Donnerstag, 28. Januar 2016

Kinderlosigkeit verringert Risiko für Prostatakrebs

News: Medizin


Ein Kommentar von Dr. Marcus Mau.

Kinderlose Männer haben ein geringeres Risiko, am Prostatakarzinom zu erkranken, so das Ergebnis einer aktuellen Studie im Wissenschaftsmagazin Nature. Zum Glück wusste das in der Steinzeit noch niemand. Wer weiß, ob es die Menschheit bis hierher geschafft hätte?

Sterben wir nun aus, weil kein Mann mehr Kinder haben möchte? Wohl kaum und auch, wenn die vorliegende Studie sicher sehr interessant ist, so bleiben noch eine Menge Fragen unbeantwortet. Ich muss schon zugeben, als ich vor Kurzem morgens im Newsletter diese Schlagzeile fand, fühlte ich mich doch gleich wieder in den Statistikkurs aus meiner Studentenzeit zurückversetzt. Dort wiesen wir gemeinsam mit den Dozenten mit von Stolz geschwellter Brust einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Störche und der Geburtenzahl in einer deutschen Stadt X nach.
Selbst wenn es einen Zusammenhang zwischen Kinderlosigkeit und Prostatakarzinom gibt, so sind es doch vielmehr Alter, ethnische Zugehörigkeit sowie die liebe alte Genetik, die noch immer als Hauptursachen für die bis zu 1,2 Millionen weltweit jährlich auftretenden Neuerkrankungsfälle verantwortlich sind. Auch Lebensstil und Umwelfaktoren (wie z. B. Gonokokken-Infektionen) fordern dabei ihren Tribut.

Die Fakten aus der erwähnten Studie von Mao und Kollegen
Die Forscher analysierten in ihrer Metastudie 11 Arbeiten mit insgesamt 182.012 Prostatakarzinom-Fällen. Dabei stellten sie fest, dass kinderlose Männer ein um circa 9 % geringeres Risiko hatten, an einem Prostatakarzinom zu erkranken, als Väter. Bei unfruchtbaren Männern sorgt sehr wahrscheinlich der Testosteronmangel dafür, dass sie weniger oft an Prostatakrebs erkranken. Dennoch vermag dieser Risikovorteil gegenüber den Vätern nicht recht dazu zu verleiten, unfruchtbar und kinderlos leben zu wollen. Denn Hypogonadismus (eine der Hauptursachen für Unfruchtbarkeit) steigert unbehandelt das Risiko für das metabolische Syndrom, psychische Veränderungen sowie Osteoporose beim Mann. Darauf jedoch gehen Mao und Kollegen nicht weiter ein. Und obgleich Kinder und Familie einen Stressfaktor darstellen, der das Herzinfarktrisiko ansteigen lässt, wie Studien belegen, bietet einem die gleiche Familie sehr viel Rückhalt und Freude, was lebensverlängernd wirkt, wie wieder andere Studien zeigten.

Fazit
Der Untergang der Menschheit infolge Kindermangels ist wohl vorerst abgesagt. Doch eine echte Lösung, wie man dem Prostatakarzinom als häufigste Todesursache des Mannes vorbeugen kann, bietet die Studie ebensowenig an.

Quelle:
Mao et al., Nature 2016; 6:19210 
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