Dienstag, 19. November 2013

Künstliche Süßstoffe – Übergewicht bei null Kalorien?

Hypothese: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau

Dass Zucker dick macht und eine ganze Reihe negativer Auswirkungen auf den Körper hat, ist seit Langem bekannt. Nicht ohne Grund greifen Übergewichtige oder Fettleibige sehr gern zu den kalorienarmen Zuckerersatzstoffen oder den kalorienfreien künstlichen Süßstoffen. Lassen sich dadurch doch angeblich das Übergewicht und dessen Folgekrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislaufprobleme und das metabolische Syndrom verhindern. Allerdings zeigen mehr und mehr Studien statt des erhofften Gewichtsverlustes, dass künstliche Süßstoffe die Gewichtszunahme fördern und somit auch das Risiko für Folgeerkrankungen erhöhen können. Null Kalorien und Übergewicht? Ein Widerspruch? Nicht ganz, wie amerikanische Forscher jetzt veröffentlichten.

Seit mehreren Jahren bereits häufen sich die Anzeichen, dass künstliche Süßstoffe genauso wie Zucker zu Übergewicht und anderen gesundheitlichen Folgen führen. „Der Gebrauch von süß-schmeckenden, aber kalorienfreien Getränken und Nahrungsmitteln lässt den erlernten Zusammenhang zwischen süßem Geschmack und der Energieaufnahme aus dem Ruder laufen“, so die Wissenschaftler. „Die Folge ist eine gesteigerte Aufnahme kalorienreicher Nahrungsmittel, um den Energiemangel auszugleichen.“

Süßstoffe machen dick: Die Studienlage

Verschiedene Studien kommen zu dem gleichen Schluss: Menschen, die künstliche Süßstoffe verwenden, neigen eher zu einer Gewichtszunahme als solche, die keine künstlichen Süßstoffe zu sich nehmen. Dennoch heißt dies im Umkehrschluss nicht, dass es gesünder wäre, Zucker in großen Mengen zu essen.
Darüber hinaus bieten sowohl Süßstoffe als auch Zucker das gleiche Risiko, ein metabolisches Syndrom (extremes Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes, freie Fette im Blut) zu entwickeln. Doch wie ist das möglich, wenn Süßstoffe doch weniger oder keine Kalorien enthalten?

Was läuft schief im Gehirn, dass wir trotz Süßstoffe dicker werden?

Erste Hinweise auf die Mechanismen hinter diesem Phänomen erhielten die Forscher aus Experimenten an Ratten und Mäusen. Tiere, deren Futter mit kalorienfreien Süßstoffen angereichert war, nahmen mehr Gewicht zu als jene, die zuckerhaltige Nahrung erhielten. Was war passiert?

Während künstliche Süßstoffe einen süßen Geschmack transportieren, bieten sie keinerlei Energie für den Körper, wodurch wichtige Mechanismen im Gehirn, die die Sättigung kontrollieren, nicht mehr funktionieren. In der Folge nahmen die Tiere, deren Futter mit Süßstoffen gesüßt war, sehr viel mehr Nahrung auf, als die Zuckergruppe.

Die Forscher nehmen an, dass der süße Geschmack dem Gehirn Energie signalisiert, die jedoch durch die kalorienfreien Süßstoffe nicht geliefert wird. Dies verstärkt den Appetit sowie den Drang nach Zucker und Energie und fördert somit die Aufnahme energiereicher Nahrung. Ganz ähnliche Mechanismen können auch im Menschen ablaufen und fördern hier Heißhunger auf Süßes und Fettreiches, wodurch es langfristig zu Übergewicht kommen kann.

