Freitag, 28. August 2015

Testosteronbooster aus dem Dschungel

News: Komplementärmedizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau.

Der Malaysische Ginseng (Tongkat Ali) wird in weiten Teilen Südostasiens seit jeher eingesetzt, um die Kraft und Stressresistenz des Mannes zu erhöhen. Dass dies nicht allein dem Reich des Mystizismus zuzuschreiben ist, veranschaulicht eine steigende Anzahl an wissenschaftlichen Studien.

Tongkat Ali, oder Eurycoma longifolia, so sein botanischer Name, ist ein tropischer Baum, der vor allem in den Regenwäldern Malaysias und Südost­asiens gedeiht. Für die medizinische Anwendung besonders wertvoll sind die Wurzeln der Pflanze. Diese enthalten unter anderem Eurycomanon und weitere Eurypeptide, die z. B. auf die Muskulatur, die Libido oder den Testosteronspiegel von Män­nern Einfluss nehmen.

Tongkat Ali steigert freies Testosteron
Der altersbedingte Rückgang des Testosterons bis hin zum sekundären Hypogonadismus geht mit einer Reihe physischer und psychischer Verände­rungen einher: Der Körperfettgehalt nimmt zu, während sich die Muskelmasse des Körpers ver­ringert. Darüber hinaus treten häufig aufgrund der Lebensumstände verstärkt Verstimmungen, Lustlosigkeit, Anspannung und Stress hinzu, was die Lebensqualität der Männer weiter absenkt. Hier kann Eurycoma longifolia in milden Fällen als alternatives Therapeutikum durchaus in Erwä­gung gezogen werden. Der Pflanzenextrakt för­dert den Katabolismus, erhöht z. B. die Muskel­kraft und reduziert den Fettanteil des Körpers.(1-3) Darüber hinaus reduzierte Tongkat Ali in Studien statistisch signifikant die Rate der Anspannung und Verstimmungen um 11 % bzw. 12 %, was sich ebenso im gemessenen Cortisol-Spiegel nie­derschlug. Cortisol als Stressmarker nahm dabei um insgesamt 16 % ab. Gleichzeitig stieg das Tes­tosteron im Blut der Patienten um 37 % an.(4) Dieser positive Einfluss auf die Testosteronkonzen­tration wurde in weiteren Studien bestätigt. In einer Arbeit von Tambi und Kollegen beispielsweise stieg der Testosteronwert mit täglich 200 mg Tongkat Ali-Extrakt von 5,66 ± 1,52 nmol/l auf 8,31 ± 2,47 nmol/l an.(5)

Wo setzt Eurycoma longifolia an?
Die genauen molekularen Zusammenhänge der testosteronsteigernden Wirkung von Tongkat Ali sind weitestgehend unbekannt. Sehr wahrschein­lich haben jedoch etwa 4,3 kDa große Moleküle aus dem wässrigen Extrakt einen Einfluss auf die Testosteronsynthese.(6) Diese sogenannten Eurypeptide greifen in die Steroidsynthese ein und führen zu einem Überschuss an DHEA, einer Vor­stufe des Testosterons. Ein zweiter wichtiger In­haltsstoff der Eurycoma-Wurzel ist das Eurycoma­non, welches im Tierversuch das testikuläre Testosteron erhöhte. Ausschlaggebend dafür scheinen Wirkungen auf die LH- und FSH-Aus­schüttung zu sein. Darüber hinaus blockiert Eury­comanon die Aromatase, ein Enzym, welches beim alternden Mann vornehmlich im abdomina­len Fett vorkommt und Testosteron in Östrogen umwandelt. Dies unterstützt zusätzlich einen sta­bileren Testosteronspiegel bei den betroffenen Männern.(7,8)

Tongkat Ali gegen Testosteronersatz: ein Punktsieg?
Da Eurycomanon und Eurypeptide keine Struktur­merkmale mit Testosteron teilen, wird der Feed­backmechanismus im Körper nicht beeinflusst. Anders bei der Testosteronsubstitution: Hier wird dem Körper von außen Testosteron zugeführt, was im Gehirn dazu führt, dass weniger LH und FSH ausgeschüttet werden. In der Folge bildet der Körper auch weniger eigenes Hormon. Tongkat Ali führt indes dazu, dass der Testosteronwert im Blut steigt und sich die Hor­monsynthese selbst über Feed­backmechanismen einregelt.

