Samstag, 11. Oktober 2014

Ist Soja bei Brustkrebs schädlich?

News: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau.

Viele Frauen - vor allem auch Brustkrebspatientinnen - denken, sie tun sich etwas Gutes, indem sie sich sojareich ernähren. Doch in einigen Fällen könnte genau das Gegenteil zutreffen. Soja scheint nämlich bei jungen Frauen mit Brustkrebs bestimmte Tumorgene zu fördern.

Die positiven Auswirkungen einer sojareichen Ernährung werden seit Jahrzehnten auch bei uns verbreitet. So ganz falsch können die epidemiologischen Studien zum Thema ja auch nicht sein, schließlich wird Soja in asiatischen Ländern seit Jahrtausenden genutzt. Zudem kommen einige Krebsarten, wie z. B. der Brustkrebs, bei Asiatinnen weniger häufig vor. Viel Soja muss also zwangsläufig vor Brustkrebs schützen. Doch Halt! Ganz so einfach ist die Geschichte nicht erzählt. US-Forscher kommen in ihrer erst kürzlich veröffentlichten Studie zu einem weitaus differenzierteren Eindruck über den Nutzen oder Schaden durch Soja für Brustkrebspatientinnen. Je nach Lebensalter und Hormonstatus scheint die Sojabohne unterschiedliche Wirkungen zu haben.
Die Sojabohne - Jahrtausendealtes Erfolgsmodell.
(Quelle: „Sojabohne“ von Scott Bauer - US Department of Agriculture – Agricultural Research Service. Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sojabohne.jpg#mediaviewer/File:Sojabohne.jpg)
 
Phytoöstrogene aus dem Soja gehen ins Blut

Soja enthält neben vielen weiteren Bestandteilen und dem wertvollen Eiweiß zwei hormonell aktive Substanzen – Daidzein und Genistein. Beide Stoffe werden vom Menschen in das Blut aufgenommen und gelangen so auch in alle Organe unseres Körpers. Dort haben diese sogenannten Pflanzenhormone ganz ähnliche Wirkungen wie das körpereigene Östrogen und fördern oder hemmen dosisabhängig das Wachstum von Zellen. In Studien an Frauen mit einem hormonabhängigen Brustkrebs wurden dennoch bisher weder eindeutig positive noch negative Einflüsse von Soja gefunden. Aufgrund dieser noch sehr unsicheren Datenlage empfiehlt das American Institute for Cancer Research (AICR) einen täglichen Sojakonsum von weniger als 160 Gramm Tofu bzw. einem halben Liter Sojamilch. Die dabei ins Blut aufgenommenen Mengen der Phytoöstrogene werden noch als unbedenklich eingestuft. Höhere Konzentrationen von Daidzein und Genistein hatten zuvor in größeren Zellkultur-Studien DNA-Schäden bis hin zum Zelltod zur Folge.

Angriffsziele der Phytohormone Daidzein und Genistein in den Zellen des Menschen. Hohe Konzentrationen beider Stoffe führen zu Schäden an der DNA sowie im Eiweißhaushalt der Zelle. (Quelle: Dr. Marcus Mau)
Soja beeinflusst Gene im Tumor

US-Forscher um Dr. Moshe Shike gingen nunmehr der Frage nach, ob die Aufnahme von Soja die Genexpression in einem aktiven Brustkrebs verändern könne. Insgesamt erhielten 140 Frauen mit einem frischdiagnostizierten Brustkrebs im Frühstadium eine Nahrungsergänzung mit 26 Gramm Sojaeiweiß oder Placebo (Kuhmilcheiweiß). Acht von zehn Frauen hatten einen hormonabhängigen Tumor, d.h., ihr Krebs war für Östrogene und ähnlich aufgebaute Substanzen sensibel. Ein Drittel aller Teilnehmerinnen hatte zudem die Menopause („Wechseljahre“) noch nicht erreicht.

Blutproben der Frauen mit einer Sojanahrung zeigten über den Untersuchungszeitraum von bis zu 30 Tagen einen sehr raschen Anstieg der Phytohormone um das Vier- bis Siebenfache. Eine wirkliche Überraschung waren jedoch Änderungen der Genaktivität im untersuchten Tumorgewebe. In der Sojagruppe waren zehn Tumorgene stärker aktiv; in der Kontrollgruppe nur fünf. Von besonderer Bedeutung sind dabei zwei Gene: eines für die DNA-Reparatur sowie ein anderes für den Östrogenstoffwechsel im Tumor. Beide zeigten eine um 90 % größere Aktivität. Ein drittes vermehrt gebildetes Eiweiß konnte als wichtiger Wachstumsfaktor für Tumoren ausgemacht werden.

Aufgrund dieser Ergebnisse schlossen die Studienautoren, dass Brustkrebspatientinnen nur mit der gebotenen Vorsicht Soja zu sich nehmen sollten. Craig Jordan, ein führender Onkologe aus den USA, meinte dazu: „Östrogenwirkungen sind recht komplex. Während Frauen mit einem Brustkrebs vor den Wechseljahren eher mit einem Tumorwachstum auf östrogenartige Hormone reagieren, verschiebt sich das Gleichgewicht bei Frauen nach den Wechseljahren deutlich. Bei ihnen überwiegt häufig der durch die Östrogene ausgelöste Zelltod.“ Kurzum: Ältere Brustkrebspatientinnen könnten möglicherweise von hormonell aktiven Substanzen aus dem Soja profitieren, jüngere Frauen vor den Wechseljahren jedoch ganz sicher nicht.

Quelle:
Shike M et al. 2014. J Natl Cancer Inst 106(9):dju189
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