Dienstag, 31. Juli 2018

Prostatakrebs: Diabetiker haben schlechtere Prognose

News: Medizin

Für Sie aufgespürt von Dr. rer. nat. Marcus Mau. Presseinformation des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung.


Menschen mit Typ-2-Diabetes erkranken zwar seltener an Prostatakrebs als Patienten ohne Diabetes. Allerdings ist die Sterblichkeit höher. Schuld daran könnte die verstärkte Expression des Androgenrezeptors sowie mitogener Formen des Insulinrezeptors sein.

Prostatakrebs und Typ-2-Diabetes gehören zu den häufigsten Erkrankungen bei Männern. Obwohl Studien darauf hindeuten, dass Menschen mit Diabetes häufiger an Krebs erkranken, leiden Männer mit Diabetes nicht vermehrt an Prostatakrebs. Im Gegenteil: Meta-Analysen von Studien haben ergeben, dass Diabetes-Patienten seltener an diesem Karzinom erkranken. Allerdings ist die Sterblichkeit höher. Dies bestätigen auch aktuelle Untersuchungen von Forscherinnen und Forschern des Instituts für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz-Zentrum München an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen (IDM), einem Partner des DZD, in Zusammenarbeit mit der Urologischen Universitätsklinik Tübingen.

Das Forscherteam hat kürzlich die Daten von Patienten analysiert, bei denen die Prostata krebsbedingt entfernt wurde. Wie erwartet waren darunter weniger Patienten mit Diabetes als in der Allgemeinbevölkerung. Allerdings hatten Prostatakrebs-Patienten mit Diabetes deutlich häufiger bereits Metastasen in den Lymphknoten. Zudem war der Anteil der Patienten, die nach den Leitlinien des National Comprehensive Cancer Network (NCCN) zu der sehr hohen Risikogruppe gehören, bei den Betroffenen mit Diabetes signifikant höher.

Doch was macht das Prostatakarzinom von Patienten mit Diabetes so aggressiv?

Diese Fragen haben die Forscher in einer weiteren Studie untersucht. Dazu haben sie 70 Tumorproben von Patienten ohne Diabetes und 59 Proben von Betroffenen mit Typ-2-Diabetes analysiert. Da bei der Entstehung von Prostatakrebs männliche Geschlechtshormone (Androgene) eine wichtige Rolle spielen, haben die Wissenschaftler die androgene Signalkette untersucht.

„Wir haben eine Genexpressionsanalyse von Schlüsselproteinen durchgeführt und festgestellt, dass bei Menschen mit Diabetes der Androgen Rezeptor (AR) verstärkt gebildet wurde“, sagte Dr. Martin Heni, der am IDM die Studie leitete. Auch der durch AR vermittelte Signalweg war verstärkt aktiviert.

Die Wissenschaftler haben noch einen weiteren Unterschied identifiziert: „In den Prostatakarzinomen der Patienten mit Diabetes werden verstärkt Insulinrezeptoren der Isoform A exprimiert“, erläuterte Dr. Stefan Lutz, Erstautor der Studie. Diese können Wachstumsfaktoren (engl. Insulin-like growth factors, IGF) binden. Das trägt zum verstärkten Zellwachstum und zur verstärkten Zellteilung bei. Zudem ist bei Patienten mit Diabetes auch die Steroidbiosynthese im Tumor verändert. Es werden weniger schützende Östrogen-Rezeptor-Liganden gebildet. Das verstärkt den Androgen-Signalweg in den Tumoren weiter.

„Unsere Arbeit liefert neue Erkenntnisse darüber, warum der Prostatakrebs bei Männern, die an Typ-2-Diabetes leiden, so aggressiv ist“, fasste Dr. Heni die Ergebnisse zusammen. „Das Prostatakarzinom bei Männern mit Typ-2 Diabetes hat eine schlechtere Prognose und muss daher eher und umfassender abgeklärt und behandelt werden als ein Prostatakrebs beim Nicht-Diabetiker“, betonte Prof. Dr. med. Arnulf Stenzl, Chefarzt der Urologischen Universitätsklinik Tübingen, abschließend.

