Dienstag, 30. Juli 2013

Und er tut es doch: Mond beeinflusst Schlaf

News: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau

Der Mond gilt seit jeher als ein Phänomen, welches das Leben der Menschen intensiv beeinflusst. Bisher bewiesen wurde allerdings nur seine Beteiligung an den Gezeitenströmungen. Schweizer Wissenschaftler könnten nun den Wahrheiten über unseren Mond ein weiteres Kapitel hinzufügen: „Vollmond lässt uns schlechter schlafen.“, sagen die Forscher.
Ursprünglich wollten die Wissenschaftler um Christian Cajochen eigentlich gar nicht den Einfluss des Vollmonds studieren. „Die Idee zur erneuten Auswertung einiger Schlafdaten aus einem älteren Experiment kam uns nach einem kleinen Bierchen in einer Vollmondnacht“, so Cajochen in seiner Veröffentlichung in der Zeitschrift Current Biology. Was er und sein Team jetzt der Öffentlichkeit präsentierten, ist jedoch der erste statistisch messbare Einfluss des Mondes auf den menschlichen Schlaf.

Bei Vollmond produziert der Körper weniger Melatonin
In ihrer viertägigen Studie untersuchten die Forscher 17 junge Menschen im Alter von etwa 25 Jahren sowie 16 ältere Personen mit einem Durchschnittsalter von 65 Jahren. Weder die Probanden noch das Personal, welches die Daten erhob, wussten zu irgendeiner Zeit, dass es um die Messung des Einflusses des Mondes ging. Alle Daten zu Melatoninspiegel, Schlaftiefe und Schlafdauer wurden unter kontrollierten Laborbedingungen unter Ausschluss äußerer Lichteinflüsse gesammelt.

Im Ergebnis stellten Cajochen und sein Team fest, dass um die Vollmondnacht herum, der Melatoninspiegel im Körper der Teilnehmer abnahm. Zudem verkürzte sich die durchschnittliche Schlafdauer um 20 Minuten. Die Probanden benötigten etwa 5 Minuten länger, um einschlafen zu können und zusätzlich verringerte sich die anschließende Schlaftiefe um 30%. Die Schlaferfahrung selbst empfand die Mehrzahl der Teilnehmer als schlecht.
Gibt es eine innere Monduhr?

Circadiane Rhythmen bestimmen den Tag-Nacht-Zyklus von Tier und Mensch. Wir sprechen in diesem Fall häufig von der „inneren Uhr“. Diese hängt in erster Linie vom Sonnenlicht und vom Lauf der Sonne am Himmel ab. Dass auch der Mond diesen Rhythmus bestimmen könnte, wurde lange vermutet und bisher lediglich bei Meerestieren beobachtet, die im Bereich der Gezeiten leben. Die Wirkung der Gravitationskräfte des Mondes, die ganze Meere in Bewegung setzen können, ist aber in einem kleinen Körper viel zu gering, um als Erklärung für das Phänomen der Monduhr zu dienen. Cajochen und Kollegen zeigten in ihrer Arbeit somit auch erstmals, dass es eine der „inneren Uhr“ ähnliche „Monduhr“ geben könnte. Diese wäre dann sehr wahrscheinlich für die Schlafstörungen mancher Menschen in Vollmondnächten verantwortlich.

Quelle:

Cajochen et al. 2013. Evidence that the lunar cycle influences human sleep. Current Biology 23(15), http://dx.doi.org/10.1016/j.cub.2013.06.029

Dienstag, 23. Juli 2013

Nächtlicher Fluglärm wird zur Herzenssache

News: Medizin

für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau

Nächtlicher Fluglärm stört nicht nur den Schlaf der betroffenen Menschen, wie Mainzer Wissenschaftler jetzt herausgefunden haben. Zusätzlich wird die Funktion der Blutgefäße beeinträchtigt, die Ausschüttung von Adrenalin gesteigert und der Blutdruck erhöht. Dies alles sind Bedingungen, die das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen fördern können. „Fluglärm geht aufs Herz“, so die Forscher.
Ein wissenschaftliches Team der Universität Mainz untersuchte den Einfluss von nächtlichem Fluglärm auf das Herz-Kreislaufsystem in gesunden jungen Männern mit einem Altersdurchschnitt von 26 Jahren. Dabei wurden die Probanden drei unterschiedlichen Lärmbehandlungen ausgesetzt - zuerst die Kontrolle ohne Lärm, dann eine Lärmbelastung von 30 simulierten Überflügen, anschließend mit 60 Überflügen pro Nacht. Der Lärmpegel erreichte dabei maximal 60 dB.

Nicht nur der Schlaf wird bei Fluglärm gestört
Erwartungsgemäß litten alle Teilnehmer der Studie durch den Fluglärm unter Schlafstörungen. Doch kamen noch weitere Symptome hinzu. Nächtlicher Fluglärm beeinflusste die Funktion der Blutgefäße. Diese verloren zunehmend ihre Elastizität, worunter die Dehnbarkeit erheblich litt. Zusammen mit dem erhöhten Adrenalinspiegel führte diese sogenannte Gefäßdysfunktion zu einem messbar erhöhten Blutdruck (Hypertonie). Hält dieser Zustand unverändert über längere Zeit an, so könnten dadurch Herzprobleme oder Schlaganfall drohen. „Langzeitfluglärm erhöht das Risiko für Hypertonie und Herzinfarkt“, so schließen die Wissenschaftler in ihrer Studie.

