Samstag, 31. März 2018

Menschen mit HIV unter Therapie sind keine Gefahr

NEWS: MEDIZIN

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. rer. nat. Marcus Mau.


Bei Menschen mit HIV mit gut eingestellter Therapie ist die Viruslast heutzutage in der Regel dank guter Medikamente unterhalb der Nachweisgrenze. Das bedeutet, diese Menschen sind im Alltag  nicht mehr ansteckend. Medizinisch wurde im vergangenen Jahrzehnt sehr viel erreicht und auch rechtlich ist die Situation mittlerweile zweifelsfrei zugunsten der Menschen mit HIV geklärt. Doch in den Köpfen vieler Mitmenschen herrschen nach wie vor Informationsmangel und die große Angst vor Ansteckung. Beides zusammen bildet eine entscheidende Grundlage für die Diskriminierung und Stigmatisierung von betroffenen Menschen mit HIV-Infektion.
HIV ist heute, dank der modernen Therapie, eine chronische Erkrankung geworden. Dank einer frühen Behandlung erreichen Menschen mit HIV eine der Allgemeinbevölkerung vergleichbare Lebenserwartung. Die Behandlung ist hochwirksam und oft genügt schon eine einzige Tablette täglich, um das Virus im Körper einzudämmen. In der Folge dieser Behandlung sinkt bei circa 93 % der Betroffenen die Viruslast unter die Nachweisgrenze. Dadurch ist eine Weitergabe der Infektion ausgeschlossen. Ebenso wenig besteht ein Übertragungsrisiko für Dritte im Alltag oder im Berufsleben.

Die meisten Menschen mit HIV unter Therapie sind heute uneingeschränkt berufstätig und auch belastbar. Im Durchschnitt sind sie nicht öfter oder länger krankgeschrieben als andere KollegInnen. Obgleich viele Menschen dies noch immer glauben, gibt es eigentlich keine Berufsverbote oder Tätigkeitsbeschränkungen für HIV-positive Menschen. Auch im Gesundheitswesen, als Pfleger oder Ärzte, dürfen sie arbeiten.
Fazit

Die chronische HIV-Infektion gilt im Sinne des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) als Behinderung, wodurch HIV-positive Menschen im Grunde Schutz vor Diskriminierung haben sollten. Jedoch zeigt die alltägliche Erfahrung, dass dem ganz und gar nicht so ist. Zwar gibt das Gesetz den Betroffenen eine Rechtsgrundlage im Kampf gegen nachteiliges Verhalten im Bewerberverfahren oder im Anstellungsverhältnis an die Hand, gegen die Angst und den Informationsmangel in den Köpfen der Menschen im Alltag hilft es leider nicht.


Quelle:
Pressekonferenz vom 23.03.2018 anlässlich der 17. Münchner AIDS- und Hepatitis-Tage in Berlin.BB
(Artikel in Teilen erstveröffentlicht auf esanum.de)
Videobeitrag mit freundlicher Genehmigung der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit e. V.

Mittwoch, 28. Februar 2018

Hirntumor: Methadon ist wohl nicht der besagte Heilsbringer

News: Medizin

Gastbeitrag der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, für Sie aufbereitet von Dr. rer. nat. Marcus Mau.

Viele Glioblastom-Patienten werden infolge der sehr positiven Berichterstattung in Deutschland mit Methadon behandelt und zwar ohne wirklich Datengrundlage aus klinischen Studien. Neueste Forschungsergebnisse aus der Zellkultur sprechen nun jedoch ganz entschieden gegen eine Wirkung dieser Substanz bei bösartigen Hirntumoren.

Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) stellten auf dem 33. Deutschen Krebskongress vom 21. bis 24. Februar 2018 in Berlin ihre experimentellen Befunde vor. „Die aktuellen Daten widerlegen die Hypothese, dass Methadon beim Glioblastom die Wirkung einer Chemotherapie in der Zelle verstärkt“, kommentierte Prof. Dr. med. Uwe Schlegel, einer der federführenden Autoren für die Leitlinie „Hirntumoren“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Hirntumor-Experten der DGN raten deshalb derzeit davon ab, Methadon außerhalb von kontrollierten klinischen Studien einzusetzen.

Glioblastome zählen zu den Krebserkrankungen mit besonders schlechter Prognose. Hoffnungen auf den Nutzen von Methadon als begleitende Therapie, welche die Wirkung von Chemotherapeutika beim Glioblastom verstärken soll, haben viele Patienten und Angehörige zuletzt stark verunsichert. Zahlreiche Patienten fordern Methadon ein, obwohl es keine wissenschaftlich gesicherten Belege für seine Wirksamkeit beim Glioblastom gibt.

Für eine aktuelle Studie untersuchten die Forscher im Labor den spezifischen Effekt von Methadon auf Glioblastomzellen. Dafür behandelten sie Zellkulturen des bösartigen Hirntumors – entweder mit dem Chemotherapie-Medikament Temozolomid allein, mit Methadon allein oder mit einer Kombination aus Temozolomid und Methadon. Unbehandelte Zellkulturen dienten als Kontrolle.

Andockstellen für Methadon fehlen
„Leider mussten wir feststellen, dass Methadon die Wirksamkeit der Chemotherapie nicht verstärkte. Das Opioid hatte keinerlei sensibilisierende Wirkung für die bei Glioblastomen eingesetzte Standardtherapie mit Temozolomid. Auch Methadon allein hat keinen nachweisbaren Effekt auf das Überleben oder Sterben der Krebszellen“, erklärte der Leiter der Arbeitsgruppe, Prof. Dr. med. Wolfgang Wick, Direktor der Neurologischen Klinik am Universitätsklinikum Heidelberg.