Quellen:

Lutz SZ et al., Molecular Metabolism 2017

Lutz SZ et al., Endocr Relat Cancer 2018; doi: 10.1530/ERC-17-0465

Samstag, 30. Juni 2018

HIV-Selbsttest kommt zur richtigen Zeit

News: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. rer. nat. Marcus Mau.

Der Selbsttest ist ein Meilenstein im Kampf gegen HIV, hilft er doch zukünftig dabei, eine Infektion noch früher bei einer noch größeren Zahl von Betroffenen zu diagnostizieren.

Gesundheitsminister Jens Spahn teilte Anfang Juni 2018 mit, dass er sich für die rasche Freigabe eines HIV-Selbsttestes in Deutschland bis zum kommenden Herbst stark machen werde. Die Deutsche STI-Gesellschaft (DSTIG) begrüßte diese Maßnahme sehr, da sie dabei helfen wird, Menschen mit besonderem Risikoverhalten zu erreichen, die andere niedrigschwellige Testangebote in AIDS-Hilfen, bei Ärzten oder im Gesundheitsamt aus vielerlei Gründen meiden.

Das Ziel: Keine HIV-Neuinfektionen mehr nach 2020
„Noch immer leben in Deutschland schätzungsweise bis zu 13.000 Menschen unentdeckt mit einer HIV-Infektion. Dies hat aber nicht nur Auswirkungen auf die Gesundheit dieser Menschen selbst, denn ohne Diagnose erhalten sie keine antiretrovirale Therapie. Auch ist das Risiko sehr hoch, dass weitere Menschen infiziert werden.

Wollen wir das bis 2020 gesteckte 90-90-90-Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erreichen, brauchen wir den HIV-Selbsttest“, so das Plädoyer von Prof. Dr. med. Norbert H. Brockmeyer, Präsident der DSTIG und Abteilungsleiter am WIR „Walk In Ruhr“, dem ersten Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin in Deutschland.

Die WHO formulierte als Ziel zur Eindämmung der weltweiten HIV-Epidemie, dass 90 % der HIV-Infizierten bis 2020 von ihrer Infektion wissen sollen, 90 % dieser Menschen eine Therapie erhalten und wiederum 90 % damit unter die Virus-Nachweisgrenze kommen. „In Deutschland erreichen wir derzeit, dass circa 86 % der Infizierten eine Diagnose erhalten. Dennoch ist die Zahl derer, die erst spät zum Test erscheinen, nämlich wenn bereits erste Symptome der Infektion auftreten, noch immer sehr groß“, beschreibt Prof. Brockmeyer die Situation weiter.



Längst nicht alle Menschen mit HIV-Infektionsrisiko bisher erreicht
Trotz bereits verfügbarer kostenloser Testmöglichkeiten in Deutschland werden längst nicht alle Menschen mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko durch diese Testangebote erreicht. Ein über Apotheken frei verfügbarer HIV-Selbsttest wird hingegen auch diejenigen Menschen erreichen, die
aus Scham, Angst oder weiteren persönlichen Gründen andere Testangebote nicht wahrnehmen können oder wollen. „Der HIV-Selbsttest ist ein Meilenstein im Kampf gegen HIV. Die DSTIG begrüßt daher den Vorstoß durch Gesundheitsminister Spahn sehr“, so Brockmeyer.

Die Gefahr des Missbrauchs des Selbsttests, wie in den Medien häufig diskutiert wird, sieht Brockmeyer indes nicht: „Dafür gibt es aus bisherigen Studien zu Selbsttests im Allgemeinen keinerlei evidente Anhaltspunkte.“

Achtung!
Ein HIV-Test zeigt frühestens 6 Wochen nach einem Risikokontakt, ob möglicherweise eine Infektion stattgefunden hat. Diese Frist gilt im Übrigen immer wieder neu, wenn innerhalb dieser Zeit ein erneutes sexuelles Risiko eingegangen wurde! Dies sollte auch beachtet werden, bevor ein Selbsttest durchgeführt wird.

Quelle:
Deutsche STI-Gesellschaft (STI) vom 09.06.2018

Donnerstag, 31. Mai 2018

Wie die E-Zigarette die Gesundheit vernebelt

News: Medizin

Für Sie gefunden und zusammengefasst von Dr. rer. nat. Marcus Mau.

