Montag, 16. September 2013

Ein Schalter gegen Depressionen?

News: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau.

Chinesische Wissenschaftler beschreiben ein Schlüsselprotein im Gehirn, welches für die Ausbildung von Depressionen zuständig sein könnte. Erste Versuche, das Eiweiß in Ratten an- und auszuschalten, lassen auf neue Therapieansätze hoffen. Die Ergebnisse wurden bereits im August-Heft des Science-Magazins veröffentlicht.

Seit längerem war bereits bekannt, dass bestimmte Gehirnregionen bei depressiven Menschen ungewöhnlich aktiv sind. Jedoch war der Auslöser dafür bisher völlig unbekannt. Eine Störung des Serotoninhaushaltes kam dafür nicht allein in Frage. Die Entdeckung der Forscher bringt nun erstmals Licht in das Dunkel.

Ein Eiweiß als Schalter für den Gemütszustand
Der Weg führte über das Tierexperiment an Ratten. Dabei fanden die Wissenschaftler ein Eiweiß, welches in den depressiven Tieren doppelt so häufig war wie in der Kontrollgruppe. Wie erwartet führte der Einsatz von Antidepressiva in den Tieren zu einer Besserung der Symptome. Interessant daran war jedoch, dass auch gleichzeitig das zuvor entdeckte Protein, CaM, zurückging.
Um herausfinden zu können, ab welcher Menge das Eiweiß Depressionen hervorruft, spritzten die Forscher gesunden Tieren das CaM-Protein. Mithilfe von Virusmaterial erhielten die Tiere das Eiweiß in unterschiedlichen Mengen. Anschließend mussten sich die Ratten einem Depressionstest unterziehen.

Können Ratten wirklich depressiv sein?
Depressive Ratten; was auf den ersten Blick lustig erscheint, ist ein messbarer Gemütszustand bei diesen Tieren. Ganz ähnlich wie Menschen, die unter Depressionen leiden, reagieren die Ratten mit Unlust, Lethargie und haben sogar weniger Kampfgeist als gesunde Vergleichstiere. Um die Schwere einer Depression bei Nagetieren wie Ratten und Mäusen zu ermitteln, unterzieht man die Tiere einem Schwimmtest. Das Prinzip ist denkbar einfach und spiegelt menschliche Depressionen angemessen wider. Während gesunde Tiere im Wasser strampeln und versuchen ans rettende Ufer zu gelangen, werden depressive Tiere sehr viel eher aufgeben, das Schwimmen einstellen und sich ihrem Schicksal ergeben. Ertrinken mussten die Ratten aber dennoch nicht. Die Wissenschaftler schafften es, durch Einsatz einer neuartigen Technik das zuvor injizierte CaM auch wieder auszuschalten. „Indem wir das Eiweiß reguliert haben, konnte die Depression aufgehoben werden“, sagt Prof. Hailan Hu der Universität in Shanghai. Dadurch ließen sich zukünftig möglicherweise ganz neue Therapien für Depressionen auch beim Menschen finden.

Quelle:
Li et al. 2013. βCaMKII in lateral habenula mediates core symptoms of depression. Science 341(6149), 1016-20; doi: 10.1126/science.1240729
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