Dienstag, 9. Juli 2013

Zähneputzen gegen Rheuma

News: Wissenschaft

von Dr. Marcus Mau


Schlechte Zahnhygiene geht auf das Herz. Dieser Zusammenhang ist bereits weithin bekannt. Doch was das Zähneputzen mit Knieschmerzen zu tun hat, veröffentlichte der türkische Wissenschaftler Mesut Ogrendik kürzlich im International Journal of General Medicine. Bakterien, welche Parodontose hervorrufen, sind demnach auch für Autoimmunkrankheiten, wie beispielsweise die Rheumatoidarthritis, verantwortlich. Doch wie funktioniert das im Detail?
Zwischen Parodontose und einer Arthritis des Knies gibt es eine statistisch nachweisbare Verbindung. Beide Erkrankungen zeigen ähnliche Entzündungsverläufe und sprechen ebenso auf die gleichen Medikamente an. „Zudem leiden Menschen mit Parodontose weitaus häufiger unter arthritischen Gelenkentzündungen als Gesunde“, so Ogrendik in seiner Arbeit. Wenn also Parodontose und Rheumatoidarthritis auf die Behandlung mit bestimmten Antibiotika ansprechen, spielen dann Bakterien eine Rolle bei der Entstehung der Autoimmunerkrankung Rheumatoidarthritis? Dieser Frage wollten Ogrendik und Kollegen nachgehen.

Parodontoseerreger und Entzündungen im Kniegelenk?
Nach Aussage der Wissenschaftler gehören etwa 20 Bakterienarten zu den Auslösern für Parodontose. Einige davon scheinen auch eine Rolle bei systemischen Autoimmunerkrankungen wie z. B. Rheumatoidarthritis zu spielen. Antikörper gegen diese Parodontoseerreger ließen sich ebenfalls in den entzündeten Gelenken nachweisen. Darüber hinaus fand Ogrendik DNA der betreffenden Bakterien in der Gelenkflüssigkeit sowie im Blut der Patienten. Die verdächtigen Bakterien sind Porphyromonas gingivalis, Prevotella intermedia, Tannerella forsythia, and Aggregatibacter actinomycetemcomitans, die ursprünglich alle in die Gruppe der Parodontoseerreger gehören.

Bakterien als Ursache der Rheumatoidarthritis
Obgleich der genaue Mechanismus noch nicht bis ins kleinste Detail verstanden ist, scheinen die Bakterien aus dem Mundraum über Verletzungen des Zahnfleisches in den Blutstrom zu gelangen. Von hier aus verbreiten sie sich überall im Körper, sodass unter anderem ihre DNA in der Gelenkflüssigkeit des Knies nachgewiesen werden konnte. Darüber hinaus scheinen die Bakterien wie z. B. P. gingivalis bestimmte Eiweißstrukturen im Körper zu zerstören. Diese veränderten Moleküle sind dann eine Grundvoraussetzung für die Entstehung von Autoantikörpern. Diese greifen daraufhin bevorzugt körpereigene Strukturen im Knie und Gelenkknorpel an. Gleichzeitig steigt die Konzentration von C-reaktivem Protein, welches zur angeborenen Abwehr gegen Bakterien wie P. gingivalis gehört. In der Folge kommt es zu schweren Entzündungen im Gelenkbereich. Die Mediziner sprechen dann von einer autoimmunen Erkrankung, beispielsweise von der sogenannten Rheumatoidarthritis.

Die Wissenschaftler geben jedoch ebenfalls zu bedenken, dass nicht alle Menschen mit Parodontose eine Rheumatoidarthritis entwickeln und im umgekehrten Fall auch nicht alle Rheumapatienten an Parodontose leiden müssen. Es besteht also auch weiterhin großer Forschungsbedarf, um die Zusammenhänge zwischen der Mundhygiene und einem Rheumaleiden vollständig aufklären zu können.
Quellen:

Ogrendik M. 2013. Rheumatoid arthritis is an autoimmune disease caused by periodontal pathogens. Int J General Med 6, 383-386.
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