Immer mehr Menschen „dampfen“ E-Zigaretten, in der wohl irrigen Annahme, sie sei weniger gesundheitsschädlich als der herkömmliche Glimmstängel. Doch gerade Jugendliche werden oft durch den süßen Geschmack und die vielen Aromastoffe, wie Tiramisu und Waldfrucht, an das Rauchen herangeführt, sind sich die Experten sicher. Eine aktuelle Studie zeigt nun erstmals, dass diese Aromastoffe in der Tat nicht ungefährlich sind. Sie führen z. B. zu Diabetes, Asthma und Krebserkrankungen. Darüber hinaus werden aber auch nach wie vor die Folgen des Tabakkonsums von vielen oft unterschätzt – ein Beitrag aus Anlass des heutigen Weltnichtrauchertages.

Derzeit konsumieren in Deutschland bis zu einer Million Menschen regelmäßig E-Zigaretten. Ein Grund für diesen ansteigenden Trend ist die Annahme, E-Zigaretten seien weniger gesundheitsschädlich und eine „gesündere Alternative“ zum Tabakkonsum. Denn im Gegensatz zu Tabak enthalten E-Zigaretten keine Verbrennungsprodukte und gelten daher als weniger gesundheitsschädlich als die herkömmliche Tabakzigarette.

Aromastoffe reizen die Lungen
Doch trotz geringerer Toxizität kann auch das E-Dampfen gesundheitliche Probleme verursachen, wie Forschungsdaten zeigten. Eine aktuelle amerikanische Studie1 z. B. führt aus, dass in E-Zigaretten zu findenden zugesetzten Aromastoffe die Lunge reizen und das Immunsystem negativ beeinflussen können.
In ihrer Untersuchung zeigten die Forscher weiter, dass alle getesteten 49 Aromen beim Rauchen unterschiedliche Mengen an Radikalen freisetzten. Diese führen zu oxidativem Stress in Zellen und schädigen sie so nachhaltig. Dadurch können auch Erkrankungen wie Diabetes, Asthma, Parkinson sowie Lungen- und Darmkrebs entstehen. Insgesamt gibt es fast 8.000 verschiedene aromatische Zusatzstoffe, die der E-Zigarette zugesetzt werden können. Sie werden zwar von der Lebensmittelindustrie bereits als Lebensmittelzusatzstoffe verwendet und als gesundheitlich unbedenklich eingestuft, doch sobald sie erhitzt und inhaliert werden, scheinen diese Aromen Schadstoffe zu produzieren. Weitere Untersuchungen finden hierzu bereits statt.
Giftcocktail beim Rauchen und beim Dampfen?
Zudem sind in E-Zigaretten Gifte wie Nitrosamine, Diethylenglykol und Formaldehyd zu finden. Das ebenfalls enthaltene Propylenglykol – das Verneblungsmittel, welches ebenso in Diskotheken eingesetzt wird – kann die Atemwege reizen. Wie sich das langfristig auf die Lungen auswirkt, kann bisher noch nicht abschließend bewertet werden. Langzeitstudien dazu fehlen noch. Jedoch zeigten Studien bereits, dass das zugesetzte, süchtig machende Nikotin den Schritt von der E-Zigarette zum Tabakkonsum erleichtert, vor allem für Jugendliche.
Die Zahl der Menschen, die in Deutschland Tabakprodukte konsumieren, liegt mit Blick auf die „traditionellen“ Raucher zudem immer noch höher als in den meisten anderen Industriestaaten. Daran haben auch die Schockbilder auf den Zigarettenschachteln wenig verändern können. Viele Raucher haben ihren Konsum zwar eingeschränkt, jedoch sind sie nicht zu völligen Nichtrauchern geworden.
Bereits eine Zigarette täglich schädigt den Körper
Die meisten Raucher gehen nämlich davon aus, dass ein oder zwei Zigaretten am Tag die Gesundheit nicht gefährden. Doch einer Meta-Studie2 zufolge haben auch Männer, die nur eine Zigarette am Tag rauchen, ein um 48 % höheres Risiko für Herzerkrankungen und ein um 25 % höheres Risiko für Schlaganfall als Nichtraucher. Bei Frauen liegt das Risiko sogar noch höher: es steigt um 57 % für Herzerkrankungen und um 31 % für Schlaganfall.
Bezüglich der E-Zigaretten und des Tabakkonsums besteht nach Ansicht der Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin also noch großer Aufklärungsbedarf in der Bevölkerung.
Quellen:
(1)   Zachary T.Bitzer et al., Effect of flavoring chemicals on free radical formation in electronic cigarette aerosols, Free Radic Biol Med. 2018 May 20;120:72-79. doi: 10.1016/j.freeradbiomed.2018.03.020. Epub 2018 Mar 13. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0891584918301230?via%3Dihub
(2)   Allan Hackshaw et al., Low cigarette consumption and risk of coronary heart disease and stroke: meta-analysis of 141 cohort studies in 55 study reports, BMJ 2018;360:j5855  https://www.bmj.com/content/360/bmj.j5855
[Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin]

