Freitag, 20. Februar 2015

HPV-Infektionen bei Frauen doch häufiger als gedacht?

News: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau.

Isolde Kummer (Name geändert) ist 47 Jahre alt und leidet an Gebärmutterhalskrebs. Damit teilt sie mit jährlich fast 5.000 weiteren Frauen in Deuschland ein gemeinsames Schicksal. Gebärmutterhalskrebs wird vor allem durch sogenannte Humane Papillomviren (HP-Viren, HPV) verursacht, welche zu den sexuell übertragbaren Krankheitserregern zählen. Bisher gingen Mediziner davon aus, dass mit HP-Viren infizierte Zellen in der Mehrzahl der Fälle durch unser Immunsystem aus dem Körper getilgt werden. Doch neuere Zahlen malen ein anderes Bild: anscheinend verbleiben die Viren bei viel mehr Frauen dauerhaft im Körper als gedacht.

Im Rahmen der Wolfsburg-HPV-Epidemiologie-Studie (WOLVES) wurden erstmals zwischen 2009 und 2014 HPV-Infektionen und deren Verläufe bei 990 Frauen untersucht. Zu Beginn der Studie waren 26,8 % der Frauen HPV-positiv. In den darauf folgenden Jahren infizierten sich viele der zuerst negativen Teilnehmerinnen aber ebenfalls mit HP-Viren: im ersten Untersuchungsjahr waren es 15,7 %, während des zweiten Untersuchungsjahres 13,8 % und im dritten Jahr zusätzlich noch einmal 11,4 %. Die Mediziner stellten zudem fest, dass sich die unterschiedlichen HP-Virustypen in den Frauen unterschiedlich verhielten.
Hochrisikotypen verursachen häufig Krebs

Einige der HPV-Infektionen wurden vom Immunsystem erfolgreich bekämpft. Diese spontane Heilungsrate innerhalb von zwei bis drei Jahren betraf insgesamt 13 % aller untersuchten Frauen. Bei bis zu 18 % der übrigen Frauen nisteten sich die Viren in den Zellen langfristig ein. Interessant dabei ist, dass sich vor allem die Virustypen HPV 16, HPV 51 und HPV 31 nicht vom Immunsystem beeindrucken ließen. Infizieren diese Viren dauerhaft Zellen, verändern sie dort das Genom und führen zu Krebsvorstufen oder sogar zu einem Tumor. HPV 16 fand sich in allen untersuchten Krebsvorstufen und macht somit den bedeutendsten Faktor bei der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs aus.

Die HPV-Impfung schützt vor der Ansteckung

Eine HPV-Impfung, wie sie derzeit für Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren empfohlen wird, kann die Ansteckung mit HPV 16 und 18 zu mehr als 95 % verhindern. Da auch Jungen sich mit HP-Viren anstecken und später im Leben z.B. an Peniskrebs erkranken können, befürworten Urologen und Kinderärzte ebenso die Impfung von Jungen ab 9 Jahren. Studien zeigten bereits, dass durch die HPV-Impfung eine Ansteckung mit dem krebsauslösenden HPV 16 zuverlässig verhindert wird.

Fazit
HPV-Infektionen werden wohl in deutlich geringerem Ausmaß als bisher angenommen vom körpereigenen Immunsystem entfernt. Weniger als die Hälfte der Infektionen heilten bei Frauen innerhalb der ersten zwei Jahre aus. Demzufolge steigt das Risiko, dass sich die Viren dauerhaft in den Zellen einnisten und später eine Krebserkrankung auslösen. Hätte Isolde Kummer bereits in ihrer Jugend die Möglichkeit zur HPV-Impfung gehabt, hätte sie sich ganz sicher impfen lassen, sagt sie. Ihre Tochter jedenfalls ist geimpft.

Anmerkung der Redaktion: Insgesamt betrachtet liegt die Impfrate bei der HPV-Impfung in Deutschland noch deutlich unter dem europäischen Durchschnitt. Lassen Sie sich doch beim Kinderarzt, Urologen oder Gynäkologen über die Impfung Ihres Kindes beraten. In Sachsen sowie bundesweit durch die Bahn-Bkk werden sogar die Kosten für die HPV-Impfung von Jungen im Alter ab 9 Jahren vollumfänglich erstattet.
Quelle: Luyten A et al. P15. STI-Kongress 2014, Berlin
feedeater.de