Freitag, 31. März 2017

Dumm, Dümmer, Junkfood


News: Ernährung

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. rer. nat. Marcus Mau.

Essen Jugendliche zu viel fettreiches Junkfood/Fastfood, so schränkt dies möglicherweise ihr geistiges Potenzial im Erwachsenenalter ein. Schuld daran ist einer aktuellen Studie an Mäusen zufolge das Überangebot an Fett aus den Burgern.

Forscher untersuchten unlängst die Auswirkungen von fettreichem Essen auf die Gehirnentwicklung bei Mäusen – mit weitreichenden und beunruhigenden Erkenntnissen für die heranwachsenden Tiere: So kam es zu messbaren Veränderungen und Defiziten bei Lernprozessen, der „Persönlichkeit“ sowie der Impulskontrolle.

Fett macht kindliche Gehirne träge

Bereits vier Wochen nach dem Start der Versuchsreihe zeigten die Mäuse, welche fettreich ernährt wurden, Defizite im Vergleich mit den ausgewogen ernährten, gleichaltrigen Kontrolltieren. Noch bevor die heranwachsenden Tiere an Gewicht zulegten, „vergaßen“ sie den zuvor bekannten Weg durch ein Labyrinth und hatten Schwierigkeiten, diesen wieder neu zu erlernen.

Interessant war auch, dass jene Tiere, welche als Erwachsene fettreich ernährt wurden, lediglich verfetteten, jedoch keinerlei geistige Einschränkungen zeigten. Der Mechanismus dahinter ist noch völlig unbekannt. Es könnte aber durchaus sein, dass Prozesse bei der Hirnreifung durch Nahrungsfette gestört werden.

Änderungen in Persönlichkeit, Impulskontrolle und Planung

Der präfrontale Cortex ist der Sitz unserer Persönlichkeit, der Planung, der Impulskontrolle und unseres Sozialverhaltens. Gerade heranreifende Hirnzellen sind aber noch sehr anfällig für Stressoren, wie z. B. Infektionen oder eine einseitige Ernährung. Das ist bei Mensch und Maus in gewisser Weise vergleichbar.

In den Mäusehirnen sahen die Forscher nun, dass ein hoher Fettkonsum in der "Jugend" zu einer Abnahme des Zellproteins Reelin führte. Dieses Eiweiß ist jedoch wichtig, damit sich synaptische Querverbindungen im Gehirn ausbilden können. Diese sind eine entscheidende Grundlage für die zunehmende Vernetzung des Gehirns und das spätere Lernverhalten.

Obgleich sie sicher aufrütteln, ganz so einfach lassen sich die Ergebnisse aus dem Mäuseversuch aber nicht auf den Menschen übertragen. So erhielten die Mäuse im Versuch nämlich Fettmengen, die ein Mensch nicht allein über Pizza und Hamburger erreichen kann. Dennoch zeigen derartige Untersuchungen, dass die Ernährung im Jugendalter auch das Gehirn und seine Funktionen im späteren Leben beeinflussen kann.

Fazit

Kleine Esssünden verzeiht der sich entwickelnde Körper noch sehr gut. Aber eine dauerhaft schlechte Ernährungsweise führt sehr wahrscheinlich auch zu längerfristigen Einschränkungen und sollte schon deshalb vermieden werden.

Quelle:
Molecular Psychiatry, 2016; doi: 10.1038/mp.2016.193

Dienstag, 28. März 2017

Nierenzellen aus der Retorte

News: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. rer. nat. Marcus Mau.

Forschern der Universität Freiburg ist es erstmals gelungen, Nierenzellen aus Hautzellen zu generieren. Dabei gleichen die umprogrammierten Hautzellen nicht nur rein äußerlich den Nierentubuli, sondern funktionieren auch vergleichbar dem Original. Dieser Erfolg könnte ein erster wichtiger Schritt sein, um zukünftig degenerative Nierenerkrankungen besser erforschen und behandeln zu können.

Die Freiburger Mediziner nutzten für ihre Arbeiten speziell generierte Trägerviren, um vier verschiedene Gene in vorbereitete Fibroblasten einzuschleusen. Diese Steuerungsgene programmierten anschließend die Zellen um, sodass sie sich in nierenähnliche Zellen umwandelten.

„Ganz identisch mit dem natürlichen Vorbild sind die auf diese Weise erzeugten Nierentubuli noch nicht. Dennoch teilen sie erstaunlich viele Charakteristika mit echten Nierenzellen“, so die Forscher. Besonders interessant dabei ist, dass die künstlich erzeugten Nierentubuli eine Vielzahl an Genen aktivieren, welche auch in der Niere aktiv sind. Zudem reagierten die umprogrammierten Hautzellen sehr empfindlich auf nierenschädigende Substanzen.
Die Wissenschaftler haben sich ihr Verfahren mittlerweile patentieren lassen und wollen es gern weiterentwickeln, um zukünftig vielleicht ganz auf Tierversuche verzichten zu können, wenn es um den Test neuer Medikamente und um deren Nierenverträglichkeit geht. Darüber hinaus sind Anwendungen denkbar, um Nierenkranken aus eigenen Hautzellen neue Nierenzellen wachsen zu lassen. Dies würde die Abstoßungsreaktionen, wie sie bei Organspenden auftreten, vermeiden helfen.

Doch bis dahin ist es noch ein sehr weiter Weg. Denn das Einschleusen von Genen mittels Viren ist nicht ohne Risiken und auch die Niere muss erst einmal im Körper sicher und in ausreichender Menge mit dem Virusmaterial erreicht werden.
Alternativ zu diesem hier vorgestellten neuen Ansatz gab es bereits zuvor andere Versuche, um Nierengewebe von außen zu reparieren. Einigen Forscherteams gelang es so z. B. vor wenigen Jahren bereits, eine Art Vorniere aus embryonalen Nierenzellen zu züchten. Diese „künstlich geschaffene Niere“ enthielt tatsächlich zwei der wichtigsten Nierenzelltypen.

Vor zwei Jahren brachte ein anderes Team unter Zuhilfenahme eines Wachstumsfaktors sogenannte Stammzellen dazu, sich in nierenähnliche Zellen zu differenzieren. Doch die meisten Methoden zur Schaffung von Nierengewebe sind sehr zeitaufwendig und auch kostenintensiv. Bei der Verwendung embryonaler Zellen und Stammzellen stellen sich zudem in Deutschland viele ethische Fragen.
Quelle:
Nature Cell Biology, 2016; doi: 10.1038/ncb3437
feedeater.de