Freitag, 22. März 2013

Adiponektin - Das Gesundhormon

News: Medizin

von Dr. Marcus Mau

Eine Ernährungsumstellung erhöht mit und ohne Sport die Ausschüttung von Adiponektin. Dieses Hormon wirkt Krebs und Diabetes entgegen. Gleichzeitig verringert sich die Produktion von Leptin, welches als „Fetthormon“ bei Übergewicht deutlich erhöht ist. Heidelberger Forscher und ihre amerikanischen Kollegen klären somit erstmals den Mechanismus der Wirkung von Sport und gesunder Ernährung auf die Fettmenge im Körper auf.
Bewegungsmangel und Übergewicht gelten allgemein als Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und Krebs. Studien zeigten zuvor, dass Menschen, die sportlich aktiv sind und zudem auf ihre Ernährung achten, das Risiko für Brust- und Darmkrebs deutlich verringern können. Das der Fettanteil des Körpers dabei eine Rolle spielt war lange bekannt, jedoch blieb der Mechanismus ungeklärt. Dank einer neuen Studie können nun bestimmte Hormone für die krankhaften Veränderungen und im Gegenzug auch für die Verringerung des Krebsrisikos benannt werden.

Adiponektin – Natürlicher Schutz gegen Krebs und Entzündungen

Leptin, das “Fetthormon“, steht im Verdacht, die Krebsentstehung zu begünstigen. Dahingegen hat Adiponektin gesundheitsfördernde Wirkungen. Es hemmt Entzündungen ebenso, wie es die Gefahr für Krebs verringert.

In ihrer Studie untersuchten die Wissenschaftler des DKFZ und ihre Kollegen aus den USA den Einfluss einer Ernährungsumstellung, eines Sportprogramms sowie einer Kombination der beiden Faktoren auf die Blutkonzentration von Leptin und Adiponektin. Die Leptinwerte sanken bereits in den Teilnehmern, die nur eine Ernährungsumstellung vollzogen. Dieser Effekt ging nachweislich auf die Gewichtsabnahme und den damit zusammenhängenden Verlust von Fettgewebe zurück. In der Gruppe, die vermehrt Sport trieb, aber die Ernährung beibehielt, war ebenfalls ein Effekt auf den Leptinspiegel festzustellen. Hier bauten die Probanden Muskeln auf, die Fettmenge nahm dadurch ab und der Leptinspiegel sank. Mit der Abnahme des Leptins erhöhte sich der Adiponektinspiegel. Er war in den Teilnehmern mit der größten Gewichtsabnahme am höchsten bei gleichzeitig niedrigstem Leptinwert.

Die Wissenschaftler empfehlen abschließend, dass Frauen in der Menopause ein gesundes Körpergewicht halten und sich mehr bewegen sollten. Dies führt zu einem günstigen Anstieg von Adiponektin und reduziert das schädliche Leptin im Körper. Dadurch lassen sich Zivilisationskrankheiten wie Adipositas, Arteriosklerose und womöglich Krebs auch langfristig zurückdrängen.

Leider ist es, wie wir alle wissen, ein großer Schritt, mit der lieb gewonnenen Bequemlichkeit zu brechen. Da beruhigt es doch, dass auch eine Ernährungsumstellung oder Sport allein den Hormonspiegel verändern kann. Dank der gesünderen Lebensweise mit oder ohne Sport wird das Gewicht auf einem gesunden Niveau reguliert. Das regt am Ende zusätzlich die Produktion von Glückshormonen an, die einem diese kleine Veränderung des Lebens durchaus versüßen und das ganz ohne Kalorien.