Montag, 30. April 2018

Immuntherapie gibt neue Hoffnung bei Kopf- und Halstumoren

NEWS: MEDIZIN

Gastbeitrag der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.  (DGHNO KHC) für Sie aufgespürt von Dr. rer. nat. Marcus Mau.

Krebsgeschwulste dürfte es im Grunde gar nicht geben, denn das Immunsystem ist prinzipiell in der Lage, veränderte Zellen zu erkennen und zu zerstören, bevor sie zu einem Tumor heranwachsen. Diese Abwehr zu unterstützen, ist das Ziel sogenannter Immuntherapien. Auf verschiedene Weise stärken sie die gegen Krebszellen gerichteten Abwehrsysteme und helfen, den Tumor für die Immunzellen besser sichtbar zu machen.
Kopf-Hals-Tumoren stehen auf der Liste der weltweit häufigsten Tumorerkrankungen an sechster Stelle. Ihre Entstehung wird besonders durch Tabakrauch, den übermäßigen Konsum von hochprozentigen Alkoholika und humane Papillomviren gefördert. Aufgrund ihrer Nähe zu lebenswichtigen Strukturen können Tumoren im Kopf- und Halsbereich nicht immer vollständig operativ entfernt werden. Auch bei einer Bestrahlung kann das umliegende Gewebe in Mitleidenschaft gezogen werden. „Gerade in diesem Bereich ist die Entwicklung von Immuntherapien, die spezifisch gegen den Tumor vorgehen, besonders wichtig“, sagt Professor Dr. med. Stephan Lang, Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Essen.
Immuntherapie
Sterbende Tumorzelle.
[By National Institutes of Health (NIH) [Public domain], via Wikimedia Commons]
Im Fokus der Immuntherapie stand lange Zeit der Versuch, das Immunsystem stärker zu aktivieren. „Seit einigen Jahren hat man jedoch erkannt, dass auch die Lösung von Blockaden eine wichtige Rolle spielt“, erläutert Professor Lang. Denn Krebszellen weichen der Immunabwehr oft aus, indem sie den Immunzellen eine Art molekulares Stoppschild entgegenhalten. Treten diese Stopp-Signale in Kontakt mit passenden Rezeptoren auf der Oberfläche der Immunzellen, dann werden diese deaktiviert – die Immunabwehr kommt zum Erliegen.
Spezifische Antikörper gegen die tumoreigenen Stopp-Signale können diese Blockade durchbrechen und sind zum Teil schon zur Tumortherapie zugelassen. Als Beispiel nennt der Experte den Antikörper Nivolumab, der verhindert, dass Stopp-Signale den so genannten PD-1-Rezeptor auf T-Zellen erreichen. „Dieser wird zurzeit nur bei fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren eingesetzt, die auf andere Therapien nicht mehr ansprechen“, erklärt Lang. Hier habe er das weitere Wachstum der Tumoren verlangsamen und die Überlebenszeit der Patienten leicht erhöhen können.
Ein weiterer immuntherapeutischer Ansatz ist es, das Immunsystem auf bestimmte Tumorantigene „scharf zu stellen“ und den Tumor so besser angreifbar zu machen. Das kann über eine Art Impfung geschehen, aber auch über eine gezielte Veränderung von T-Zellen, die den Patienten zuvor entnommen wurden. „Mithilfe molekularbiologischer Methoden werden die T-Zellen mit einem speziellen Rezeptor ausgestattet, dem so genannten CAR“, sagt Lang.
Das Kürzel steht für „chimärer Antigenrezeptor“ – denn der künstliche Rezeptor ist aus mehreren Teilen zusammengesetzt: Ein Teil ist für die Erkennung spezieller Tumormoleküle zuständig, ein anderer dafür, die T-Zellen zusätzlich zu aktivieren. Solchermaßen aufgerüstete T-Zellen konnten in einer britischen Phase-1-Studie bei rund der Hälfte der Patienten das weitere Wachstum fortgeschrittener Kopf-Hals-Tumoren aufhalten. „Ein erster vielversprechender Ansatz, der noch weiter erforscht werden muss“, so Professor Lang.
Quellen:
Papa, S., Adami, A., Metoudi, M. Achkova, D., van Schalkwyk, M., Parente Pereira, A., Bosshard-Carter, L., Whilding, L., van der Stegen, S., Davies, D. M., Guerrero-Urbano, T., Jeannon, J. P., Spicer, J., Maher, J. (2017) T4 immunotherapy of head and neck squamous cell carcinoma using Pan-ErbB targeted CAR T-cells AACR 2017; Abstract CT118
[Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. (DGHNO KHC)]

