Donnerstag, 29. Januar 2015

Spielend gegen die Demenz

News: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau.

Wie wahr das Sprichwort "In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist" tatsächlich ist, haben Forscher im Sommer 2014 in Kopenhagen präsentiert. Lebenslange geistige Aktivität und moderater Sport in der Lebensmitte verringern nach ihrer Aussage das Risiko, an Alzheimer oder Demenz zu erkranken.

Lebensstilveränderungen beeinflussen das individuelle Demenzrisiko. Was ist also zu tun, um im Alter nicht oder zumindest später an Alzheimer oder Demenz zu erkranken? „Wir lernen gerade, inwieweit sich das Alzheimer-Risiko und die protektiven Faktoren im Laufe eines Lebens ändern können“, merkte Heather Snyder von der Alzheimer‘s Association an. Fragen wir also in Zukunft: Was soll ich essen und was besser nicht? Wie viel Sport und vor allem welche Art von Sport ist nötig, um mein Risiko zu senken? 

Moderate Bewegung verringert Demenzrisiko
Menschen mit einer leichten kognitiven Störung haben sehr geringe, aber dennoch merkliche Einschränkungen bei Gedächtnis und Denkprozessen. Solche milden Symptome sind meist ein erster Hinweis auf ein erhöhtes Demenz- bzw. Alzheimer-Risiko, welches mit steigendem Lebensalter weiter zunimmt (Abbildung). In einer Studie wurden 280 ältere Patienten mit solchen leichten kognitiven Störungen auf den Einfluss von Lebensalter und physischer Aktivität auf das Demenzrisiko untersucht. Über den Beobachtungszeitraum von drei Jahren hinweg zeigte sich, dass moderate Bewegung im mittleren Lebensalter (50 – 65 Jahre) das Risiko für die Weiterentwicklung leichter kognitiver Störungen bis zu einem manifesten Morbus Alzheimer signifikant verringerte.

(Quelle: DER PRIVATARZT; MiM Verlag)
Bei älteren Patienten (70+ Jahre) scheint es diesen Zusammenhang zwischen sportlicher Aktivität und einem geringeren Alzheimer-Risiko nicht mehr zu geben. Dafür profitieren sehr alte Menschen (90+ Jahre) wahrscheinlich von einer leichten Hypertonie, wie eine andere Studie beschreibt. Erklären lässt sich dieser Zusammenhang aber bisher noch nicht; steht er doch in einem Widerspruch zur allgemeinen Lehrmeinung, dass Bluthochdruck das Demenzrisiko steigert.

Spielen verzögert die Demenzentwicklung
Geistige Aktivitäten, wie z. B. Spielen, neue Ideen zu entwickeln und Erinnerungen, sind längst nicht nur Ausdruck des aktiven Alterns, sondern vor allem verringern diese Aktivitäten das Risiko für Alzheimer und andere neurodegenerative Erkrankungen. Insgesamt schloss die Studie 329 Patienten ein, von denen 40 % das APOe4-Gen trugen und weitere 74 % Alzheimer in der Familienanamnese angaben. Beide Faktoren erhöhen das individuelle Risiko, ebenfalls einen Morbus Alzheimer zu entwickeln.
 
Interessanterweise hatten diejenigen Patienten eine bessere Gedächtnisleistung, die regelmäßig Karten spielten oder puzzelten. „Spielen scheint Gehirnstrukturen zu schützen, die häufig Ziel der Neurodegeneration werden“, so die Forscher. „Im allerbesten Fall werden wir wohl eines Tages bestimmte nützliche Lebensstil-Empfehlungen auf Rezept haben, um unsere Patienten vor einer frühen Demenz zu schützen“, so Snyder zum Abschluss.

Quelle:
AAIC (Alzheimer‘s Association International Conference), Kopenhagen 2014

Donnerstag, 8. Januar 2015

Der Mensch: Das "homosoziale" Wesen

News: Psychologie

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau.

Der Mensch braucht seine sozialen Bindungen, um zu überleben. „Homosexuelles Verhalten bot in der Evolutionsgeschichte des Menschen sehr wahrscheinlich die Möglichkeit, solche Bindungen überhaupt erst stabil ausbilden zu können“, sagt Dr. Diana Fleischman von der University of Portsmouth in England.
                                                                         
Fleischman und ihr Team untersuchten, inwieweit der Progesterongehalt bei Frauen und Männern mit homosexuellem Verhalten und allgemein auch mit dem Aufbau von zwischenmenschlichen Beziehungen zusammenhängen könnte. Schwul oder lesbisch bedeutet gleich mehr Progesteron? So einfach ist es nicht.

