Samstag, 25. Januar 2014

Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) fördern Arthrose

News: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau.

Unter Arthrose ist eine langsam fortschreitende Gelenkzerstörung zu verstehen, deren Hauptursache in der mechanischen Abnutzung der Gelenkflächen liegt. Entgegen dem allgemeinen Volksglauben können bereits kleinste Verletzungen ausreichen, um den Abrieb an den Gelenkflächen zu verändern. In der Folge wird der Gelenkknorpel zerstört und das gelenk funktionsunfähig. Mit zunehmendem Alter tritt dieser Verschleiß natürlich auf, im jungen und mittleren Lebensalter jedoch spielt eine Überlastung der Gelenke häufig die wichtigste Rolle. Ein starkes Übergewicht erhöht den Druck auf die Gelenke sehr stark und belastet die Funktion und Ernährung des Knorpels nachhaltig. Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) sind demnach ein wichtiger Risikofaktor, der die Entstehung einer Kniegelenks- oder Hüftgelenksarthrose fördert.

Übergewicht fördert Arthroseleiden.
(Bildquelle:Jerzy Sawluk / pixelio.de)  
Nach den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) handelt es sich bei Übergewicht und Fettleibigkeit um eine „über das Normalmaß hinausgehende Fettzunahme des Körpers“. Während gerade leichtes Übergewicht bei älteren Menschen hilfreich ist, um zehrende Krankheiten zu überstehen, so ist die Fettleibigkeit (Adipositas) krankhaft und führt schließlich zu Veränderungen im Stoffwechsel, zu Ablagerungen in den Gefäßen und zu einer Überlastung der Gelenke.
Als Standardmaß für die Ermittlung von Übergewicht und Fettleibigkeit gilt der Body Mass Index (kurz: BMI). Dieser berechnet sich aus dem Körpergewicht geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Metern. Somit ergibt sich als Einheit des BMI = kg/m2. Übergewicht beginnt ab einem BMI > 25 kg/m2; Adipositas bei > 35 kg/m2. Derzeit ist circa jeder zweite Deutsche übergewichtig und jeder Fünfte sogar fettleibig (adipös).

Die allgemeinen Gesundheitsrisiken bei Adipositas sind z. B. Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen oder Bluthochdruck. Daneben fördern Übergewicht und Adipositas aber auch den Gelenkverschleiß und die Entstehung von Gelenkarthrosen. Wissenschaftlich ist dieser Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Arthroseleiden hinlänglich belegt.
Fettleibigkeit drückt nicht nur auf das Gemüt

Untersuchungen an Mäusen und Menschen führten zum gleichen Ergebnis: Fettleibigkeit verursacht Gelenkschäden. Doch nicht nur das Gewicht allein ist dabei so gefährlich. Der Fettüberschuss verändert den Stoffwechsel sowie das hormonelle Gleichgewicht und beeinflusst das Immunsystem des Körpers (Griffin & Guilak. 2008. Why is obesity associated with osteoarthritis? Insights from mouse models of obesity. Biorheology 45(3-4), 387–398; Sowers & Karvonen-Gutierrez. 2010. The evolving role of obesity in knee osteoarthritis. Curr Opin Rheumatol 22(5), 533–537; doi:10.1097/BOR.0b013e32833b4682).
Sehr fetthaltige Nahrung rief bei Mäusen Gelenkdegeneration und arthritische Symptome hervor. Zudem bestand ein offensichtlicher Zusammenhang zwischen der Schwere der Symptome und den im Blut zirkulierenden Konzentrationen von Leptin, Adiponektin und anderen Entzündungsstoffen, sogenannte Cytokine. Adipositas löst Entzündungen aus, die den Gelenkknorpel schädigen und schließlich im Vollbild einer Arthrose münden können (Griffin et al. 2010. Diet-induced obesity differentially regulates behavioral, biomechanical, and molecular risk factors for osteoarthritis in mice. Arthritis Research & Therapy 12, R130).

Hochkalorische Diäten förderten in Mäusen die Fettzunahme und gleichzeitig wurde eine Osteoarthritis (Arthrose) ausgelöst. Die Tiere wurden bewegungsfaul, was die Forscher als ein Zeichen für bestehende Schmerzen und Gelenkschäden deuteten (O’Conor et al. 2013. Increased susceptibility of Trpv4-deficient mice to obesity and obesity-induced osteoarthritis with very high-fat diet. Ann Rheum Dis 72(2), 300-4; doi: 10.1136/annrheumdis-2012-202272).
Doch was kann der Mensch von den Mäusen lernen? Lassen sich die Ergebnisse wirklich übertragen? Im Prinzip ja.  Auch beim Menschen erhöht sich das Arthroserisiko bei einer extremen Körpergewichtszunahme. Eine Studie aus dem Jahr 2011 untersuchte mehr als 3000 Patienten auf den Zusammenhang zwischen BMI und Knie- (n = 1042) oder Hüftgelenksarthrose (n = 1007). Weitere 1121 Menschen waren als Kontrolle rekrutiert worden. Mit steigendem BMI nahm auch die Wahrscheinlichkeit für eine Kniegelenks- bzw. Hüftgelenksarthrose zu. Darüber hinaus war festzustellen, dass je früher das Übergewicht im Leben auftrat, desto höher war die Wahrscheinlichkeit für eine spätere Arthrose (Holliday et al. 2011. Lifetime body mass index, other anthropometric measures of obesity and risk of knee or hip osteoarthritis in the GOAL case-control study. Osteoarthritis Cartilage 19(1), 37-43; doi: 10.1016/j.joca.2010.10.014).