Lässt sich das Wissen um die Rolle von Geschmack und Kalorien für die Sättigung zukünftig besser nutzen? Die Chancen dafür stehen gut. Denn werden weniger Fett und Salz in Speisen verwendet, ohne den fehlenden Geschmack durch künstliche Aromen zu ersetzen, nimmt nach einigen Wochen die Lust auf weniger salzige oder fettige Lebensmittel zu. Gleiches könnte für Zucker in Lebensmitteln gelten. Doch dann wäre es richtiger, ganz auf Süßungsmittel zu verzichten als den Zucker durch kalorienfreie Süßstoffe zu ersetzen. „Die Welt zu „entsüßen“ könnte der Schlüssel sein, um die Adipositas-Epidemie zu stoppen“, so die Forscher.

Quellen:

Swithers SE. 2013. Artificial sweeteners produce the counterintuitive effect of inducing metabolic derangements. Trends in Endocrinology and Metabolism 24(9), 431-441

Yang Q. 2010. Gain weight by “going diet?” Artificial sweeteners and the neurobiology of sugar cravings. Yale Journal of Biology and Medicine 83, 101-108

Freitag, 1. November 2013

Vegetarier leben länger

News: Wissenschaft

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau.


Der 1. November ist in jedem Jahr auch der Welttag der veganen Ernährung. Zeit also, sich einmal etwas genauer mit der vegetarischen Ernährung auseinanderzusetzen. Denn nun gilt es als statistisch erwiesen: Vegetarier leben nicht nur gesünder, sondern eben auch länger als Nicht-Vegetarier!
Ein amerikanisches Wissenschaftlerteam hatte bereits im Sommer berichtet, dass die allgemeine Sterblichkeit bei Vegetariern und Veganern im Gegensatz zu den Fleischessern signifikant niedriger ist. Doch was heißt das? Und warum leben Vegetarier eigentlich länger?

Vegetarisch ist nicht gleich vegetarisch
Die Forscher der Loma Linda Universität in Kalifornien untersuchten in ihrer Studie mehr als 73.000 Männer und Frauen. Anfangs erhoben sie die Ernährungsgewohnheiten der Probanden und teilten diese in die folgenden Gruppen ein: Nicht-Vegetarier, Fisch-Vegetarier, Ovo-Lacto-Vegetarier (= Eier und Milch) sowie reine Veganer, die gar keine tierischen Produkte konsumierten. Anschließend wurde der statistische Zusammenhang zwischen der vegetarischen Ernährungsweise und der Sterblichkeit in den einzelnen Gruppen ermittelt. Insgesamt starben 2570 Menschen im Beobachtungszeitraum von sechs Jahren. Interessanterweise hatten alle Vegetariergruppen zusammen ein 12% geringeres Sterblichkeitsrisiko als die Nicht-Vegetarier.

Männer und Frauen profitieren unterschiedlich stark vom Vegetarismus
Bei Einzelbetrachtung konnten die Fisch-Vegetarier ihr Sterblichkeitsrisiko mit 19% am stärksten senken, dicht gefolgt von den Veganern mit 15%. Die Ovo-Lacto-Vegetarier bringen es immerhin noch auf 9% Risikoabnahme im Vergleich mit den Nicht-Vegetariern.

Zudem verringerte eine vegetarische Ernährung das Risiko an bestimmten Krankheiten zu versterben, wie z. B. Herz-Kreislaufstörungen, Nierenproblemen oder Hormonstörungen. Dies zeigt wiederum deutlich, dass ungesättigte Fettsäuren aus tierischen Fetten und Eiweiße aus dem Fleisch ein Hauptproblem bei der Entstehung von Herz-Kreislauf- und Nierenproblemen sind.
Männer zeigten zudem einen sehr viel stärkeren statistischen Zusammenhang zwischen dem Vegetarismus und dem verringerten Sterblichkeitsrisiko in Bezug auf diese Erkrankungen. „Der Geschlechterunterschied sollte zukünftig verstärkt auch von Ernährungs- und Diätberatern aufgegriffen und vermittelt werden“, so die Forscher abschließend.

Quelle:

Orlich et al. 2013. Vegetarian dietary patterns and mortality in Adventist Health Study 2. JAMA Intern Med 173(13), 1230-8; doi: 10.1001/jamainternmed.2013.6473

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