Dienstag, 13. Mai 2014

Kniegelenkspiegelung bei Arthrose ohne Nutzen

News: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau.

Die Arthroskopie gilt heute als eines der bevorzugten Mittel zur Behandlung einer Arthrose des Kniegelenks (Gonarthrose). Doch ihr Nutzen ist nicht belegt. Lediglich im Vergleich der Injektion von Glukokortikoiden in das Kniegelenk schnitt die Arthroskopie besser ab. Zu diesem Ergebnis kommt der Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Auch eine neue Studie mit Trainingstherapie als Vergleich ändert nichts an dieser Einschätzung.

Die Kniegelenk-Arthrose oder Gonarthrose ist eine chronisch fortschreitende Erkrankung. Häufig sind beide Kniee zugleich betroffen. Das Gelenk versagt zunehmend, was mit Veränderungen an der Gelenkstruktur, Schmerzen und verminderter Beweglichkeit einhergeht. Der Alltag wird zur Tortur, die Lebensqualität sinkt deutlich ab. In Deutschland erkranken rund 17 Prozent aller Männer und 27 Prozent aller Frauen im Lauf ihres Lebens an Arthrose. Zu den Risikofaktoren für eine Arthrose gehören Alter, Geschlecht, genetische Faktoren und vor allem starkes Übergewicht. Bei einer therapeutischen Kniegelenk-Arthroskopie wird das Kniegelenk gespiegelt und mit Kochsalzlösung gespült; gegebenenfalls werden auch krankhaft veränderte Meniskus- oder Knorpelanteile abgetragen oder geglättet. Das soll die Beschwerden lindern und gleichzeitig die Beweglichkeit verbessern. Doch was ist dran an diesen Aussagen?

Studien mit großen Unsicherheiten behaftet
Es wurden elf randomisierte und kontrollierte Studien mit zusammen über 1.000 Patientinnen und Patienten in die Bewertung einbezogen. Etliche Untersuchungen waren jedoch mit Unsicherheiten behaftet. Zum Beispiel waren die Studien nicht als Blindversuch angelegt: Die Behandelten wussten dann zu jedem Zeitpunkt, ob sie eine Arthroskopie bekamen oder nicht. Dabei lassen sich durchaus Scheinarthroskopien durchführen, bei denen ein kleiner Einschnitt am Knie erfolgt, anschließend aber nicht weiter operiert wird. Gerade solche „Placebo-Operationen“ sind für die Bewertung aussagekräftig, wenn auch nicht unumstritten. Generell gilt, dass Placebo-Effekt und Erwartungshaltung von Patienten die Studienergebnisse ganz maßgeblich beeinflussen können.

Kein Vorteil gegenüber Scheineingriffen
Aus den meisten Studien ließ sich kein Nutzen der therapeutischen Arthroskopie im Vergleich zur Scheinoperation und zur Nichtbehandlung ableiten. Auf der anderen Seite waren aber ebenso wenig Schäden durch unerwünschte Therapiewirkungen eindeutig zu erkennen. Überrascht waren die Wissenschaftler davon, wie groß die gefühlte Verbesserung nach einer Placeboarthroskopie ausfiel. Nur gegenüber der Injektion von Glukokortikoiden ins Kniegelenk hatte die Arthroskopie einen leichten Vorteil: Die Patienten hatten weniger Beschwerden. Ob sich dadurch auch die Lebensqualität allgemein verbesserte, zeigten die Studien nicht.

Trainieren oder Operieren?
Die Arthroskopie war im Vergleich zu einer Trainingstherapie unter physiotherapeutischer Aufsicht zu keinem Studienzeitpunkt überlegen. Sie verringerte weder die Schmerzempfindung noch sorgte sie für eine anschließend höhere Beweglichkeit des betroffenen Gelenks. Somit lautet das nüchterne Gesamtergebnis: Der Nutzen einer Arthroskopie des Kniegelenks zur Behandlung von Gonarthrose ist nicht belegt.

Quelle: Pressemitteilung; Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) vom 12.05.2014
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