Dienstag, 24. Oktober 2017

Testosteronmangel macht Männer krank

News: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. rer. nat. Marcus Mau.

Eine fünfjährige deutsche Querschnittstudie findet den lange vermuteten Zusammenhang zwischen einem Testosteronmangel und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Insgesamt ließen mehr als 20.000 Männer im Alter zwischen 18 und 100 Jahren aus mehr als 150 Städten und Großbetrieben in Deutschland ihren jeweiligen Testosteronwert im Blut bestimmen. Damit ist die „20.000er-Testosteronstudie der DGMG“ sogar eine der weltweit größten Studien auf diesem Gebiet!

Im Ergebnis der Untersuchungen litt fast jeder zwölfte Mann (= 8 % der Probanden) unter einem erheblichen Testosteronmangel (< 2,5 ng/ml Testosteron). Betrachtete man zusätzlich den sogenannten „Graubereich“ der Testosteronkonzentration zwischen 3,5 ng/ml und 2,5 ng/ml, bei dem es bereits zu ersten unspezifischen Symptomen eines Mangels kommen kann, so war beinahe bei jedem vierten Mann (23 % der Probanden) ein mehr oder minder schwerer Testosteronmangel nachweisbar.

Ein solches Hormondefizit hatte zudem messbare gesundheitliche Folgen. Zum Beispiel litten diese Männer sehr viel häufiger unter Bluthochdruck (+ 41 %) und/oder an einem Diabetes mellitus (+ 68 %; siehe Infografik). Darüber hinaus zeigten sich bei Männern mit niedrigen Testosteronkonzentrationen im Vergleich zu Männern mit normalem Hormonwert ein höherer Body Mass Index (29,5 kg/m2 versus 26,7 kg /m2) sowie ein größerer Bauchumfang (109,1 cm versus 100,5 cm).

Infografik "Testosteronmangel" (© DGMG; 2017)

Testosteronmangel beeinflusst Organ- und Stoffwechselparameter

Zusammenfassend wies die „20.000er-Testosteronstudie“ einen erheblichen Einfluss eines Hormonmangels auf verschiedene Organ- und Stoffwechselparameter bei Männern nach. Die Bestimmung des Testosteronwertes sollte folglich bei entsprechender Symptomlage oder bei Beschwerden zu einer vernünftigen Diagnostik dazugehören.

Gerade im Zusammenhang mit dem Diabetes mellitus stellte das begleitende Hormondefizit einen erheblichen Risikofaktor dar. Darüber hinaus könnte ein Testosteronmangel in allen Altersklassen Ursache für Erkrankungen sein, welche oft unter dem Oberbegriff des metabolischen Syndroms zusammengefasst, aber meist nur symptomatisch behandelt werden. Eine mögliche auslösende Ursache war dabei in der Regel der Fälle bisher unbekannt.

Hintergrund: Hypogonadismus

Testosteron ist längst nicht nur das wichtigste Sexualhormon des Mannes. Es greift auch in andere Körperfunktionen ein, wie z. B. den Muskel-, Fett-, Knochen- sowie den Zuckerstoffwechsel. Ist der Testosteronhaushalt gestört, können daraus weitreichende Folgen für den betroffenen Mann entstehen.

Der Mangel an Testosteron wird Hypogonadismus genannt und tritt natürlicherseits vor allem bei Männern jenseits des 40. Lebensjahres auf. Doch auch jüngere Männer kann es bereits treffen. Die Symptome für einen solchen Hypogonadismus sind meist vollkommen unspezifisch und unterscheiden sich von Mann zu Mann oft erheblich. Die Diagnose des Testosteronmangels wird dadurch meist erst sehr spät gestellt. Mögliche ernsthafte Folgen, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder ein höheres Risiko für Übergewicht und Diabetes werden dadurch entsprechend verzögert behandelt.

Quelle:
"20.000er Testosteron-Studie" der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit e. V. (DGMG)
feedeater.de