Samstag, 31. März 2018

Menschen mit HIV unter Therapie sind keine Gefahr

NEWS: MEDIZIN

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. rer. nat. Marcus Mau.


Bei Menschen mit HIV mit gut eingestellter Therapie ist die Viruslast heutzutage in der Regel dank guter Medikamente unterhalb der Nachweisgrenze. Das bedeutet, diese Menschen sind im Alltag  nicht mehr ansteckend. Medizinisch wurde im vergangenen Jahrzehnt sehr viel erreicht und auch rechtlich ist die Situation mittlerweile zweifelsfrei zugunsten der Menschen mit HIV geklärt. Doch in den Köpfen vieler Mitmenschen herrschen nach wie vor Informationsmangel und die große Angst vor Ansteckung. Beides zusammen bildet eine entscheidende Grundlage für die Diskriminierung und Stigmatisierung von betroffenen Menschen mit HIV-Infektion.
HIV ist heute, dank der modernen Therapie, eine chronische Erkrankung geworden. Dank einer frühen Behandlung erreichen Menschen mit HIV eine der Allgemeinbevölkerung vergleichbare Lebenserwartung. Die Behandlung ist hochwirksam und oft genügt schon eine einzige Tablette täglich, um das Virus im Körper einzudämmen. In der Folge dieser Behandlung sinkt bei circa 93 % der Betroffenen die Viruslast unter die Nachweisgrenze. Dadurch ist eine Weitergabe der Infektion ausgeschlossen. Ebenso wenig besteht ein Übertragungsrisiko für Dritte im Alltag oder im Berufsleben.

Die meisten Menschen mit HIV unter Therapie sind heute uneingeschränkt berufstätig und auch belastbar. Im Durchschnitt sind sie nicht öfter oder länger krankgeschrieben als andere KollegInnen. Obgleich viele Menschen dies noch immer glauben, gibt es eigentlich keine Berufsverbote oder Tätigkeitsbeschränkungen für HIV-positive Menschen. Auch im Gesundheitswesen, als Pfleger oder Ärzte, dürfen sie arbeiten.
Fazit

Die chronische HIV-Infektion gilt im Sinne des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) als Behinderung, wodurch HIV-positive Menschen im Grunde Schutz vor Diskriminierung haben sollten. Jedoch zeigt die alltägliche Erfahrung, dass dem ganz und gar nicht so ist. Zwar gibt das Gesetz den Betroffenen eine Rechtsgrundlage im Kampf gegen nachteiliges Verhalten im Bewerberverfahren oder im Anstellungsverhältnis an die Hand, gegen die Angst und den Informationsmangel in den Köpfen der Menschen im Alltag hilft es leider nicht.