Quellen:
Abbenhardt C et al., J Intern Med. 2013;274(2):163-75; doi: 10.1111/joim.12062: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23432360

Dienstag, 19. März 2013

Individuelle Implantate: Drucken, bis der Arzt kommt

News: Medizin

von Dr. Marcus Mau

In den USA wurde jetzt ein menschlicher Schädel zu 75% durch ein Kunstharzimplantat ersetzt. Das Neue daran: Möglich gemacht hat dies die Technik des 3D-Druckens. Mit ihr lässt sich bald jeder beliebige Knochen des Körpers digitalisieren und anschließend vervielfältigen. Immer der individuell passende Ersatz. Doch wie funktioniert der 3D-Drucker im OP-Saal?

Am 04.März 2013 ersetzten Ärzte in den USA Dreiviertel der Schädelknochen eines Patienten durch Kunststoffkopien. Obgleich der Grund der Operation weiter im Verborgenen bleibt, bedeutet dieser Eingriff einen Meilenstein in zweierlei Hinsicht. Zum einen ist es damit zum zweiten Mal gelungen, Knochen durch gedruckte Implantate zu ersetzen. Das erste Mal geschah dies in Deutschland, als einem Mann 2012 Teile des Unterkiefers durch eine Nachbildung aus dem 3D-Drucker ersetzt wurden. Zum anderen ist der vorliegende Fall der Erste nach Zulassung des 3D-Druck-Verfahrens für medizinische Zwecke in den USA.

Druckerpatronen liefern die Zutaten, ein Laser gibt die Form.

Der eigentliche Fertigungsprozess unterscheidet sich kaum vom herkömmlichen Druck. Der Schädel wurde zuvor mittels Computertomografie erfasst und digitalisiert. Nach Auswahl der zu ersetzenden Knochen senden die Ärzte die Daten an den 3D-Drucker. Dieser enthält in den Druckerpatronen einen Kunststoff, der als inertes Baumaterial für die Knochenimplantate dient. Schicht um Schicht baut der Drucker jetzt das gewünschte Objekt dreidimensional auf. Die Formgebung sowie die gleichzeitige Aushärtung des Kunststoffes übernimmt ein Laser. Die zuvor flüssige „Tinte“ verfestigt sich dabei immer weiter, bis der Knochenersatz greifbar wird. Die besondere Oberfläche des verwendeten Materials soll nach Aussage der behandelnden Ärzte die Ansiedlung von Knochenzellen fördern. Der Kunstknochen wird also eventuell mit der Zeit zumindest oberflächlich zu einem „echten“ Knochen aufgebaut. Die Langzeitbeobachtung dieses Patienten und ähnlicher Fälle soll diese Erwartung bestätigen oder noch unbekannte Langzeitrisiken der Behandlung aufdecken. In jedem Fall bietet die neue Technik bis auf Weiteres ungeahnte Möglichkeiten, um Knochendefekte oder –verluste passgenau und individuell zu behandeln.

Quellen:
Rachel Ehrenberg, 2013, Plastic implant replaces three-quarters of man's skull: http://www.sciencenews.org/view/generic/id/348911/description/Plastic_implant_replaces_three-quarters_of_mans_skull
Marcus Mau, 2013, 3D-Print: Nicht nur Leseratten verschlingen zukünftig Gedrucktes: http://suite101.de/article/3d-print-nicht-nur-leseratten-verschlingen-zukuenftig-gedrucktes-a141169#axzz2O1BLd4hW

Dienstag, 5. März 2013

Das Mädchen aus Mississippi: HIV-Heilung oder Postexpositionsprophylaxe?

News: Medizin

von Dr. Marcus Mau

Baby besiegt HIV. Eine Schlagzeile geht um die Welt und lässt einmal mehr auf Heilung für Millionen HIV-Infizierte hoffen. Doch ist es wirklich die ersehnte Heilung? Was versteht man unter einer sogenannten „funktionellen Heilung“? Oder handelt es sich gar um eine Postexpositionsprophylaxe für Neugeborene?
Wie Wissenschaftler auf einer Konferenz in Atlanta mitteilten, gelang es, das HI-Virus in einem neugeborenen Mädchen mittels einer frühzeitig eingeleiteten Dreimedikamententherapie unter die Nachweisgrenze zurückzudrängen. „Die heute Zweieinhalbjährige komme ohne Medikamente aus und zeige nur noch einzelne, inaktive Viruspartikel“, so die Forscher.

