Montag, 10. August 2015

Urologie kann mehr: Der Schlaf des Mannes

News: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. Marcus Mau.

Testosteron folgt keinem so strengen Tagesrhythmus wie beispielsweise das Cortisol. Doch besonders nachts steigen die Testosteronwerte an, weshalb das Hormon zunehmend im engen Zusammenhang mit der Schlafdauer und Schlafqualität beim Mann betrachtet wird.

Je mehr Mann schläft, desto höher ist sein nächtlicher Testosteronwert. Selbstverständlich nimmt der Serumgehalt des Hormons altersbedingt allmählich ab, dennoch hat auch ein älterer Mann mit vermindertem Testosteronwert nachts seine Konzentrationsspitze. Diese Tages-Nacht-Rhythmik hängt sehr stark davon ab, ob der Mann mindestens 3 bis 4,5 Stunden ungestörten Schlafes bekommt. Dabei ist unwichtig, ob er am Tag oder ausschließlich in der Nacht schläft.

Schlaf ist testosteronabhängig

Die Beziehung zwischen Testosteron und Schlaf ist wechselseitig, d. h., ist zu wenig Hormon im Blut, schläft der Mann schlechter; ist der Schlaf hingegen durch Stress oder Lärm gestört, wird die Testosteronspitze nicht mehr erreicht. Dieser Mangel an Testosteron kann Müdigkeit, Unruhe, Unausgeglichenheit bis hin zu sexuellen Störungen verursachen. Unser Schlaf ist dank des künstlichen Lichts, der Digitalisierung und vor allem aufgrund des steigenden Stresspegels in der Arbeitswelt sehr vielen Störfaktoren unterworfen. In der Folge sinkt die durchschnittliche Schlafzeit immer weiter auf weniger als sieben Stunden durchgehenden Nachtschlafes. Da die Testosteronspitze in der Nacht von den ersten drei bis vier Stunden Schlaf abhängt, ist es augenscheinlich, dass Schlafstörungen und Schlafentzug zu niedrigen Testosteronwerten führen.

Schlafmangel als Auslöser für Testosteronmangel?
In Experimenten zeigten Forscher, dass Männer, die acht Nächte in Folge nur jeweils fünf Stunden Schlaf bekamen, zwischen 10 und 15 % weniger Testosteron hatten als Männer mit durchschnittlicher Schlafdauer.

Fettleibigkeit und Testosteronwerte
Ein weiterer Einflussfaktor auf die Schlafqualität und das Testosteron ist das Körpergewicht. So leiden adipöse Männer sehr viel häufiger unter Schlafapnoe und Hypogonadismus als Normalgewichtige. Könnte diesen Patienten dann eventuell eine Hormonsubstitution helfen? Eine Gewichtsreduktion lässt die Testosteronkonzentration im Blut ansteigen. Gleichzeitig verringert sich die Gefahr für die Schlafapnoe und andere Folgeerkrankungen der Fettleibigkeit. Doch wer nun, um besser schlafen zu können, Testosteron wild substituieren möchte, sei gewarnt: sowohl ein Zuviel als auch ein Zuwenig stören die Schlafqualität. Ein Testosteronmangel verringert die Schlafeffektivität und erhöht die Zahl der Wachphasen. Gleichermaßen verändert der Testosteronmißbrauch das Schlafbild: Die Schlafzeit nimmt ab, Schlaflosigkeit tritt ein und es kommt zu Ein- und Durchschlafstörungen.

Quelle:
Witter G. Asian J Androl 2014; 16:262-265
(aus DER PRIVATARZT Urologie 3/2015)
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