutlich verlangsamen kann. Piracetam, ein gängiges Medikament bei Altersdemenz, beschleunigte den Prozess in dieser Studie mit rund 3600 Teilnehmern.
Altersdemenz ist vor dem Hintergrund einer weiter steigenden Lebenserwartung eine der großen Herausforderungen in der Medizin. Derzeit existiert noch kein Heilmittel gegen Demenz, weshalb alternative Strategien untersucht werden, um den geistigen Verfall zumindest verlangsamen zu können.  In ihrer aus öffentlichen Mitteln finanzierten Studie verfolgten Hélène Amieva und Kollegen über 20 Jahre den Gedächtnisverlust bei insgesamt 3612 Patienten im Alter von 65 Jahren. Für die Auswertung wurden drei Gruppen gebildet. Die erste Gruppe mit 589 Teilnehmern nahm Ginkgo biloba-Extrakt (EGb761®; Tanakan®), die zweite  mit 149 Teilnehmern Piracetam, die dritte Gruppe mit 2874 Teilnehmern keines der beiden.

Gedächtnis schützen
Bei den Patienten, die Ginkgoextrakt einnahmen, verschlechterte sich die Gedächtnisleistung über 20 Jahre hinweg sehr viel langsamer als bei den anderen Gruppen. Überraschenderweise zeigten die Teilnehmer, die Piracetam als konventionelles Medikament gegen Altersdemenz einsetzten, sogar einen beschleunigten Gedächtnisverfall gegenüber der Ginkgo-Gruppe.
Merk- und Sprachfähigkeit länger erhalten
Die Studie untersuchte ebenfalls den Einfluss einer Behandlung auf den Redefluss sowie die Bildmerkfähigkeit der Probanden. Die Teilnehmer, die EGb761® einnahmen, verfügten über gleichermaßen guten Sprachfluss und Bildergedächtnis wie die Kontrollgruppe ohne Medikamente. Allerdings stellten die Forscher bei der Piracetam-Gruppe erneut eine rasche Verschlechterung der kognitiven Funktionen fest.

Quelle:
Amieva H, Meillon C, Helmer C, Barberger-Gateau P, Dartigues JF. 2013. Ginkgo biloba extract and long-term cognitive decline. A 20-year follow-up population-based study. PLOS One 8(1): e52755; doi: 10.1371/journal.pone.0052755.

Donnerstag, 7. Februar 2013

Die Milch macht’s: Milch als Ursache für Zivilisationskrankheiten?

Hypothese: Medizin

für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. M. Mau

Milch gilt aufgrund der hohen Protein- und Calciumgehalte gemeinhin als Gesundheitsfaktor Nummer 1. Dr. Bodo Melnik von der Dermatologischen Abteilung der Universität Osnabrück fasste 2009 im Fachjournal Medical Hypotheses zusammen, dass Milch durchaus negative Langzeitwirkungen haben kann. Ist der anhaltende Milchkonsum letztlich die Ursache für Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck und Adipositas?
Milch ist am Anfang des Lebens mehr als nur ein kleinkindlicher Erfrischungsdrink. Sie liefert während der ersten Lebensmonate alle wichtigen Proteine, Fette, Vitamine und Mineralien für das Wachstum des Kindes. An das Abstillen von der Mutterbrust schließt sich dann oft der lebenslange Genuss von Kuhmilch an. Anders als die Milch des Menschen enthält Kuhmilch sehr hohe Konzentrationen an Wachstumsfaktoren, sogenanntes IGF-1 (4-50 ng/ml) und IGF-2 (40-50 ng/ml). Diese kleinen Eiweiße überstehen das Pasteurisieren und Homogenisieren nahezu unverändert. Da sie mit den menschlichen Wachstumshormonen praktisch identisch sind, aktivieren IGF-1 und IGF-2 aus der Milch die entprechenden Wachstumsfaktorrezeptoren des Körpers.

Wachstumsfaktoren aus der Milch: Wirkungen und Folgen
Das IGF aus der Milch führt nachweislich zu einer Verschiebung des IGF- und Insulinspiegels im Körper. In einer Studie wurden 24 Jungen im Alter von 8 Jahren mit Fleisch oder 1,5 Litern Milch ernährt. Die Milch-Gruppe zeigte am Ende eine um 105% gesteigerte Insulinausschüttung sowie eine um 19% höhere IGF-Serumkonzentration. Dies hat Einfluss auf den Zuckerstoffwechsel sowie die Produktion von Geschlechtshormonen in der Nebenniere und in den Hoden. Der Eintritt der Pubertät und die Spermatogenese werden so beeinflusst.
Darüber hinaus scheint ein Zusammenhang zwischen dem Milchkonsum und späterer Adipositas zu bestehen. IGF-1 und IGFBP-3 (= IGF-bindendes Protein 3) regulieren die Umwandlung von Fettvorläuferzellen in Fettzellen. In klinischen Studien stellten Forscher zuvor fest, dass übergewichtige Kinder und Erwachsene meist einen sehr hohen IGF-1-Spiegel im Blut hatten.
In Tierversuchen wurde ferner geklärt, dass IGF-1 eine entscheidende Rolle bei der Entstehung der Arteriosklerose spielt. Männer, die über längere Zeit nicht fermentierte Milchproteine zu sich nahmen, zeigten als Bestätigung eine erhöhte Sterblichkeit aufgrund koronarer Herzkrankheit.

Milch - Das gesunde Weltbild wankt?
Die durch Melnik präsentierte Hypothese erklärt die heutigen Zivilisationskrankheiten vor dem Hintergrund eines IGF-1-Überschusses durch den andauernden Milchkonsum. Die Darstellungen der positiven Effekte der Milch für den Knochenaufbau vernachlässigen weitgehend die heute bekannten schädlichen Langzeiteffekte, die sich in Adipositas, Diabetes oder Krebs ausdrücken können.  

Quelle:
Bodo C. Melnik. 2009. Milk – The promoter of chronic Western diseases. Medical Hypotheses 72, 631-639.
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