Samstag, 30. September 2017

Achtung: Gürtelrose geht auf's Herz

NEWS:MEDIZIN

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. rer. nat. Marcus Mau.

Während der Lippenherpes meist harmlos verläuft, kann der Herpes Zoster ("Gürtelrose") sehr schwere Erkrankungen auslösen: So kommt es dabei wohl nicht nur zu neuralgischen Schmerzen, sondern auch zu Herzinfarkten und Schlaganfällen.

Fast 90 % aller Menschen in Deutschland sind von Herpesviren befallen. Die Gruppe der Herpesviren umfasst viele verschiedene Viren. Allen gemeinsam ist, dass sie mehr oder minder stark abgewandelte rote Hautbereiche mit charakteristischen und schmerzhaften Bläschen bilden. Besonders häufig sind Herpes simplex Typ I (Lippenherpes), Herpes simplex Typ II (Genitalherpes) und das Varizella-Zoster-Virus (Herpes Zoster, „Gürtelrose“), die alle drei nach durchgemachter Erkrankung in Spinalganglien des Körpers persistieren und von dort aus immer wieder neu hervorbrechen können.

Unter den Herpesviren sind die Varizella-Zoster-Viren etwas besonderes, denn anders als der Lippen- und Genitalherpes führt der Herpes Zoster zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Nach dem Durchleben dieser als Windpocken meist im Kindesalter auftretenden Krankheitsphase, verbleibt das Varizella-Zoster-Virus dauerhaft im Körper. Eine Impfung gegen das Varizella-Zoster-Virus wird von der STIKO für Kleinkinder empfohlen und schützt zuverlässig vor einer Infektion, doch leider wird diese Impfmöglichkeit noch immer nicht flächendeckend angenommen.

Bei ungeimpften und im Kindesalter an Windpocken erkrankten Menschen kann das Virus im Alter durch eine Immunschwäche oder auch durch andauernden Stress aus den Spinalganglien heraus erneut aktiviert werden. Das Virus wandert dann entlang der Nervenbahnen bis in die innervierten Hautareale ein. Dort kommt es zu einer flächigen Rötung mit unzähligen Bläschen, dem sogenannten Zoster bzw. der Gürtelrose. Neben diesen Hautreaktionen treten häufig ebenfalls Schmerzen, Kribbeln, Taubheitsgefühle, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie leichtes Fieber auf.

Ein Zoster mit Folgen

Die akute Zostererkrankung heilt nach wenigen Wochen ab. Doch sehr viel schwerer wiegen die Monate bis Jahre nach dem durchlebten Zoster. Die sogenannte Post-Zoster-Neuralgie verursacht selbst lange Zeit nach Ausheilung der Gürtelrose noch schlimmste Schmerzen im betroffenen Dermatom, worunter die Lebensqualität der Betroffenen sehr stark leidet.

Eine aktuelle Studie aus Südkorea zeigte zudem, dass über die Neuralgie hinaus ebenso lebensbedrohliche Folgen auf die Gürtelrose zurückgehen könnten. So stieg das gemeinsame Risiko für einen Herzinfarkt und einen Schlaganfall nach einem erstmals erlebten Zoster um etwa 41 %, das Risiko für einen Schaganfall allein um 35 %. Das Risiko, einen Herzinfarkt zu bekommen, war um circa 59 % erhöht.

Interessant ist darüber hinaus, dass das Risiko für einen Herzinfarkt im ersten Jahr nach einem Zoster deutlich erhöht war und in der Folge mit der Zeit kleiner wurde. Das höhere Risiko für einen Schlaganfall betraf überwiegend die Generation < 40 Jahre, welche ja gemeinhin noch wenig unter Arteriosklerose, einem altersbedingten Risikofaktor für einen Schlaganfall, leidet.

Ärzte sollen Patienten aufklären

Obgleich Herpesinfektionen im Allgemeinen eher als harmlos oder lästig gelten, können daraus schwere Folgeerkrankungen resultieren. Insbesondere Infektionen mit dem Varizella-Zoster-Virus sind nicht zuletzt aufgrund ihrer Rezidivneigung in Gestalt einer Gürtelrose und den damit verbundenen neuralgischen Schmerzen problematisch.

Es gibt Hinweise dafür, dass ein Zoster das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht, auch bei jüngeren Patienten. Betroffene sollen daher seitens des behandelnden Arztes auf das Risiko hingewiesen und daraufhin untersucht werden.

