Samstag, 14. März 2015

Begleitende Therapiemaßnahmen für HIV-Patienten

News: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau.

Therapieleitlinien im Bereich HIV/AIDS sind meist erste Anleitungen, bedürfen aber fast immer einer individuellen Anpassung. Oftmals erreichen Patienten im weiteren Verlauf einen Punkt, an dem sie Hoffnung auch in einer neuen Lebensführung und alternativen Behandlungsmethoden suchen.

HIV-Patienten können zusätzlich zur antiretroviralen Therapie Cannabis, Massagen oder Akupunktur erhalten – Methoden und Empfehlungen gibt es dazu sehr viele. Doch halten diese auch einer wissenschaftlichen Überprüfung stand? Nicht in jedem Fall, jedoch können einige der folgenden Anwendungen die Lebensqualität der Patienten nachweislich verbessern.

Massage und Bewegung erhöhen die Fitness
Dank der kombinierten antiviralen Therapie ist HIV heute eine beherrschbare, chronische Erkrankung, die aber dennoch den Körper, das Allgemeinbefinden sowie die Lebensqualität beeinflusst. Besonders wichtig für Patienten ist deshalb Bewegung sowie moderate sportliche Aktivität. Mindestens 20 Minuten Bewegung an drei Tagen in der Woche reicht bereits längerfristig aus, die allgemeine Fitness zu erhöhen, die Körperzusammensetzung zu verbessern und das körperliche Wohlbefinden zu steigern, so ein aktueller Cochrane-Review. Unterstützend kann zudem eine Massagetherapie die Lebensqualität von HIV-Patienten verbessern. Durch sie ließen sich vor allem Stress abbauen sowie das Immunsystem stärken. In vier randomisierten kontrollierten Studien zeigte sich, dass Massagen für HIV-Patienten und AIDS-Kranke im fortgeschrittenen Stadium die allgemeine Lebensqualität steigern kann, wenn auch andere Entspannungsverfahren, wie z.B. die Meditation, erlernt wurden. Ob die Massagetherapie darüber hinaus die Immunantwort stärkt, und die Patienten so besser gegen ihre Erkrankung ankämpfen können, ist durch die bisherigen Studien nicht hinreichend belegt.

Cannabis und HIV
Seit Längerem wird Cannabis AIDS-Patienten in natürlicher Form oder pharmazeutisch produziert als Dronabinol empfohlen, um deren Appetit anzuregen. Dies soll das Gewicht wieder leicht ansteigen lassen und die Stimmung heben. Ein Cochrane-Review kommt jedoch zu dem Schluss, dass sich ein solcher fördernder Einfluss von Cannabis bei HIV- und AIDS-Patienten anhand der derzeitigen Studienlage nicht zweifelsfrei nachweisen lässt. Hauptursache dafür sind die zu kleinen Patientengruppen sowie der alleinige Fokus auf die Kurzzeitwirkungen. Ganz ähnlich verhält es sich mit der gesunden Ernährung bei HIV/AIDS.

Ernährungsempfehlungen
Generell gilt, dass HIV-Patienten sich nach den gleichen Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ernähren sollten wie gesunde Menschen. Lediglich in Bezug auf rohe oder unverarbeitete Lebensmittel unterscheiden sich HIV-Positive von Negativen. Pathogene Darmkeime (z.B. Salmonellen), die häufig in rohen Eiern und Geflügel anzutreffen sind, stellen dabei für HIV-Patienten eine Hauptgefahr dar. Eine besonders proteinreiche Ernährung soll zudem das Risiko verringern, verfrüht an opportunistischen Erkrankungen infolge von AIDS zu versterben. Statistische Evidenz ließ sich hierfür jedoch bisher nicht finden.

Vorsicht bei Johanniskraut!
In einigen Fällen muss darüber hinaus auf Wechselwirkungen zwischen medizinisch nutzbaren Pflanzen und der HIV-Therapie geachtet werden. Während Johanniskraut die Plasmaspiegel einiger antiretroviraler Medikamente verringert, scheint vom beliebten und vielgenutzten Knoblauch nach jetzigem Kenntnisstand keine Gefahr auszugehen. Ein US-amerikanisches Forscherteam untersuchte hierzu den Einfluss einer kurzzeitigen Knoblauch-Supplementierung auf die CD4-Zellzahl, die HIV-Viruslast sowie die Therapieadhärenz der Patienten. Die Wissenschaftler fanden bei den 77 HIV-Patientinnen, die an der Studie teilnahmen, auch bei regelmäßigem Verzehr von Knoblauch keinen Einfluss auf die untersuchten Parameter. Dennoch müssen zukünftige Studien klären, inwieweit eine langfristige Knoblauch-Supplementierung das HIV-Management möglicherweise beeinflusst.

Fazit
Insgesamt betrachtet, tragen Entspannungsverfahren, eine ausgewogene Ernährung sowie ausreichend Bewegung im Alltag zum Wohlbefinden von HIV-Patienten bei, wodurch deren Lebensqualität langfristig gesteigert wird.

Quellen:
Grobler L et al. Cochrane Database of Systematic Reviews 2013;2: Art. CD004536
Hillier SL et al. Cochrane Database of Systematic Reviews 2010;1: Art. CD007502
Liu C et al. Altern Ther Health Med 2012;18:18-22
Lutge EE et al. Cochrane Database of Systematic Reviews 2013;4: Art. CD005175
O’Brien K et al. Cochrane Database of Systematic Reviews 2010;8: Art.CD001796

Anm.: Erstveröffentlichung in DER PRIVATARZT Urologie 1/2015
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