Zusätzlich fördert extremes Übergewicht den Bewegungsmangel. Im höheren Lebensalter resultiert daraus ein sehr großer Muskelverlust, wodurch die Kräfte auf die Gelenke zunehmen könnten und so eine Arthrose gefördert würde (Conroy et al. 2013. Muscle Strength, Mass and Quality in Older Men and Women with Knee Osteoarthritis: Findings from Health, Aging and Body Composition Study. Arthritis Care Res (Hoboken) 64(1), 15–21; doi:10.1002/acr.20588).
Wenn ein höheres Körpergewicht das Risiko für Arthrose steigert, gilt dann auch im Umkehrschluss, dass eine Gewichtsreduktion das Risiko absenkt?

Adipositasprävention = Arthroseprävention?
Adipositas und Arthrose treten sehr häufig gemeinsam in Erscheinung. Zum einen führt die Gewichtszunahme zu einer stärkeren mechanischen Belastung des Gelenkknorpels, zum anderen verändert das Fett die Körperzusammensetzung und beeinflusst das Bewegungsverhalten der betroffenen Menschen. Der Bewegungsmangel nimmt aufgrund der Fettleibigkeit noch weiter zu.

„Durch eine Gewichtsreduktion lässt sich das Arthroserisiko tatsächlich verringern“, so Wluka und Kollegen in einer kürzlich veröffentlichten Übersichtsarbeit (Wluka et al. 2013. Tackling obesity in knee osteoarthritis. Nat Rev Rheumatol 9(4), 225-35; doi: 10.1038/nrrheum.2012.224). „Bei einer bereits fortgeschrittenen Arthrose könnten die Symptome abgeschwächt werden und eine Funktionsverbesserung im Gelenk eintreten.“ Generell gilt jedoch, dass je länger die Arthrose besteht, desto mehr Zeit ist notwendig, um die Erkrankung zu verlangsamen oder möglicherweise sogar ganz aufzuhalten.

 Weitere Quelle:

WHO. 2000. Obesity: preventing and managing the global epidemic. WHO Technical Report Series 894. Genf, Switzerland.

Buchempfehlung von Marcus Mau zum Thema:

Wer mehr über Ernährung und alternative Arthrosebehandlung erfahren möchte, dem sei das Ideen & Wissen Themenheft empfohlen:
http://www.amazon.de/Schmerzen-den-Gelenken-Arthrosebehandlung-Wissenschaft-ebook/dp/B00I1P8Y1S/ref=sr_1_6?ie=UTF8&qid=1390760065&sr=8-6&keywords=marcus+mau

Mittwoch, 8. Januar 2014

HPV-Impfung auch für junge Männer sinnvoll

Insights: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau.

Eine schnelle Bekanntschaft, ein gedankenloses Abenteuer und schon ist es passiert. Das Problem: Man(n) sieht nichts und steckt jahrelang alle nachfolgenden Partner an. Die Folge: Eine Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV) kann verschiedene Krebsarten verursachen, z. B. Peniskarzinom, Anal- oder Rachenkrebs. Dabei gibt es eine sehr wirksame Impfung gegen HP-Viren, doch die wurde bisher nur für Mädchen und junge Frauen im Alter von zwölf bis siebzehn Jahren empfohlen und von den Krankenkassen bezahlt. Die zweitwichtigste Risikogruppe, nämlich die der jungen bi- oder homosexuellen Männer wurde bisher vergessen.

Humane Papillomviren werden beim ungeschützten Sex über infizierte Haut- und Schleimhautareale übertragen. In den meisten Fällen bleiben diese Infektionen unerkannt oder führen zu gutartigen, aber oft entstellenden Warzen. Doch auch symptomlos kann der Betroffene die Infektion weitergeben. Einige Papillomviren (z. B. HPV 16 und 18) erzeugen sogar Krebs. Die Viren überdauern in den Hautzellen und können Jahre später zu Schleimhautschäden führen bis hin zu einem Tumor. Die Schleimhautschäden infolge der HPV-Infektion schwächen die Schleimhaut und öffnen zusätzliche Eintrittspforten für weitere Krankheiten, u. a. HIV, Chlamydieninfektionen oder die Syphilis.

