Donnerstag, 31. August 2017

Methadon, das innovative Krebsmedikament?

News: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. rer. nat. Marcus Mau.

Vor einigen Wochen ging eine Sensationsmeldung durch die deutsche Tagespresse: Methadon heilt Krebs! Viele Betroffene schöpften daraufhin neue Hoffnung. Trotz aller Euphorie, Methadon ist und bleibt vorerst leider nur ein Schmerzmittel, welches neben der Drogentherapie auch im Palliativbereich Verwendung findet.

Methadon ist ein seit 80 Jahren bekanntes Schmerzmedikament und wird überwiegend beim Drogenentzug angewendet. Darüber hinaus gibt es Erfahrungen zum Einsatz bei Tumorpatienten im Zuge der Schmerzbehandlung in der Palliativmedizin. Dort zeigte sich Methadon in Einzelfällen als gut verträgliche Option, z. B. für Patienten mit Nieren - und Leberinsuffizienz.

Methadon reduziert Schmerzen sehr effektiv und scheint dadurch z. B. auch die Verträglichkeit von Strahlen- und Chemotherapien zu verbessern. Doch ist es aufgrund dieser Wirkungen gerechtfertigt, beim Methadon von einem Krebsmedikament zu sprechen?


Klinische Studien fehlen

Alles begann im Jahr 2007, als Ulmer Forscher um Frau Dr. rer. nat. Dipl.-Chem. Claudia Friesen, eigentlich mehr durch Zufall, eine besondere Eigenschaft des Methadons entdeckten. D,L-Methadon - und nur diese Form - löste in Tumorzellen im Labor den programmierten Zelltod aus.

Die Entdeckung verbreitete sich sehr schnell, lag doch der Gedanke nahe, dass mit dem D,L-Methadon ein neues Krebsmedikament gefunden wurde. Wissenschaftliche Preise und Ehrungen folgten und dennoch: Methadon ist kein Krebsallheilmittel!

Trotz aller Euphorie gibt es bisher noch keine klinischen Studien am Menschen, die bestätigen würden, was sich so eindrucksvoll im Labor-Experiment abgezeichnet hatte. Der dort beobachtete, Tumorzellen-zerstörende Effekt ist es allerdings ganz sicher wert, weiter untersucht zu werden.

Fazit

Methadon ist und bleibt, was es seit 80 Jahren Medizingeschichte ist, nämlich ein Schmerz- und kein neues Krebsmedikament. In der Palliativmedizin wird es durchaus zur Schmerzlinderung bei Tumorpatienten eingesetzt. Der Palliativarzt Dr. med. Hans-Jörg Hilscher hat hierzu aus seiner jahrelangen Erfahrung mit Tumorpatienten sogar ein eigenes Dosierungsschema für das Methadon entwickelt.

Quellen:
Pressemitteilung der Deutsche Schmerzgesellschaft vom 17.07.2017: Methadon ist kein Krebsheilmittel – keine falschen Hoffnungen wecken; https://idw-online.de/de/news678388
7. IQUO-Kongress 2017, Berlin

Sonntag, 20. August 2017

Im Notfall richtig Druck machen

News: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. rer. nat. Marcus Mau.

Der plötzliche Herztod kommt gar nicht so selten vor, wie allgemein geglaubt. Jedoch werden noch immer zwei Drittel der Fälle nicht sofort reanimiert. Bis der Notarzt eintrifft, vergehen wertvolle Minuten, welche in dieser Notlage über Leben und Tod entscheiden. Dabei ist die Laienreanimation eigentlich kinderleicht zu erlernen und umzusetzen.


Rechtzeitige Herz-Lungen-Wiederbelebung kann Leben retten!
(Quelle: fotoART by Thommy Weiss  / pixelio.de)


Die aktuellen Statistiken zeigen es deutlich: In Deutschland bekommen nur circa 31 % der von einem Herzstillstand betroffenen Menschen bis zum Eintreffen der Rettungskräfte eine sogenannte Laienreanimation. Diese kann jedoch das Leben retten, ist einfach zu lernen und kann sogar von Kindern erfolgreich angewendet werden.

Ein Familienangehöriger oder jemand vor Ihnen in der Warteschlange an der Supermarktkasse bricht unerwartet zusammen. Puls und Atmung setzen aus. Ein solches Szenario kann jedem von uns zu jeder Zeit passieren. Die Profis, wie z. B. Ärzte und andere Mitarbeiter des Gesundheits- sowie des Rettungswesens, wissen in einer solchen Situation schnell zu reagieren. Doch wie gut kennen sich medizinische Laien mit lebensrettenden Sofortmaßnahmen aus?

Oft scheuen die Menschen sich aus den verschiedensten Gründen, als Lebensretter tätig zu werden. In der Folge setzt die Herz-Lungen-Wiederbelebung häufig viel zu spät ein, und der betroffene Mensch verstirbt. Bereits fünf Minuten nach einem Herzstillstand wird das menschliche Gehirn irreversibel geschädigt. Schuld daran ist der Sauerstoffmangel infolge der fehlenden Blutzirkulation.

Wir alle müssen uns zudem von dem weit verbreiteten Irrglauben freimachen, dass die Rettungskräfte innerhalb von fünf Minuten nach dem Absetzen eines Notrufes an Ort und Stelle sein werden. Dies ist ein Trugschluss, der am Ende ein Menschenleben kosten kann.

Richtig Druck machen

Aktuelle Studien zeigen eindrucksvoll, was eine umgehend eingeleitete Laienreanimation im Ernstfall bewirkt: Zwei- bis dreimal mehr Betroffene überleben so ihren Herzinfarkt! Häufig haben wir Angst, dass wir etwas falsch machen könnten und so wird die Reanimation zu zaghaft oder überhaupt gar nicht durchgeführt. Doch der einzige Fehler ist wirklich, nichts zu tun. Vereinfacht gesprochen gilt: Jeder Druck aufs Herz kann in dieser Situation Leben retten!

In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies zum Beispiel, dass bei 8 mm bis 30 mm Drucktiefe die Chance des Patienten, lebend ein Krankenhaus zu erreichen, auf etwa 10 % steigt. Bei einer Kompressionstiefe von 51 mm bis 60 mm steigt diese Chance sogar auf 50 %. Daher gilt unter Fachleuten, in der Hauptsache kräftig drücken!

Prüfen, Notruf, Drücken - einfacher geht es nicht

Kindern fällt es besonders leicht, Neues zu lernen. Daher gab es in Deutschland seit 2006 in jährlicher Folge zahlreiche Programme und Reanimationstrainings an Schulen. In Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen gehört die Laienreanimation bereits fest zum Lehrplan.

Eigentlich sollte das deutschlandweit gelten, wie vor einigen Jahren schon von der Kultusministerkonferenz der Länder beschlossen wurde. Jedoch ist das Programm noch immer nicht flächendeckend umgesetzt. Eine aktuelle Studie zeigte aber kürzlich, dass jedes Schuljahr nur zwei Stunden Auffrischung genügen, damit Kinder ab 12 Jahren erst zu kleinen und später dann hoffentlich zu großen Lebensrettern werden.

Der Ablauf der lebensrettenden Laienreanimation ist im Übrigen tatsächlich kinderleicht:
  1. Prüfen (d. h. Ansprechbarkeit, Atmung und Herzschlag kontrollieren),
  2. Notruf unter 112,
  3. Reanimation nach dem 30:2-Schema (30 Herzdruckmassagen : 2 Beatmungen).

Quelle:
Sitzung des Tagungspräsidenten „Epidemiologie – plötzlicher Herztod“, 83. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie 2017 in Mannheim

feedeater.de