Sonntag, 29. September 2013

Ibuprofen und Aspirin: Zwei wie Hund und Katze

News: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau.

Ibuprofen und das Einstiegsschmerzmittel Acetylsalicylsäure (Aspirin) sind frei in Apotheken erhältlich. Deshalb entzieht sich der Konsum dieser Medikamente in den meisten Fällen auch der ärztlichen Kontrolle. Eine Kombination von Ibuprofen und Aspirin birgt jedoch besonders für Herz-Kreislauf-Patienten eine große Gefahr.
Herz-Kreislauf-Patienten erhalten in einer Vielzahl der Fälle Aspirin, um ihr Blut zu verdünnen und auf diese Weise einer erneuten Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombus) vorzubeugen.

Acetylsalicylsäure verdünnt das Blut nach Herzinfarkt und Schlaganfall
Die im Medikament Aspirin enthaltene Acetylsalicylsäure hemmt wichtige Enzyme in den für die Blutgerinnung verantwortlichen Blutplättchen (Thrombozyten). Diese Hemmung ist dauerhaft und so wird das Risiko einer Blutgerinnung im Inneren der Adern vermindert.

Anders als die Acetylsalicylsäure beeinflusst Ibuprofen die Enzyme der Blutplättchen indes nur vorübergehend. Wird es in hohen Konzentrationen eingenommen, blockiert es in den Blutplättchen die Bindungsstellen für die Acetylsalicylsäure. Da Ibuprofen die Enzyme nur vorübergehend blockieren kann, wird nach einiger Zeit die Hemmung an den Thrombozyten aufgehoben. Dadurch ist die Bildung eines Thrombus wieder möglich. In der Folge können durch Ablösung des Thrombus neuerlich Embolien, Schlaganfälle oder Herzinfarkte ausgelöst werden.
Genau darin liegt die Gefahr der Kombination von Ibuprofen und Aspirin, die sich als freiverkäufliche Medikamente allzu häufig der ärztlichen Kontrolle entziehen.

Aspirin und Ibuprofen: Wechselwirkungen beachten
Bereits 2006 wies die US Food and Drug Administration (FDA) darauf hin, dass Patienten, die Ibuprofen in hoher Dosis einnehmen, die Schutzwirkung von niedrigdosierter Acetylsalicylsäure gefährden. In einer Dosis von 400 mg hebt Ibuprofen die Wirkung der Aspirin-Tablette auf, sofern beide Medikamente innerhalb von 30 Minuten bis weniger als 8 Stunden aufeinander folgend eingenommen werden.

Einnahme genau planen oder Alternativen nutzen
Im Falle einer Schmerzbehandlung mit Ibuprofen wird derzeit empfohlen, eine Aspirin mindestens 30 Minuten vor oder mehr als 8 Stunden nach der letzten Ibuprofen-Dosis einzunehmen. Die Umsetzung ist jedoch gerade auch für ältere Patienten schwierig. Hier kommt dem behandelnden Arzt die Verantwortung zu, eventuell auf andere Schmerzmittel auszuweichen. Keine Wechselwirkungen mit Aspirin zeigen beispielsweise Paracetamol und opioidartige Schmerzmittel.

Dieser Artikel hat rein informativen Charakter und ersetzt weder die ärztliche Beratung noch beinhaltet er eine Therapieempfehlung.
(Artikel vom Autor, Dr. Marcus Mau, zuerst veröffentlicht auf experto.de)

Quellen:
Ellison & Dager. 2007. Recent FDA warning of the concomitant use of aspirin and ibuprofen and the effects on platelet aggregation. Prev Cardiol 10(2),61-3

Gengo et al. 2008. Effects of Ibuprofen on the Magnitude and Duration of Aspirin's Inhibition of Platelet Aggregation: Clinical Consequences in Stroke Prophylaxis. J Clin Pharmacol 48(1), 117-122
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