Krebs durch HPV – ein Problem für Männer?
Die exponierten Infektionsstellen beim Mann sind  je nach sexueller Praxis der Penis sowie die Schleimhäute des Rachens und des Analkanals. Besonders in der Analschleimhaut können chronische HPV-Infektionen zur Bildung von Krebsvorstufen führen, Mediziner nennen diese Vorstufen Neoplasien (Neubildungen).

Das Analkarzinom ist zwar ein seltener Tumor, dennoch ist das Risiko, daran zu erkranken, für Immungeschwächte (zum Beispiel Organempfänger und HIV-Patienten) sowie für homo- und bisexuelle Männer 20-fach höher als für heterosexuelle Männer. In über 80 Prozent der Analkrebsfälle finden sich HP-Viren. Zusätzlich sind bis zu 94 Prozent der Krebsvorstufen mit HP-Viren infiziert. Am häufigsten tritt HPV 16 auf; bei unter zehn Prozent der Krebspatienten liegt eine Infektion mit HPV 18 vor. Ebenso wird das Peniskarzinom häufig durch HPV 16 verursacht.
Wohl beinahe jeder erinnert sich noch an die Schlagzeilen um die Krebserkrankung von Michael Douglas. Er hatte sich nach eigener Aussage beim Oralsex mit HPV infiziert und war Jahre später an einem Tumor erkrankt. Obwohl der überwiegende Teil der Rachentumoren durch Rauchen und Alkohol hervorgerufen wird, geht tatsächlich ein kleiner Anteil auf das Konto von HPV-Infektionen. Bei Mundhöhlenkrebs beispielsweise findet sich in 24 Prozent der Fälle das Erbgut von HPV in den Krebszellen. Ebenso wie beim Analkrebs scheinen HPV 16 und 18 hier die tragende Rolle zu spielen.

Ist die HPV-Impfung wirksam?
Besonders bi- und homosexuelle Männer gelten neben den Frauen derzeit als eine der Hauptrisikogruppen für anogenitale und orale HPV-Infektionen, doch gibt es für junge Männer anders als für Mädchen noch keine generelle Impfempfehlung. Doch gerade bi- und homosexuelle Männer könnten von der verfügbaren HPV-Impfung profitieren. Die Impfung verhindert sehr wirkungsvoll eine Infektion durch die humanen Papillomviren 16 und 18. Dadurch verringert sich wahrscheinlich ebenfalls das Risiko für Krebsvorstufen bei Analkrebs und Rachentumoren; erste Studien an Männern im Alter zwischen 16 und 26 Jahren bestätigen das bereits. Dennoch ist eine HPV-Infektion kein ausschließliches Problem für homosexuelle Männer; die Viren infizieren jeden, der ungeschützten Sex hat, und somit sind auch heterosexuelle Männer mit wechselnden Partnern gefährdet.

Die Kosten der Impfung werden bei Mädchen von den gesetzlichen Krankenkassen als Vorsorgemaßnahme gegen den Gebärmutterhalskrebs vollumfänglich übernommen. In Deutschland wurde die HPV-Impfung bisher nicht generell für Jungen und junge Männer empfohlen. Nachdem Jungen bisher nur in Sachsen eine Übernahme der Kosten durch die Krankenkassen beantragen konnten, übernimmt die Bahn-BKK nun (ab 2014) als erste deutsche Krankenkasse  deutschlandweit die Impfkosten für Jungen und Mädchen im Alter zwischen 9 und 19 Jahren. In Australien oder den USA hingegen ist die HPV-Impfung bereits seit 2012 für Jungen im Alter zwischen 11 und 13 Jahren offiziell zugelassen.
Was die HPV-Impfung für junge Männer leisten kann

  • Die Impfung schützt in mehr als 90 Prozent der Fälle vor einer Ansteckung mit den krebsverursachenden Papillomviren HPV 16 und 18. Wichtig ist dabei, dass die Impfung vor dem ersten sexuellen Kontakt erfolgt ist!
  • Die HPV-Impfung reduziert nachweislich die Anzahl und Schwere der Krebsvorstufen des Analkrebses bei Männern.
  • Der Vierfach-Impfstoff schützt zudem zuverlässig vor einer Ansteckung durch HPV 6 und 11. Dadurch lassen sich entstellende Genitalwarzen zu mehr als 90 Prozent vermeiden.

Quellen:

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Sikora AG, Morris LG & Sturgis EM (2009) Bidirectional association of anogenital and oral cavity/pharyngeal carcinomas in men. Arch Otolaryngol Head Neck Surg 135: 402–405

The Future II study group (2007) NEJM 356: 1915–1927

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feedeater.de