Die Forscher fanden zudem eine mögliche Erklärung für die fehlende Wirksamkeit von Methadon: In der überwiegenden Mehrzahl der Zellen von humanen Glioblastomen fehlte die spezifische Andockstelle, der Opioidrezeptor, für das Medikament. Ohne Andockstelle an der Krebszelle kann Methadon keine Anti-Tumor-Wirkung entfalten.

„Opioidrezeptoren sind offenbar recht exklusiv auf spezialisierten Nervenzellen exprimiert“, erläuterte Prof. Schlegel weiter. „In der aktuellen Studie ist mit Zellen gearbeitet worden, die der Situation beim Patienten ähnlich sind“, so der Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Bochum. „Sie besitzen ebenso wie reale Glioblastome im Menschen keine Opioidrezeptoren und können deshalb überhaupt nicht auf Methadon ansprechen.“

Fazit

Diese neuen Erkenntnisse sprechen gegen den Einsatz von Methadon als unterstützende Behandlung zur Chemotherapie bei Glioblastom. „Außerhalb von klinischen Studien ist von einer „supportiven“ Methadon-Therapie des Glioblastoms dringend abzuraten“, betonte Schlegel abschließend. Auf die Wirkung von Methadon auf andere Tumorentitäten oder Chemotherapien lässt sich aus den Ergebnissen allerdings nicht schließen.

Quelle
Latzer P et al., Methadone does not increase toxicity of temozolomide in glioblastoma cells. Poster 33. Deutscher Krebskongress, 21.–24. Februar 2018, Berlin; Oncol Res Treat 2018; 41(suppl 1): 1–221

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie vom 28.02.2018

Mittwoch, 31. Januar 2018

Mann, Du bist der Größte


News: Medizin

Für Sie aufgespürt und zusammengefasst von Dr. rer. nat. Marcus Mau.
Nur ein Drittel der US-amerikanischen Männer nutzt sie überhaupt, und auch in Deutschland ist ihr Ansehen nicht unbedingt hoch – Kondome. Sie rutschen oft sehr leicht ab und schränken ferner das Gefühl des Mannes ein, so die Argumente des starken Geschlechts gegen das Verhüterli. Die Antwort der Industrie folgt: Das maßgeschneiderte Kondom. Auf die Größe kommt es manchmal eben doch an.
Die Wurzeln des Kondoms liegen im ausgehenden 19. Jahrhundert, als nämlich ein gewisser Charles Nelson Goodyear mit seiner Erfindung der Vulkanisation den Weg für die Gummi- und Reifenproduktion ebnete. Dabei liegen Autoreifen und Kondome gar nicht soweit auseinander, machen sie den täglichen Verkehr doch durchaus sicherer.
Gäbe es da beim Kondom nur nicht das Problem mit der Größe. Industriell gefertigt, bringt das Kondom seit über einhundert Jahren Standards in die Schlafzimmer der Welt. So ist es in der Regel 17 cm lang. Für das Ego des Mannes wirkt ein solches Maß selbstverständlich stärkend. Schade nur, dass es so oft nicht richtig zu passen scheint oder gar vom eregierten Stolz abzurutschen droht – 83 % der Männer kommen einer aktuellen Studie zufolge für das Liebesspiel auf nur wenig mehr als 14 Zentimeter Länge.

Individualität statt Standards
Eine Firma aus Boston hat dieses Problem erkannt und sich der Lösung angenommen: Für jeden Mann das passende Kondom. Der Ansatz ist denkbar einfach und noch dazu Balsam für die Männerseele. Das Unternehmen bietet 60 Kondomgrößen an, die individuell als Kombination aus Länge und Umfang erstellt werden können. Zur Auswahl stehen Längen zwischen 12,5 cm und fast 24 cm sowie Umfänge zwischen 9 cm und nahezu 13 cm.
Gemessen wird zuhause mithilfe einer Schablone, die jedoch bewusst auf Zentimeterangaben verzichtet. Stattdessen ermittelt Mann beim Messen des guten Stückes eine Codierung, welche für seine Bestellung die genauen Maße verschlüsselt. So mag ein Mann ein E99 sein, ein anderer ein Z22 und allein die Herstellerfirma weiß, welches Kondom dieser jeweilige Mann benötigt.
Weil eine Vielzahl der Männer sich mit dem maßgeschneiderten Kondom einfach sehr viel weniger „zu klein“ fühlen wird, könnte durch diesen Ansatz vor allem auch das Selbstwertgefühl gesteigert werden. Ein positives Bild von der „eigenen Größe“ lässt vielleicht sogar am Ende den einen oder anderen Mann  mit mehr Stolz zum Kondom greifen. Dadurch ließe sich schließlich doch noch etwas für den Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen erreichen. Und dies ist angesichts der seit Jahren zunehmenden Syphilis- und Gonokokken-Infektionen weltweit von wachsender Bedeutung.
Quelle:
Erect penile length and circumference dimensions of 1,661 sexually active men in the United States. Herbenick D et al., J Sex Med 2014; 11(1): 93-101
http://news.doccheck.com/de/191702/griff-zur-penis-schablone/ (Artikel vom 9.11.2017)
feedeater.de