Die molekularen Mechanismen liegen weiterhin im Dunkeln
Was letztlich zu den Gefäßveränderungen führt, ist weiterhin unklar. Jedoch könnten stressbedingt mehr freie Radikale im Körper gebildet werden, welche die Gefäßwände schädigen. Dafür spricht, dass die Forscher in der vorliegenden Studie die Dysfunktion der Blutgefäße mittels Vitamin C aufheben konnten. Vitamin C (Ascorbinsäure) gilt ebenso wie das Vitamin E (Tocopherol) als Radikalfänger oder sogenanntes antioxidatives Mittel.

Wie sich Fluglärm auf Herz und Kreislauf bei vorgeschädigten oder älteren Patienten auswirkt, muss hingegen erst in weiteren Studien geklärt werden.

Quelle:

Schmidt et al. 2013. Effect of nighttime aircraft noise exposure on endothelial function and stress hormone release in healthy adults. European Heart Journal, doi:10.1093/eurheart/eht269

Dienstag, 9. Juli 2013

Zähneputzen gegen Rheuma

News: Wissenschaft

von Dr. Marcus Mau


Schlechte Zahnhygiene geht auf das Herz. Dieser Zusammenhang ist bereits weithin bekannt. Doch was das Zähneputzen mit Knieschmerzen zu tun hat, veröffentlichte der türkische Wissenschaftler Mesut Ogrendik kürzlich im International Journal of General Medicine. Bakterien, welche Parodontose hervorrufen, sind demnach auch für Autoimmunkrankheiten, wie beispielsweise die Rheumatoidarthritis, verantwortlich. Doch wie funktioniert das im Detail?
Zwischen Parodontose und einer Arthritis des Knies gibt es eine statistisch nachweisbare Verbindung. Beide Erkrankungen zeigen ähnliche Entzündungsverläufe und sprechen ebenso auf die gleichen Medikamente an. „Zudem leiden Menschen mit Parodontose weitaus häufiger unter arthritischen Gelenkentzündungen als Gesunde“, so Ogrendik in seiner Arbeit. Wenn also Parodontose und Rheumatoidarthritis auf die Behandlung mit bestimmten Antibiotika ansprechen, spielen dann Bakterien eine Rolle bei der Entstehung der Autoimmunerkrankung Rheumatoidarthritis? Dieser Frage wollten Ogrendik und Kollegen nachgehen.

Parodontoseerreger und Entzündungen im Kniegelenk?
Nach Aussage der Wissenschaftler gehören etwa 20 Bakterienarten zu den Auslösern für Parodontose. Einige davon scheinen auch eine Rolle bei systemischen Autoimmunerkrankungen wie z. B. Rheumatoidarthritis zu spielen. Antikörper gegen diese Parodontoseerreger ließen sich ebenfalls in den entzündeten Gelenken nachweisen. Darüber hinaus fand Ogrendik DNA der betreffenden Bakterien in der Gelenkflüssigkeit sowie im Blut der Patienten. Die verdächtigen Bakterien sind Porphyromonas gingivalis, Prevotella intermedia, Tannerella forsythia, and Aggregatibacter actinomycetemcomitans, die ursprünglich alle in die Gruppe der Parodontoseerreger gehören.

Bakterien als Ursache der Rheumatoidarthritis
Obgleich der genaue Mechanismus noch nicht bis ins kleinste Detail verstanden ist, scheinen die Bakterien aus dem Mundraum über Verletzungen des Zahnfleisches in den Blutstrom zu gelangen. Von hier aus verbreiten sie sich überall im Körper, sodass unter anderem ihre DNA in der Gelenkflüssigkeit des Knies nachgewiesen werden konnte. Darüber hinaus scheinen die Bakterien wie z. B. P. gingivalis bestimmte Eiweißstrukturen im Körper zu zerstören. Diese veränderten Moleküle sind dann eine Grundvoraussetzung für die Entstehung von Autoantikörpern. Diese greifen daraufhin bevorzugt körpereigene Strukturen im Knie und Gelenkknorpel an. Gleichzeitig steigt die Konzentration von C-reaktivem Protein, welches zur angeborenen Abwehr gegen Bakterien wie P. gingivalis gehört. In der Folge kommt es zu schweren Entzündungen im Gelenkbereich. Die Mediziner sprechen dann von einer autoimmunen Erkrankung, beispielsweise von der sogenannten Rheumatoidarthritis.

Die Wissenschaftler geben jedoch ebenfalls zu bedenken, dass nicht alle Menschen mit Parodontose eine Rheumatoidarthritis entwickeln und im umgekehrten Fall auch nicht alle Rheumapatienten an Parodontose leiden müssen. Es besteht also auch weiterhin großer Forschungsbedarf, um die Zusammenhänge zwischen der Mundhygiene und einem Rheumaleiden vollständig aufklären zu können.
Quellen:

Ogrendik M. 2013. Rheumatoid arthritis is an autoimmune disease caused by periodontal pathogens. Int J General Med 6, 383-386.
feedeater.de