Dienstag, 26. April 2016

Was tun, wenn es nicht mehr von alleine läuft?

Hintergrund: Medizin

Für Sie entdeckt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau.

Kennen Sie auch das Gefühl, wenn die Blase randvoll ist und richtig drückt? Kein Problem werden die meisten sagen, die nächste Toilette ist ja nicht weit, notfalls tut’s auch mal ein Busch. Anders ist es aber für Menschen mit Harnverhalt. Diese können selbstständig kein Wasser mehr lassen und müssen sich dafür Hilfsmittel zunutze machen, wie beispielsweise Katheter zur Harnableitung.

Peter Kortjan (Name geändert) ist 65 Jahre alt und seit Langem schon Diabetiker. Neulich hatte er einen Termin bei seinem Urologen, der mittels Ultraschall-Untersuchung feststellte, dass Kortjan einen Harnverhalt hat. Für Diabetiker besteht nämlich immer die Gefahr, dass aufgrund der hohen Blutzuckerlast Nerven im Körper geschädigt werden. Der Arzt spricht in solchen Fällen von Polyneuropathie. Fallen die Nerven der Blase aus, kann sie anfangs nur noch unzureichend und später überhaupt nicht mehr entleert werden. Es kommt zum Rückstau des Urins bis in die Nieren, die dadurch sogar schwer geschädigt werden könnten. Diesen Rückstau nennt man auch Harnverhalt und genau das hatte Peter Kortjan.

Herr Kortjan entscheidet sich nach einem längeren Gespräch mit seinem Arzt für die Selbstkatheterisierung als einfach in seinen Alltag einzubauende Hilfe. Zugleich wird er zukünftig eine Diabetes-Schulung besuchen, um sich besser auf seine Grunderkrankung einzustellen. Nur so wird er weitere Folgeschäden durch den hohen Blutzuckerspiegel vermeiden können, berät ihn der Arzt.

Nach kurzer Zeit bereits gehen Peter Kortjan die Griffe zum Einbringen des Katheters wie selbst von der Hand:

Ø  Steril und einzeln verpackte Einmalkatheter führt er in seinem Rucksack mit, wenn er abschätzen kann, dass er länger als vier Stunden nicht zuhause sein wird.

Ø  Herr Kortjan desinfiziert den Harnröhreneingang mit einem speziellen Schleimhautdesinfektionsmittel und seine Hände mit einem Händedesinfektionsmittel.

Ø  Etwas knifflig ist der Moment, wenn der Einmalkatheter ohne den Penis außen zu berühren, direkt eingeführt werden muss. Herr Kortjan braucht dafür immer einen ruhigen Ort. Nach etwas Übung dauert es aber nicht einmal mehr eine Minute bei der Blasenentleerung. In der Selbsthilfegruppe hat er zudem gehört, dass es Kathetersysteme gibt, die eine spezielle Schutzfolie haben, an der man sie ganz sicher beim Einführen greifen kann. Außerdem tragen diese Katheter eine Schutzkappe, die das Eindringen von Bakterien verhindern soll.

Ø  Doch egal, welchen Katheter er anwendet, Herr Kortjan verpackt ihn am Ende im Hygienebeutel und entsorgt ihn im Müll. Nach dem gründlichen Händewaschen verlässt er ganz ruhig, aber zufrieden, die Toilette.
Peter Kortjahn hat sich mit seinem Schicksal angefreundet und achtet jetzt sehr viel mehr auf seinen Körper und ganz besonders auch auf seinen Blutzuckerspiegel. „Wenn ich das so vergleiche, bin ich auf Toilette sogar schneller als viele meiner vermeintlich gesunden Alterskollegen“, sagt er zum Abschluss mit einem Augenzwinkern und geht.

Quellen:
das-kontinenzzentrum.de/isk_richtig_katheterisieren.html
internisten-im-netz.de
pflegewiki.de/wiki/Harnverhalt
thieme.de
urologielehrbuch.de
feedeater.de