(Anm. d. Red.: Tongkat Ali ist in Deutschland derzeit noch nicht zu beziehen. Möglicherweise wird der Pflanzenextrakt aber ab 2016 auch hierzulande zur komplementärmedizinischen Versorgung bei mildem Testosteronmangel verfügbar sein.)

Quellen:

1 Hamzah S & Yusuf A., Br J Sports Med 2003; 37:465-466
2 George A et al., J Sports Med Doping Stud 2013; 3:127
3 Henkel R et al., Phytother Res 2014; 28:544-550
4 Talbot SM et al., J Int Soc Sports Nutr 2013; 10:28
5 Tambi MIBM et al., Andrologia 2012; 44:226-230
6 Sambandan TG et al., 2006; Patent no.: US 7,132,117 B2
7 Low BS et al., J Ethnopharmacol 2013; 149:201-207
8 Low BS et al., J Ethnopharmacol 2013; 145:706-714
9 Ismail SB et al., Evid Based Comple­ment Alternat Med 2012: 429268
 
(aus DER PRIVATARZT Urologie 3/2015)

Montag, 10. August 2015

Urologie kann mehr: Der Schlaf des Mannes

News: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau.

Testosteron folgt keinem so strengen Tagesrhythmus wie beispielsweise das Cortisol. Doch besonders nachts steigen die Testosteronwerte an, weshalb das Hormon zunehmend im engen Zusammenhang mit der Schlafdauer und Schlafqualität beim Mann betrachtet wird.

Je mehr Mann schläft, desto höher ist sein nächtlicher Testosteronwert. Selbstverständlich nimmt der Serumgehalt des Hormons altersbedingt allmählich ab, dennoch hat auch ein älterer Mann mit vermindertem Testosteronwert nachts seine Konzentrationsspitze. Diese Tages-Nacht-Rhythmik hängt sehr stark davon ab, ob der Mann mindestens 3 bis 4,5 Stunden ungestörten Schlafes bekommt. Dabei ist unwichtig, ob er am Tag oder ausschließlich in der Nacht schläft.

Schlaf ist testosteronabhängig

Die Beziehung zwischen Testosteron und Schlaf ist wechselseitig, d. h., ist zu wenig Hormon im Blut, schläft der Mann schlechter; ist der Schlaf hingegen durch Stress oder Lärm gestört, wird die Testosteronspitze nicht mehr erreicht. Dieser Mangel an Testosteron kann Müdigkeit, Unruhe, Unausgeglichenheit bis hin zu sexuellen Störungen verursachen. Unser Schlaf ist dank des künstlichen Lichts, der Digitalisierung und vor allem aufgrund des steigenden Stresspegels in der Arbeitswelt sehr vielen Störfaktoren unterworfen. In der Folge sinkt die durchschnittliche Schlafzeit immer weiter auf weniger als sieben Stunden durchgehenden Nachtschlafes. Da die Testosteronspitze in der Nacht von den ersten drei bis vier Stunden Schlaf abhängt, ist es augenscheinlich, dass Schlafstörungen und Schlafentzug zu niedrigen Testosteronwerten führen.

Schlafmangel als Auslöser für Testosteronmangel?
In Experimenten zeigten Forscher, dass Männer, die acht Nächte in Folge nur jeweils fünf Stunden Schlaf bekamen, zwischen 10 und 15 % weniger Testosteron hatten als Männer mit durchschnittlicher Schlafdauer.

Fettleibigkeit und Testosteronwerte
Ein weiterer Einflussfaktor auf die Schlafqualität und das Testosteron ist das Körpergewicht. So leiden adipöse Männer sehr viel häufiger unter Schlafapnoe und Hypogonadismus als Normalgewichtige. Könnte diesen Patienten dann eventuell eine Hormonsubstitution helfen? Eine Gewichtsreduktion lässt die Testosteronkonzentration im Blut ansteigen. Gleichzeitig verringert sich die Gefahr für die Schlafapnoe und andere Folgeerkrankungen der Fettleibigkeit. Doch wer nun, um besser schlafen zu können, Testosteron wild substituieren möchte, sei gewarnt: sowohl ein Zuviel als auch ein Zuwenig stören die Schlafqualität. Ein Testosteronmangel verringert die Schlafeffektivität und erhöht die Zahl der Wachphasen. Gleichermaßen verändert der Testosteronmißbrauch das Schlafbild: Die Schlafzeit nimmt ab, Schlaflosigkeit tritt ein und es kommt zu Ein- und Durchschlafstörungen.

Quelle:
Witter G. Asian J Androl 2014; 16:262-265
(aus DER PRIVATARZT Urologie 3/2015)
feedeater.de