Quelle:
Pressekonferenz vom 23.03.2018 anlässlich der 17. Münchner AIDS- und Hepatitis-Tage in Berlin.BB
(Artikel in Teilen erstveröffentlicht auf esanum.de)
Videobeitrag mit freundlicher Genehmigung der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit e. V.

Mittwoch, 28. Februar 2018

Hirntumor: Methadon ist wohl nicht der besagte Heilsbringer

News: Medizin

Gastbeitrag der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, für Sie aufbereitet von Dr. rer. nat. Marcus Mau.

Viele Glioblastom-Patienten werden infolge der sehr positiven Berichterstattung in Deutschland mit Methadon behandelt und zwar ohne wirklich Datengrundlage aus klinischen Studien. Neueste Forschungsergebnisse aus der Zellkultur sprechen nun jedoch ganz entschieden gegen eine Wirkung dieser Substanz bei bösartigen Hirntumoren.

Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) stellten auf dem 33. Deutschen Krebskongress vom 21. bis 24. Februar 2018 in Berlin ihre experimentellen Befunde vor. „Die aktuellen Daten widerlegen die Hypothese, dass Methadon beim Glioblastom die Wirkung einer Chemotherapie in der Zelle verstärkt“, kommentierte Prof. Dr. med. Uwe Schlegel, einer der federführenden Autoren für die Leitlinie „Hirntumoren“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Hirntumor-Experten der DGN raten deshalb derzeit davon ab, Methadon außerhalb von kontrollierten klinischen Studien einzusetzen.

Glioblastome zählen zu den Krebserkrankungen mit besonders schlechter Prognose. Hoffnungen auf den Nutzen von Methadon als begleitende Therapie, welche die Wirkung von Chemotherapeutika beim Glioblastom verstärken soll, haben viele Patienten und Angehörige zuletzt stark verunsichert. Zahlreiche Patienten fordern Methadon ein, obwohl es keine wissenschaftlich gesicherten Belege für seine Wirksamkeit beim Glioblastom gibt.

Für eine aktuelle Studie untersuchten die Forscher im Labor den spezifischen Effekt von Methadon auf Glioblastomzellen. Dafür behandelten sie Zellkulturen des bösartigen Hirntumors – entweder mit dem Chemotherapie-Medikament Temozolomid allein, mit Methadon allein oder mit einer Kombination aus Temozolomid und Methadon. Unbehandelte Zellkulturen dienten als Kontrolle.

Andockstellen für Methadon fehlen
„Leider mussten wir feststellen, dass Methadon die Wirksamkeit der Chemotherapie nicht verstärkte. Das Opioid hatte keinerlei sensibilisierende Wirkung für die bei Glioblastomen eingesetzte Standardtherapie mit Temozolomid. Auch Methadon allein hat keinen nachweisbaren Effekt auf das Überleben oder Sterben der Krebszellen“, erklärte der Leiter der Arbeitsgruppe, Prof. Dr. med. Wolfgang Wick, Direktor der Neurologischen Klinik am Universitätsklinikum Heidelberg.

Die Forscher fanden zudem eine mögliche Erklärung für die fehlende Wirksamkeit von Methadon: In der überwiegenden Mehrzahl der Zellen von humanen Glioblastomen fehlte die spezifische Andockstelle, der Opioidrezeptor, für das Medikament. Ohne Andockstelle an der Krebszelle kann Methadon keine Anti-Tumor-Wirkung entfalten.

„Opioidrezeptoren sind offenbar recht exklusiv auf spezialisierten Nervenzellen exprimiert“, erläuterte Prof. Schlegel weiter. „In der aktuellen Studie ist mit Zellen gearbeitet worden, die der Situation beim Patienten ähnlich sind“, so der Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Bochum. „Sie besitzen ebenso wie reale Glioblastome im Menschen keine Opioidrezeptoren und können deshalb überhaupt nicht auf Methadon ansprechen.“

Fazit

Diese neuen Erkenntnisse sprechen gegen den Einsatz von Methadon als unterstützende Behandlung zur Chemotherapie bei Glioblastom. „Außerhalb von klinischen Studien ist von einer „supportiven“ Methadon-Therapie des Glioblastoms dringend abzuraten“, betonte Schlegel abschließend. Auf die Wirkung von Methadon auf andere Tumorentitäten oder Chemotherapien lässt sich aus den Ergebnissen allerdings nicht schließen.

