Freitag, 31. August 2018

Antibiotika-Kurzzeittherapie bei akuten unkomplizierten Harnwegsinfekten empfohlen

News: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. rer. nat. Marcus Mau.

Schätzungen zufolge könnte im Jahr 2050 die Antibiotikaresistenz die häufigste Ursache für die weltweite Sterblichkeit sein. Dabei resultiere die Resistenz primär aus dem häufig unsachgemäßen Umgang mit Antibiotika. Ihr Einsatz ist daher stets genau zu prüfen.

Im Falle der oft diskutierten Antibiotikatherapie bei der akuten unkomplizierten Zystitis (AUZ) sagt die aktuelle S3-Leitlinie (AWMF-Register-Nr. 043/044, Aktualisierung 04/2017; Nr. 6.1.4: Empfehlungsgrad B): „Bei der AUZ sollte eine antibiotische Therapie empfohlen werden. Bei PatientInnen mit leichten/mittelgradigen Beschwerden kann die alleinige symptomatische Therapie als Alternative zur antibiotischen Behandlung erwogen werden.“

Harnwegsinfektionen (HWI) gehören zu den häufigsten bakteriell bedingten Infektionen und stellen besonders für Frauen eine erhebliche soziale Bürde dar, wie Prof. Dr. Dr. Kurt G. Naber, Technische Universität München, auf Nachfrage erklärte. Etwa 40 % aller Frauen erleben wenigstens eine HWI im Leben, ein Drittel dieser Frauen leidet zudem an rezidivierenden HWI.

Für die Diagnostik und Therapie ist es wichtig, zwischen unkomplizierter und komplizierter sowie unterer und oberer Harnwegsinfektion zu unterscheiden. Mit dem Acute Cystits Symptom Score(ACSS), einem einfachen Fragebogen mit 18 Fragen, der auch in deutscher Sprache verfügbar ist, ist beispielsweise eine AUZ sehr einfach anhand der Symptomatik klinisch zu diagnostizieren. "Bei der AUZ wird zwar eine hohe Spontanheilungsrate beobachtet, mit der allgemein empfohlenen Antibiotika-Kurzzeittherapie können aber innerhalb einer Woche etwa doppelt so hohe Heilungsraten erzielt werden", so Prof. Naber.

Wegen der ansteigenden Resistenz gegen Standardantibiotika, wie Amoxicillin, orale Cephalosporine, Cotrimoxazol und zum Teil auch Fluorchinolone, sollten laut aktueller S3-Leitlinie für die antibiotische Therapie der HWI ältere orale Antibiotika, z. B. Fosfomycin-Trometamol, Nitrofurantoin, Nitroxolin oder Pivmecillinam, bevorzugt werden.

Quelle:
S3-Leitlinie "Harnwegsinfektionen", AWMF-Register-Nr. 043/044, Aktualisierung 04/2017
feedeater.de