Montag, 22. Dezember 2014

Ein Kuss für Millionen

News: Forschung

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau.

Der Kontakt von Mund zu Mund spielt im Tierreich eine sehr große Rolle. Insbesondere als Fütterrungsritual findet er sich von den Fischen bis zu den Primaten. Der Mensch nutzt den Kuss darüber hinaus als Zeichen der Zuneigung. Doch, dass ein Kuss weitaus mehr über zwei Menschen aussagt, als uns bisher bewusst war, fanden Remco Kort und Kollegen kürzlich heraus. Sie erzählen eine Geschichte von Menschen und ihren Mundbakterien und wie ähnlich sich die Mikrobiome zweier küssender Menschen eigentlich sind. Mit 80 Millionen übertragenen Mikroben ist ein einzelner Kuss zudem wohl doch eher ein öffentliches Ereignis, zumindest aus Sicht der Bakterien.

In unserer Mundhöhle leben Millionen von unterschiedlichen Bakterien. Sie besiedeln unsere Zähne, unsere Zungenoberfläche und schwimmen sogar im Speichel. Erst seit Kurzem lernen Forscher weltweit, dass unser Mikrobiom – die Gesamtheit aller Bakterien des Menschen – die Prozesse in unserem Körper auf vielfältige Weise steuern und beeinflussen kann. Autoimmunerkrankungen, Übergewicht, ja selbst unser Sexualverhalten soll in gewissem Umfang mit den Mikroorganismen, die uns besiedeln, in Zusammenhang stehen. So soll das Küssen denn auch das Immunsystem des Menschen stärken.
Bei einem 10-sekündigen Kuss tauschen
wir bis zu 80 Mio. Bakterien aus.
(Quelle: olga meier-sander/pixelio.de)
Bei einem intimen Kuss werden 80 Millionen Bakterien ausgetauscht
Die Forscher um Remco Kort untersuchten Speichel und Zungenoberfläche bei 21 Paaren, die an einem kontrollierten Kuss-Experiment teilnahmen. Um die Menge an ausgetauschten Mikroben erfassen zu können, mussten die Probanden in einem zweiten Versuch probiotischen Joghurt essen, der hauptsächlich Lactobacillus und Bifidobacterien enthielt. Die Wissenschaftler stellten fest, dass küssende Partner bis zu 80 Millionen Bakterien austauschen und somit deutlich ähnlichere Mundmikrobiome hatten als sich unbekannte Personen. Interessanterweise war die Ähnlichkeit bei den Bakterien am größten, welche unsere Zungenoberfläche besiedeln. Dennoch scheinen diese Ähnlichkeiten nicht direkt vom Kuss abzuhängen. Sie sind wahrscheinlich vielmehr von den Lebensgewohnheiten, übereinstimmender Ernährungsweise sowie anderen Umweltfaktoren der Paare beeinflusst.

Da sich die Bakteriengemeinschaften nach dem letzten Kuss sehr schnell wieder individuell umgestalten, erhöht ein Kuss von Zeit zu Zeit nicht nur den Zusammenhalt der Partner, sondern sorgt auch für einen regelmäßigeren Austausch der „Mitbewohner“ in unserer Mundhöhle.

Quelle:
Kort R et al. Shaping the oral microbiota through intimate kissing. Microbiome 2014; 2:41

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Ein Tripper steigert das Krebsrisiko

News: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau.
Das Prostatakarzinom ist die zweithäufigste Krebsart des Mannes und die sechsthäufigste Todesursache bei Männern weltweit. Obgleich diese Krebsart sehr intensiv erforscht wird, konnten bisher noch immer keine veränderbaren Risikofaktoren für die Entstehung des Prostatakarzinoms beschrieben werden. Eine neue Metaanalyse von 47 Studien zum Einfluss von sexuell übertragbaren Infektionen (STI) auf die Entwicklung des Prostatakarzinoms brachte nun ein überraschendes Ergebnis.
Männer, die jemals in ihrem Leben an einer Geschlechtskrankheit gelitten hatten, hatten infolgedessen ein um das 1,5-Fache höheres Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken. Messbar erhöht war das individuelle Risiko z.B. nach einer durchgemachten Infektion mit Gonokokken (SRR 1,20; 95 % KI 1,05 – 1,37). Das Risiko war dabei anscheinend unabhängig davon, ob die Infektion einmalig im Leben aufgetreten war und lange zurücklag oder nicht. Kein anderer der betrachteten Erreger von Geschlechtskrankheiten (Treponema pallidum, Chlamydia trachomatis, Trichomonas vaginalis, Ureaplasma urealyticum, Mycoplasma hominis, Herpes simplex, Cytomegalievirus) zeigte einen signifikanten Einfluss auf die Entstehung eines Prostatakarzinoms bei den betroffenen Männern.
Die Forscher um Caini schließen, dass eine Prävention von Geschlechtskrankheiten weltweit auch die Häufigkeit des Prostatakarzinoms senken könnte. Derzeit kommen sowohl die Geschlechts­krankheiten als auch der Prostatakrebs sehr häufig vor. Darüber hinaus sind die sexuell übertragbaren Erkrankungen in Deutschland derzeit wieder auf dem Vormarsch – allen voran der Tripper, aber auch die Syphilis.
Quelle: Caini S. et al. 2014. Cancer Epidemiol ; 38:329-38
feedeater.de