Quelle
Latzer P et al., Methadone does not increase toxicity of temozolomide in glioblastoma cells. Poster 33. Deutscher Krebskongress, 21.–24. Februar 2018, Berlin; Oncol Res Treat 2018; 41(suppl 1): 1–221

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie vom 28.02.2018

Mittwoch, 31. Januar 2018

Mann, Du bist der Größte


News: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. rer. nat. Marcus Mau.
Nur ein Drittel der US-amerikanischen Männer nutzt sie überhaupt, und auch in Deutschland ist ihr Ansehen nicht unbedingt hoch – Kondome. Sie rutschen oft sehr leicht ab und schränken ferner das Gefühl des Mannes ein, so die Argumente des starken Geschlechts gegen das Verhüterli. Die Antwort der Industrie folgt: Das maßgeschneiderte Kondom. Auf die Größe kommt es manchmal eben doch an.
Die Wurzeln des Kondoms liegen im ausgehenden 19. Jahrhundert, als nämlich ein gewisser Charles Nelson Goodyear mit seiner Erfindung der Vulkanisation den Weg für die Gummi- und Reifenproduktion ebnete. Dabei liegen Autoreifen und Kondome gar nicht soweit auseinander, machen sie den täglichen Verkehr doch durchaus sicherer.
Gäbe es da beim Kondom nur nicht das Problem mit der Größe. Industriell gefertigt, bringt das Kondom seit über einhundert Jahren Standards in die Schlafzimmer der Welt. So ist es in der Regel 17 cm lang. Für das Ego des Mannes wirkt ein solches Maß selbstverständlich stärkend. Schade nur, dass es so oft nicht richtig zu passen scheint oder gar vom eregierten Stolz abzurutschen droht – 83 % der Männer kommen einer aktuellen Studie zufolge für das Liebesspiel auf nur wenig mehr als 14 Zentimeter Länge.

Individualität statt Standards
Eine Firma aus Boston hat dieses Problem erkannt und sich der Lösung angenommen: Für jeden Mann das passende Kondom. Der Ansatz ist denkbar einfach und noch dazu Balsam für die Männerseele. Das Unternehmen bietet 60 Kondomgrößen an, die individuell als Kombination aus Länge und Umfang erstellt werden können. Zur Auswahl stehen Längen zwischen 12,5 cm und fast 24 cm sowie Umfänge zwischen 9 cm und nahezu 13 cm.
Gemessen wird zuhause mithilfe einer Schablone, die jedoch bewusst auf Zentimeterangaben verzichtet. Stattdessen ermittelt Mann beim Messen des guten Stückes eine Codierung, welche für seine Bestellung die genauen Maße verschlüsselt. So mag ein Mann ein E99 sein, ein anderer ein Z22 und allein die Herstellerfirma weiß, welches Kondom dieser jeweilige Mann benötigt.
Weil eine Vielzahl der Männer sich mit dem maßgeschneiderten Kondom einfach sehr viel weniger „zu klein“ fühlen wird, könnte durch diesen Ansatz vor allem auch das Selbstwertgefühl gesteigert werden. Ein positives Bild von der „eigenen Größe“ lässt vielleicht sogar am Ende den einen oder anderen Mann  mit mehr Stolz zum Kondom greifen. Dadurch ließe sich schließlich doch noch etwas für den Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen erreichen. Und dies ist angesichts der seit Jahren zunehmenden Syphilis- und Gonokokken-Infektionen weltweit von wachsender Bedeutung.
Quelle:
Erect penile length and circumference dimensions of 1,661 sexually active men in the United States. Herbenick D et al., J Sex Med 2014; 11(1): 93-101
http://news.doccheck.com/de/191702/griff-zur-penis-schablone/ (Artikel vom 9.11.2017)
feedeater.de