Wie bei allen Herpesvirusinfektionen nistet sich das Virus nach einmal durchlebter Erkrankung zeitlebens in Nervenzellen des Körpers ein. Antivirale Medikamente können im Falle der Herpesviren lediglich Ausbrüche und Rezidive kontrollieren, die Infektion jedoch nicht dauerhaft entfernen. Aus diesem Grund sei an dieser Stelle auch nochmals auf die Möglichkeit der von der STIKO empfohlenen Impfung gegen das Varizella-Zoster-Virus bereits im Kleinkindalter hingewiesen.

Quelle:
Herpes Zoster Increases the Risk of Stroke and Myocardial Infarction.
Min-Chul Kim et al.; Journal of the American College of Cardiology, doi: 10.1016/j.jacc.2017.05.015; 2017

Montag, 4. September 2017

Erektionsstörungen können Folge eines Diabetes mellitus sein

NEWS: TAG DER SEXUELLEN GESUNDHEIT

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. rer. nat. Marcus Mau.


Am heutigen Tag der sexuellen Gesundheit sollte neben den vielen Geschlechtskrankheiten, die wieder auf dem Vormarsch sind, nicht vergessen werden, dass sexuelle Gesundheit weit mehr umfasst als die Summe der übertragbaren Infektionen. So leidet aktuell beispielsweise jeder zweite Mann mit Diabetes unter Erektionsstörungen.

Diabetes ist längst auf den vorderen Rängen der führenden Zivilisationskrankheiten angekommen. Unerkannt oder nur unzureichend behandelt führt der hohe Blutzuckerspiegel auf Dauer zu Folgeerkrankungen, wie z. B. einem diabetischen Fuß oder Sehstörungen bis hin zur Erblindung. „Bei Männern – und dies wird leider noch immer unterschätzt – äußert sich der Diabetes sehr oft in Form von Erektionsstörungen“, so PD Dr. med. Tobias Jäger, Urologe aus Essen und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit e. V.

Jeder zweite Diabetiker mit Erektionsstörungen?

Forscher aus Großbritannien haben sich kürzlich diesen Zusammenhang zwischen einem Diabetes und Erektionsstörungen bei 88.577 Männern (Altersdurchschnitt: 55,8 Jahre) einmal etwas genauer angesehen. Das Ergebnis war eindeutig: 52,5 % der untersuchten Diabetiker litten unter Erektionsstörungen – also jeder zweite Zuckerkranke! Männer, die an Diabetes mellitus Typ 2 erkrankten, waren dabei sogar noch stärker von der erektilen Dysfunktion betroffen als Typ-1-Diabetiker.

Die Häufigkeit von Erektionsstörungen steigt mit zunehmendem Lebensalter natürlicherseits immer weiter an. Doch auffällig ist, dass diabetische Männer in der Regel circa 10-15 Jahre früher über Einschränkungen beim Liebesspiel klagen als ihre gesunden Altersgenossen, so auch in der aktuellen britischen Studie.

Manneskraft und Herzgesundheit

„Erektionsstörungen können darüber hinaus ein Hinweis auf einen drohenden Herzinfarkt oder einen Schlaganfall sein. Männer sollten daher die Möglichkeiten zur Prävention frühzeitig ergreifen“, rät Prof. Dr. med. Frank Sommer, Deutschlands einziger Universitätsprofessor für Männergesundheit und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit e. V. (DGMG). Für Patienten und Ärzte heißt das gleichermaßen, dass Diabetiker routinemäßig auf Erektionsstörungen angesprochen werden sollten.

„Andererseits kann aber auch der Mann, der über mangelndes Stehvermögen oder verringerte Ausdauer berichtet, ein noch unerkannter Diabetiker sein“, ergänzt PD Dr. med. Magnus Baumhäkel, Kardiologe und ebenfalls Vorstandsmitglied der DGMG.

Fazit

Die sexuelle Aktivität und Gesundheit des Mannes hängt sowohl von psychischen als auch von körperlichen Faktoren ab. Ein bekannter Diabetes sollte daher stets besondere Aufmerksamkeit erfahren, vor allem auch seitens der betroffenen Männer. Denn frühzeitig erkannt, lässt sich die erektile Dysfunktion durchaus vermeiden und gleichzeitig der Diabetes kontrollieren, bevor dieser schwere gesundheitliche Folgen nach sich zieht.

Quellen
Kouidrat Y et al., High prevalence of erectile dysfunction in diabetes: a systematic review and metaanalysis of 145 studies. Diabet Med 2017; DOI: 10.1111/dme.13403
Presseinformation der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit e. V. vom 04.09.2017

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