HIV-Nachweis am zweiten Tag nach der Geburt
Alles begann mit einer Frühgeburt in einem Krankenhaus im US-Bundesstaat Mississippi. Erst im Kreißsaal erfuhren die behandelnden Ärzte von der HIV-Infektion der werdenden Mutter. Das neugeborene Mädchen wurde in ein anderes Krankenhaus verlegt und die dortigen Spezialisten entschieden sich, umgehend (30 Stunden nach der Geburt) eine Behandlung mit antiviralen Medikamenten zu beginnen. Dadurch hofften sie, die Infektion des Kindes aufzuhalten. Anders als allgemein üblich versuchten sie eine neue antivirale Therapie, bestehend aus drei Medikamenten. Doch bereits am zweiten Tag nach der Geburt kam die Gewissheit. Im Blut des Mädchens wurde das HI-Virus nachgewiesen. Die Behandlung wurde fortgesetzt und ebenso der Virustiter weiter kontrolliert. Am 7., 12. Und 20. Tag enthielt das Blut des Mädchens weiterhin HI-Virusgenom in nachweisbarer Menge. Zur großen Freude der behandelnden Ärzte kam der Test am 29. Tag als negativ zurück.
Ein Zurückdrängen der Viruslast unter die Nachweisgrenze ist bei antiviraler Behandlung nicht ungewöhnlich. Das Problem dabei ist, dass das HI-Virus nicht gänzlich aus dem Körper verschwunden ist. In sogenannten Schläferzellen bleibt es erhalten und kann selbst nach Jahren noch reaktiviert werden. Die antivirale Therapie dauerte bis zum 18. Lebensmonat des Mädchens an und wurde anschließend aus nicht näher benannten Gründen abgebrochen.

Ärzte sprechen von „funktioneller Heilung“
Im Normalfall sollte sich das Virus nach Abbruch der Therapie wieder verstärkt vermehren und somit eine Virämie auslösen. Dabei handelt es sich um eine massive Ausschwemmung von aktiven Viruspartikeln in das Blut des Patienten. Bei dem Mädchen blieb diese Virämie aus. Ganz im Gegenteil zeigte sich bei einer erneuten Untersuchung, dass das Blut des Kindes nur noch sehr wenige und zudem inaktive Viruspartikel enthält. Der Körper hatte gelernt, das Virus ohne Medikamente in Schach zu halten. In einem Fall, in dem das Immunsystem die Vermehrung des HI-Virus allein kontrolliert, ohne es vollständig aus dem Körper eliminieren zu können, bezeichnen die Forscher als „funktionelle Heilung“. Das HI-Virus ist weiterhin in geringer Kopiezahl vorhanden, jedoch nicht mehr aktiv. Es vermehrt sich nicht. Doch kann man in einem solchen Fall von Heilung sprechen?

Das Prinzip der Post-Expositionsprophylaxe
Objektiv betrachtet hat das von den Ärzten des Mädchens angewandte Verfahren sehr große Ähnlichkeit mit der für Erwachsene angebotenen Postexpositionsprophylaxe (PEP). Besteht das Risiko eines HIV-Kontaktes, kann innerhalb von 72 Stunden mit einer antiretroviralen Therapie begonnen werden, um eine für das Virus erfolgreiche Infektion zu verhindern oder zurückzudrängen. Behandelt wird mit einem Medikamentencocktail bestehend aus drei Medikamenten, in der Regel zwei Nukleosidanaloga und einem HIV-Proteaseinhibitor. Die Prophylaxe wird über einen Monat hinweg durchgeführt. Je größer das Zeitfenster zwischen Kontakt und Behandlungsbeginn wird, desto geringer ist die Chance, eine Infektion noch zu vermeiden. Und selbst bei frühzeitigem Einsatz der Medikamente besteht kein 100%-iger Schutz vor der Infektion.
Ein wichtiger Patient für die Forschung
Für die Forschung ist das Mädchen auf jeden Fall von sehr großer Bedeutung. Es gilt aufzuklären, was am Immunsystem der Kleinen anders ist, und warum es das Virus selbstständig eindämmen kann. Dieser Fall beantwortet möglicherweise darüber hinaus wichtige Fragen im Bereich des frühen Behandlungsbeginns bei Neugeborenen und Kindern. In jedem Fall jedoch wird die antivirale Therapie von Neugeborenen aus HIV-Risikoschwangerschaften wohl neu bewertet werden. Es bleibt zu hoffen, dass sich in zukünftigen Studien die Erfolge des Dreimedikamentenansatzes gegenüber dem konventionellen Einmedikamentansatz statistisch absichern lassen.

