Sonntag, 3. August 2014

Ebola: Experimentelle Therapieansätze vielversprechend

Medizin: Aktuell

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau.

Es ist der bisher längste und auch schwerwiegendste Ausbruch von Ebola in Afrika – und die Welt hält den Atem an. Trotz aller Bemühungen seitens der WHO und unzähliger Hilfsorganisationen vor Ort ist die Seuche einfach nicht zu stoppen. Mittlerweile sind vier Staaten Westafrikas betroffen: Guinea, Liberia, Sierra Leone und Nigeria. Die Politik hat versagt und damit diesen Ausbruch begünstigt, urteilen viele einstimmig. Doch ist dem wirklich so? Herrschte in allen Ländern das gleiche Mißmanagement? Und was steckt hinter den aufkeimenden Hoffnungen in experimentelle Therapieverfahren, um Ebola zu stoppen?

Das Ebolavirus aus der Familie der Filoviridae.
(Bild: Wikipedia/Dr. FA Murphy, CDC)
Mittlerweile (Stand: 27.07.2014) sind insgesamt 909 bestätigte Fälle von an Ebola erkrankten Menschen in Westafrika erfasst; Tendenz weiter steigend. Die Hauptlast der Epidemie verlagert sich immer weiter auf die Hilfskräfte. Inzwischen soll nach Meldungen bereits jeder zehnte Betroffene eigentlich ein medizinischer Helfer sein. Selbst leitende Ärzte und Missionarinnen sind erkrankt oder an den Folgen der Infektion verstorben. Dennoch zeigen die Neuerkrankungsraten deutlich, dass nicht alle betroffenen Staaten in gleicher Weise unzureichend auf die Gefahr reagierten. Während die Fallzahlen in Liberia und Guinea anfangs relativ stabil waren, verdoppelte sich die Zahl der Infizierten in Sierra Leone innerhalb nur eines Monats (siehe Grafik „Bestätigte Ebola-Fälle Juli 2014“).

Bestätigte Ebola-Fälle Juli 2014 (Datenquelle: WHO)

Ein weiterer Fall aus Nigeria lässt die Welt in der Zwischenzeit den Atem anhalten. Der Mann war per Flugzeug eingereist und noch im nigerianischen Flughafen zusammengebrochen. „Kommt das Virus nun auch zu uns?“, fragen deshalb viele Menschen dieser Tage verunsichert.

Gefahr aus der Luft?
Die Experten in Deutschland, den USA und Großbritannien sagen hierzu, dass die Gefahr eines Ebola-Imports sehr gering, aber dennoch nicht vollständig zu kontrollieren sei. Ein bereits infizierter Mensch, der noch keine Symptome zeigt, könne sehr leicht mit dem Flugzeug in jeden Winkel der Erde reisen. Die Luftfahrtverbände weltweit sind sich dieser Möglichkeiten bewusst und arbeiten derzeit mit der WHO an Änderungen bei der Fluggastkontrolle. In der Zwischenzeit wurde ein erkrankter US-amerikanischer Arzt aus Liberia in die USA ausgeflogen, um ihn dort mit einer experimentellen Therapie vielleicht noch retten zu können. Ob Impfung (präventiv) oder Behandlung mit einem Medikament (kurativ), um das Virus in seiner Vermehrung zu stoppen - erste Versuche an Affen waren durchaus vielversprechend.

Favipiravir (T-705) erfolgreich in der Zellkultur und im Mausmodell
Strukturformel Favipiravir (T-705)
(Bildquelle: Wikipedia/Yikrazuul)
Nach wie vor gibt es weder einen Impfstoff noch eine wirkliche Therapieoption gegen Ebola. Dennoch mangelt es nicht an Ideen und Forschungen, um eines Tages doch die rettende Vakzine oder das Medikament gegen die Krankheit zu finden. Einen Schritt in diese Zukunft machte ein Team des Bernhard-Nocht-Instituts in Hamburg (Deutschland). Die Wissenschaftler testeten in Zellkulturen und an Mäusen, ob der antivirale Wirkstoff Favipiravir (T-705) das Zaire-Ebolavirus stoppen könnte.

Und tatsächlich, in der Zellkultur hemmten 110 µM der Substanz T-705 die Virusvermehrung. Ebenso konnten Mäuse gerettet werden, welche sechs Tage nach der Infektion mit T-705 behandelt wurden. Die Tiere zeigten eine hohe Virusclearance, weniger starke Krankheitssymptome und überlebten die Infektion mit dem Ebolavirus zu 100%. „Unsere Ergebnisse geben Hoffnung, dass die Substanz eines Tages eine echte Therapieoption bei fortgeschrittener Ebola-Infektion sein könnte“, schlussfolgern die Forscher optimistisch. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass der Weg dorthin noch lang ist: Zuerst müsse die Substanz an Affen getestet und später am Menschen weiter erprobt werden. Die Ergebnisse geben jedoch eine derzeit nicht ganz unbegründete Hoffnung im Kampf gegen die tödliche Seuche. Doch die Behandlung von Ebola ist nur die eine Seite der Medaille. Gibt es denn auch mögliche Kandidaten, um eine wirksame Schutzimpfung zu entwickeln und so eine Ansteckung zukünftig zu vermeiden?
Impfung: Virusvektoren mit Ebolagenen schützen Affen vor einer Infektion
Eine wirksame Impfung, um einer Ansteckung mit dem hochinfektiösen Ebola-Erreger vorzubeugen, wäre natürlich das beste Zukunftsszenario. Aber gerade der Weg zu einer funktionierenden Impfung ist oft schwer und allzuoft sehr steinig. Dennoch haben beispielsweise amerikanische Forscher einen Weg gefunden, das Hüllprotein des Ebolavirus in das Genom eines Impfvirus einzubauen und damit Affen zu impfen. Im Ergebnis waren diese geimpften Affen je nach „eingeschleustem“ Hüllprotein anschließend gegen Infektionen durch Ebolaviren vom Stamm Sudan, Zaire und Bundibugyo immun. „Der weitere Weg bis zu einem Impfstoff für den Menschen ist aber trotz der vielversprechenden Ergebnisse noch sehr weit“, bremsen die Wissenschaftler die Euphorie.

Das nationale US-Institut für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) hat derweil weitere klinische Versuchsreihen angekündigt, in denen ab Mitte September 2014 einige experimentelle Impfstoffe gegen Ebola auch am Menschen getestet werden sollen.

Quellen:
Ärzte Zeitung online, 01.08.2014
Mire CE et al. Vesicular stomatitis virus-based vaccines protect nonhuman primates against Bundibugyo ebolavirus. PLOS Neglected Tropical Diseases 2013; 7(12), e2600
Oestereich L et al. Sucessful treatment of advanced Ebola virus infection with T-705 (favipiravir) in small animal model. Antiviral Research 2014; 105, 17-21
WHO (World Health Organisation), http://www.who.int/csr/don/archive/disease/ebola/en/


Exkurs in Bildern: Tagebuch einer Infektion (fortlaufend)

Bestätigte Ebola-Fälle in Westafrika 30. Juni 2014. (interaktive Karte)














Bestätigte Ebola-Fälle in Westafrika 14. Juli 2014.
Das Epizentrum des Ausbruchs verlagert sich nach Sierra Leone. (interaktive Karte)













Bestätigte Ebola-Fälle in Westafrika 27. Juli 2014.
Ein Flugreisender brachte Ebola nach Nigeria. (interaktive Karte)












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