Freitag, 27. November 2015

Das hilft wirklich gegen Haarausfall

News: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau.

Unser Kopfhaar ist Teil unserer Identität. Wird es dünner oder geht gänzlich aus, sind nicht selten psychische Probleme bis hin zur Depression die Folge. Das Geschlechtshormon Testosteron steuert die Entwicklung und Funktion des männlichen Körpers, ein Leben lang. Doch kann es auch eine Ursache für den frühzeitigen Haarverlust sein – die Geschichte(n) eines allgegenwärtigen Dramas.

Haare nehmen im Alltag des Menschen eine sehr bedeutende Stellung ein. Auf dem Kopf sind sie Grundlage unseres Selbstbildes, am Körper werden sie seit jeher aufs Schärfste mit Cremes, Lotionen sowie ganz martialisch mittels Klinge oder Laser bekämpft. Politiker und Medien verlieren sich in Haarspalterei um gefärbtes Kopfhaar und so mancher Frau wird nachgesagt, sie hätte Haare auf den Zähnen. Querulanten und Besserwisser finden hingegen noch das letzte Haar in der Suppe. Haare sind omnipräsent und der Verlust des Kopfhaars kann der Beginn einer echten Lebenskrise sein. Dabei gilt, je früher die Glatzenbildung einsetzt, desto schwerer trifft dies die Psyche und das Selbstwertgefühl der Betroffenen.

Testosteron bringt Kraft, aber eben nicht fürs Haar

Testosteron beginnt beim Jungen während der Pubertät damit, den kindlichen Körper durch den Aufbau männlicher Proportionen umzugestalten. Gleichzeitig wirkt es anregend auf die Körperbehaarung; Bartwuchs und gegebenenfalls Brusthaar bilden sich aus. Für das Kopfhaar indes ist dieser Umbruch oft der Beginn des schleichenden Untergangs. Schuld daran sind zum einen die Androgen-Rezeptoren in den Haarfollikeln, zum anderen die 5-alpha-Reduktase Typ II, ein Enzym, das bei vielen Männern vor allem im Bereich des Skalps gehäuft auftritt. Es wandelt Testosteron in das aktivere Dihydrotestosteron (DHT) um. Das DHT wirkt am Androgenrezeptor in den Haarfollikeln, beschleunigt den Haarzyklus und führt schließlich dazu, dass das Haupthaar ausdünnt und gänzlich ausfällt. Doch was viele Männer noch immer nicht wissen: Es gibt tatsächlich Mittel, um den Haarausfall zumindest bei einigen von ihnen zu verringern.

Behandlungsoptionen bei Haarausfall

Obwohl einmal verlorengegangenes Haar nicht wieder vollständig ersetzt werden kann, bieten verschiedene medizinische Mittel und Operationen dennoch eine gute Chance, die Glatzenbildung aufzuhalten oder die Haardichte zumindest wieder etwas zu verbessern. Finasterid und Minoxidil sind zwei verfügbare medizinische Lösungen, deren Wirksamkeit in Studien belegt wurde. Finasterid hemmt die 5-alpha-Reduktase Typ II in den Haarfollikeln und damit die Umwandlung von Testosteron in DHT. Die Langzeiteinnahme von 1 mg Finasterid pro Tag stoppt den Haarverlust und führt zu einem begrenzten Zuwachs an aktiven Haarfollikeln. Die Nebenwirkungen, wie beispielsweise Libidoverlust und erektile Dysfunktion, treten nur in seltenen Fällen auf.

Minoxidil hingegen ist ursprünglich ein oraler Blutdrucksenker, der als Nebeneffekt das Haarwachstum anregen kann. Als 2–5 %-ige Lösung auf die Kopfhaut aufgetragen, zeigte sich bei etwa jedem dritten Mann ein verbessertes Haarwachstum. Nebenwirkungen, wie z. B. Hautrötungen und eine sehr starke Körperbehaarung, treten nur in 5–6 % der Fälle auf. Männer mit Herzkrankheiten inklusive eines zu niedrigen Blutdruckes sollten jedoch vor der Behandlung mit ihrem Kardiologen sprechen.


Neben diesen medikamentösen Therapieformen gibt es noch die operative Haarrestauration. Hierbei werden Haarfollikel vom Hinterkopf des Mannes entnommen und in die obere Kopfhaut eingepflanzt. Da die Haarfollikel am Hinterkopf sehr viel weniger Androgen-sensitiv sind, bleiben sie dauerhaft erhalten. Diese Behandlung ist jedoch sehr aufwändig und teuer im Vergleich zu Finasterid und Minoxidil. Allerdings ist sie langfristig erfolgreicher. Denn die rein medikamentöse „Haartherapie" verliert ihre Wirkung nach Absetzen des Medikaments.



Quellen:
Arias-Santiago S et al., J Am Dermatol 2010;63:420-429
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Hawk E et al., Cancer Epidemiol Biom 2000;9:523-527 McElwee KJ et al., Skin Therapy Lett 2012;17:1-4
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