Quellen:
Nathan Seppa, 2013, Baby may be cured of HIV: http://www.sciencenews.org/view/generic/id/348710/description/Baby_may_be_cured_of_HIV

rme/Ärzteblatt, 2013, HIV: „Funktionelle Heilung“ eines Frühgeborenen in den USA: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/53614/HIV-Funktionelle-Heilung-eines-Fruehgeborenen-in-den-USA

Montag, 4. März 2013

Tai Chi: Fernöstliche Bewegung unterstützt Schlaganfallpatienten


News: Medizin (Alternative Heilmethoden)

von Dr. Marcus Mau

Laut einer Pilotstudie aus den USA bietet Tai Chi ein sicheres und hilfreiches Training für Schlaganfallpatienten, um deren Risiko für Stürze zu verringern.

In ihrer Studie untersuchten Taylor-Piliae und Coull 28 Schlaganfallpatienten über einen Zeitraum von 12 Wochen hinweg. Während dieser Zeit nahmen die Probanden für 150 Minuten pro Woche an Tai Chi-Unterricht teil. Alle Teilnehmer waren älter als 50 Jahre und erfuhren ihren Schlaganfall bereits drei Monate vor Aufnahme in die Studie. Die Kontrollgruppe erhielt wöchentliche Telefonanrufe und Fragebögen zur Erfassung ihres Befindens. Darüber hinaus nahmen die Kontroll-Probanden an allgemeinen körperlichen Aktivitäten und Sportkursen teil.
Tai Chi gehört im ursprünglichen Sinn zu den chinesischen Kampfkünsten. Es vereint fließende Körperbewegungen, geistige Konzentration und eine entspannte Atmung. Darüber wird eine ganzheitliche Förderung und Einheit von Körper und Geist erreicht. Tai Chi verbessert die Balance und erhöht die körperliche Kraft sowie die Flexibilität der Gelenke.

Schlaganfallpatienten jedoch leiden in der Mehrzahl der Fälle an Gleichgewichtsstörungen und stürzen deshalb öfter. In der Pilotstudie zum Einfluss des Yang-Tai Chi auf die Genesung dieser Patienten fanden sich tatsächlich einige Hinweise auf einen verbesserten Gleichgewichtssinn in den Probanden, die Tai Chi erlernten. In der Folge traten nach 12 Wochen Training im Vergleich mit einer Kontrollgruppe scheinbar weniger Stürze auf. Die Wissenschaftler weisen allerdings darauf hin, dass weitere Studien und mindestens 58 Teilnehmer  notwendig seien, um die Ergebnisse auch statistisch abzusichern.

Quellen:

Taylor-Piliae RE, Coull BM. 2012. Community-based Yang-style Tai Chi is safe and feasible in chronic stroke: a pilot study. Clinical Rehabilitation 26(2), 121-131.

American Heart Association. "Adult Stroke Survivors Who Practice Tai Chi May Be At Reduced Risk For Falls." Medical News Today. MediLexicon, Intl., 8 Feb. 2013. Web.
3 Mar. 2013. http://www.medicalnewstoday.com/releases/256000.php
feedeater.de