Progesteron macht empfänglicher für homosexuelles Verhalten
Dr. Fleischman und ihr Forscherteam untersuchten zuerst 92 heterosexuelle Frauen und bestimmten deren Progesteronwerte im Speichel. Je mehr vom Hormon zu finden war, desto höher war auch die erklärte Bereitschaft der Frauen, sich auf andere Frauen einzulassen, z.B. durch einen Kuss.

In einer weiteren Studie untersuchten die Wissenschaftler 59 heterosexuelle Männer auf ihren Progesterongehalt. Die Männer wurden zudem in drei Gruppen aufgeteilt und mussten an Wortspielen teilnehmen, bei denen sie Worte der Freundschaft, der Sexualität oder neutrale Worte ergänzen mussten. Solche Probanden, die sich mit Freundschaften auseinandersetzten, zeigten eine um 26 % größere Bereitschaft zu homosexuellem Verhalten als die Männer der anderen beiden Gruppen. Diejenigen Männer, die sowohl einen hohen Progesteronwert hatten als auch mit dem Konzept von Bindung und Freundschaft umgingen, hatten sogar eine um 41 % höhere Motivation, sich anderen Männern anzunähern.


Ist Homosexualität wichtig für das menschliche Miteinander?
Dr. Diana Fleischman von der Universität Portsmouth (England) sagt ja.
(Bildquelle: Lara Dengs/pixelio.de)
Homosexualität festigt auch im Tierreich soziale Bindungen

„In unserem Fall denken wir über Sex sehr oft, dass er einzig der Fortpflanzung nützt. Jedoch ist Sexualität etwas sehr Intimes und äußerst Angenehmes. Sexuelles Verhalten dient vielen Tieren, insbesondere den Affen und uns Menschen als probates Mittel, enge Beziehungen aufzubauen und diese auch aufrechterhalten zu können“, sagt Dr. Fleischman. Am besten sehe man das daran, dass Paare noch immer zusammenbleiben, obwohl sie gar keine Kinder bekommen können.

Menschen haben genau wie die großen Affenarten Sex nicht nur zum Zweck der Fortpflanzung. Die Gründe, mit einem Partner eine sexuelle Bindung einzugehen, sind vielfältig und reichen von angenehmen Gefühlen über die Belohnung bis hin zur Dominanz anderer. Homosexuelles Verhalten tritt dabei gleichberechtigt mit der heterosexuellen Beziehungspflege auf. „Beim Menschen zeigen sogar diejenigen sehr oft Bereitschaft zu gleichgeschlechtlichem Sex, die sich selbst nicht als homosexuell bezeichnen würden“, schließt Dr. Fleischman.

Die Abhängigkeit von vertrauensvollen und freundschaftlichen Bindungen zu anderen Menschen erhöht unsere Bereitschaft, homosexuelles Verhalten zuzulassen. Homoerotische Gedanken zu haben, heißt nicht zwingend, diese auch ausleben zu müssen. Doch für stabile soziale Bindungen in unserer Gesellschaft scheinen sie wohl früher wie heute grundlegend und notwendig.
 
Progesteron: Was ist das?
Progesteron wird in den Eierstöcken der Frau und in den Nebennieren des Mannes gebildet. Es ist eigentlich das Schwangerschaftshormon und verhindert während der Entwicklung des Kindes eine erneute Schwangerschaft. Es ist aber auch ein wichtiges Hormon, welches uns Menschen freundlich und mitfühlend macht, sodass wir uns auf andere einlassen können. Progesteron gilt deshalb als ein wichtiger Schlüssel für Freundschaft und enge Bindungen.
 

Quelle:
Fleischman DS et al. 2014. Testing the affiliation hypothesis of homoerotic motivation in humans: the effects of progesterone and priming. Archives of Sexual Behaviour; DOI 10.1007/s10508-014-0436-6

Die Ideen & Wissen Aktion gegen Ebola

Spendenaktion des Wissenschaftsblogs: Ideen & Wissen im Kampf gegen Ebola. Derzeit sind mehr als 8000 Menschen an der Seuche gestorben. Solange Ebola in Afrika grassiert, stellt das Virus eine Gefahr für die gesamte Weltgemeinschaft dar, sind sich die Experten einig. Grund genug, weiterhin Spenden für den Kampf gegen diese Seuche zu sammeln, findet Dr. Marcus Mau vom Wissenschaftsblog: Ideen und Wissen. Bitte unterstützen Sie diese Aktion in Zusammenarbeit mit Ärzte ohne Grenzen. Vielen Dank im Namen aller Beteiligten, Ihr Dr. Marcus Mau.
feedeater.de